Fußball-Europameisterschaft 2016

Kommentar: Was die Hooligan-Probleme für den deutschen Fußball bedeuten

Hooliganausschreitungen in Frankreich trüben das Bild der Europameisterschaft. Aber was haben sie mit dem deutschen Fußball zu tun? Ein Gastkommentar.
28.06.2016, 00:00
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Von Pavel Brunßen
Kommentar: Was die Hooligan-Probleme für den deutschen Fußball bedeuten

Rechte Hooligans bei der "HoGeSa"-Demonstration in Köln.

dpa

Hooliganausschreitungen in Frankreich trüben das Bild der Europameisterschaft. Aber was haben sie mit dem deutschen Fußball zu tun? Ein Gastkommentar.

Hooligans und Neonazis reisen aus dem ganzen Bundesgebiet an. „Hurra, Hurra, die Deutschen, die sind da!“ und „Frei, sozial und national!“ schallt es durch den Bahnhof. Viele grüßen sich herzlich, stoßen mit Dosenbier an. Wenig später wird die Stimmung aggressiver – Passanten, Journalisten und Polizisten werden angegriffen. Die Szenen stammen nicht von der EM in Frankreich, sondern von einer Demonstration der „Hooligans gegen Salafisten“ 2014 mitten in Köln.

Rechte Hooligans kennen sich seit Jahren, sind bestens vernetzt. National wie international. Im Umfeld der EM kommt es nicht nur zu Krawallen wie in Marseille zwischen russischen und englischen Anhängern, sondern auch zu zahlreichen verabredeten Schlägereien: 15 gegen 15, abseits der Öffentlichkeit. Daran beteiligt sind auch rechte Hooligans aus verschiedenen deutschen Städten.

Sie treten selbstbewusst auf, posieren mit rechten Symbolen, zeigen den Hitler-Gruß, attackieren Fans anderer Nationalmannschaften. Keine Überraschung: Zuvor hatten die rechten Hooligans Aufwind bekommen – nicht nur bei HoGeSa und Pegida. In Dortmund, Düsseldorf oder Duisburg attackierten rechte Schläger zivilcouragierte Ultras. Die „Aachen Ultras“ verließen infolge solcher Angriffe im Januar 2013 das Stadion. Im gleichen Jahr verbot Eintracht Braunschweig den „Ultras Braunschweig“ sich im Stadion zu zeigen, nachdem diese von rechten Hooligans angegriffen worden waren. Die Folgen für die Angreifer? Keine. Auch in Bremen blieben vergleichbare Vorfälle nahezu folgenlos. Nachdem es im April 2015 zu Auseinandersetzungen mit linken Ultras kam, wurde gegen zahlreiche Ultras ermittelt. Die rechten Angreifer kamen ohne weiteres davon.

Haben nun die gewalttätigen Vorfälle bei der EM Auswirkungen auf den deutschen Fußball oder ist es nicht eher umgekehrt? Sicher ist: Verhaltensweisen wie die von Eintracht Braunschweig, der Bremer Justiz oder das Nicht-Handeln aller Akteure in Aachen senden ein deutliches Signal an rechte Hooligans: Ihr könnt machen was ihr wollt, euch passiert nichts!

Man überlässt denjenigen das Feld, die Hass und Gewalt verbreiten, das Recht des Stärkeren propagieren. Vereine, Verbände und Justiz sind gut beraten, zivilcouragierte Fan- und Ultragruppen zu unterstützen und rechte Schläger zu sanktionieren. Andernfalls wird sich die rechte Spirale im deutschen Fußball munter weiterdrehen. Sei es im weiteren Verlauf der EM, bei der WM 2018 in Russland oder im Umfeld des deutschen Vereinsfußballs.

Unser Gastautor ist Mitbegründer und Chefredakteur des Fußballmagazins „Transparent“. Der 28-Jährige studiert in Berlin Inderdisziplinäre Antisemitismusforschung. Er schreibt vor allem über gesellschaftspolitische Aspekte des Fußballs.

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