Deutschland - Türkei Konzentration wieder hochfahren

Berlin. Schier unheimliche Sympathiewerte, vorbildliche Integration - Cheftrainer Joachim Löw aber will sich nur noch mit der nächsten sportlichen Herausforderung beschäftigen.
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Berlin. Schier unheimliche Sympathiewerte, vorbildliche Integration - Cheftrainer Joachim Löw aber will sich nur noch mit der nächsten sportlichen Herausforderung beschäftigen.

«Es ist wichtig, dass die Konzentration wieder hochgefahren wird», betonte Teammanager Oliver Bierhoff, nachdem er selbst mit neuen Imagewerten die WM-Nachlese nochmals verlängert hatte. Nie in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes stand die Nationalmannschaft so für Teamgeist, Begeisterung und Integration, nie waren die Philipp Lahms oder Mesut Özils bekannter unter den fußballinteressierten Bürgern des Landes, ergab eine vom DFB in Auftrag gegebene Studie.

Bundestrainer Löw weiß vor dem heißen EM-Qualifikations-Hit am 8. Oktober in Berlin gegen die Türkei allerdings auch genau, dass die Umfragezahlen wesentlich mit vom sportlichen Erfolg abhängig sind. Und mit einem hochmotivierten Gegner, einem fehlenden Bastian Schweinsteiger und vielen WM-Spielern ohne Top-Form gibt es einige Probleme, mit denen Löw kämpfen muss. Wer gegen die wie Deutschland in der EM-Gruppe A noch verlustpunktfreien Türken den verletzten Mittelfeldchef Schweinsteiger ersetzen soll, ließ die sportliche Leitung des DFB-Teams weiter offen.

«Wir konnten einen Schlussstrich ziehen und blicken jetzt nach vorn. Ab sofort zählt nur noch die EM-Qualifikation», betonte Kapitän Philipp Lahm nach den Ehrungen durch den Bundespräsidenten und einer weiteren internen WM-Nachfeier im Mannschaftskreis. Auch Bierhoff strich heraus: «Die WM ist abgeschlossen, davon können wir jetzt nicht mehr zehren. Es steht ein schweres Spiel an.» Mit einem Sieg gegen die Halbmond-Kicker und einem weiteren «Dreier» vier Tage später im fernen Kasachstan könnte Löw entspannter nach vorn blicken.

Der Bundestrainer begann mit der detaillierten Vorbereitung, die von keinen Nebengeräuschen mehr gestört werden soll. So liegt auch die noch anstehende Verhandlung der Prämien für eine erfolgreiche EM-Qualifikation weiter auf Eis. «Es gibt keinen offiziellen Termin. Auf keinen Fall wird es Gespräche vor dem Türkei-Spiel geben», sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Möglicherweise soll es auf der Reise nach Kasachstan in der kommenden Woche erste Gespräche zwischen dem DFB und dem Spielerrat geben.

Im Teamhotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz standen statt Prämienpoker die Spielvorbereitung, Gespräche mit den noch 19 Spielern sowie eine Videoanalyse über die Stärken und Schwächen des Kontrahenten an. Am Abend war das erste Rasen-Training angesetzt. «Wir wissen, was sie für ein Potenzial haben. Es ist eine sehr starke Mannschaft», warnte Özil, auch wenn Türken-Spielmacher Arda Turan verletzt ausfällt. Für Özil als deutscher Spieler mit türkischen Wurzeln ist die Partie gegen das Heimatland seiner Eltern ein ganz spezielles. «Natürlich ist es ein ganz besonderes, weil ich gegen meine Freunde spiele», sagte der 21-jährige Fan-Liebling.

Özil bemühte sich wie seine Kollegen, Trainer und Funktionäre, die Schärfe aus der brisanten Partie vor 74 244 Fans - darunter bis zu 30 000 türkische Anhänger - im Berliner Olympiastadion zu nehmen. Der in Gelsenkirchen geborene Jungstar von Real Madrid spielte auf der Pressekonferenz sogar entspannt den Übersetzer, als türkische Journalisten Manager Bierhoff in ihrer Sprache befragten.

«Ich hoffe, dass Fairplay herrscht auf Straßen und Rängen und dass wir ein Fußballfest haben werden», sagte der Münchner Lahm. Mit seinem Bayern-Kollegen Hamit Altintop drehte der 26-jährige Kapitän extra einen TV-Spot, der auch im türkischen Fernsehen gezeigt wird. «Hamit hat gesagt, wie heiß die Türkei auf das Spiel ist. Uns geht es nicht anders», berichtete Lahm.

Dass das deutsch-türkische Thema dennoch viel Brisanz mit sich bringt, verdeutlichten Altintops Aussagen zur Entscheidung von Özil, für Deutschland und nicht für die Türkei zu spielen. Fußball sei «manchmal eine Herzensangelegenheit, aber viel öfter einfach Business». In der «Süddeutschen Zeitung» sagte der Münchner Altintop weiter: «Als deutscher Nationalspieler hat Mesut mehr Lobby, einen höheren Marktwert, er verdient mehr Geld. Hätte er sich für die Türkei entschieden, hätte er keine WM gespielt und wäre jetzt nicht bei Real Madrid. So einfach ist das.»

Özil selbst, der auch vom türkischen Verband umworben worden war, legte nochmals seine Beweggründe für die Entscheidung pro Schwarz- Rot-Gold offen: «Ich bin in der dritten Generation hier, bin hier geboren, habe in den Jugendmannschaften gespielt und fühle mich sehr wohl. Für mich kam keine andere Nation infrage.» (dpa)

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