Bundesliga

Labbadia wie Oberlehrer: Rüge für Rost

Hamburg . Ohne Fingerspitzengefühl und Souveränität hat Trainer Bruno Labbadia Torhüter Frank Rost gemaßregelt und damit für einen weiteren Brandherd beim Hamburger SV gesorgt.
19.04.2010, 14:32
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Labbadia wie Oberlehrer: Rüge für Rost

Zwist

dpa

Hamburg . Ohne Fingerspitzengefühl und Souveränität hat Trainer Bruno Labbadia Torhüter Frank Rost gemaßregelt und damit für einen weiteren Brandherd beim Hamburger SV gesorgt.

Wegen eines unangemeldeten Kinobesuches ist es vier Tage vor dem wichtigen Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham zu einem heftigen Streit in der Kabine zwischen dem 44 Jahre alten Coach und dem nur acht Jahre jüngeren Keeper gekommen.

Rost trat daraufhin aus dem Mannschaftsrat des Bundesliga-Siebten zurück. «Das war meine eigene Entscheidung und Konsequenz aus einer durch den Trainerstab so bewerteten Disziplinlosigkeit meinerseits», teilte der Torwart auf seiner Internetseite mit. Rost formulierte seinen Rückzieher zurückhaltend, um vor der Öffentlichkeit nicht noch Öl ins Feuer zu gießen.

Der Torhüter hatte vor dem verlorenen Spiel gegen Mainz 05 (0:1) für sich und fünf weitere Spieler einen Kino-Besuch organisiert, diesen aber nicht beim Trainer angemeldet. Der Schlussmann räumte ein, «damit einen disziplinarischen Verstoß begangen» zu haben. Die Mannschaft hatte wie immer vor Heimspielen im Hotel Grand Elysée Quartier bezogen, das lediglich 350 Meter vom Kino am Hamburger Dammtor entfernt ist. «Als jemand, der großen Wert auf Disziplin legt und diese auch von seinen Mitspielern einfordert, übernehme ich die Verantwortung für mein Handeln», schrieb Rost, der nicht wollte, dass auch noch seine Mitspieler ins Gebet genommen werden.

Laut Hamburger Zeitungen soll der Kinobesuch zu einer hitzigen Diskussion zwischen Labbadia und Rost in der Kabine geführt haben. Daraufhin teilte Rost, der nach dem Eklat am 18. April noch wortlos zum Auto gegangen war, am Abend via Internet seinen Rückzug aus dem Mannschaftsrat mit, ohne zuvor das Team informiert zu haben.

Der Bruch zwischen Trainer und Torwart verschärft die Krise beim HSV. Der Verein ist erstmals aus dem oberen Tabellen-Drittel abgerutscht und hätte so in der nächsten Saison keinen internationalen Startplatz. Nun ist alles auf das Halbfinal-Hinspiel in der Europa League ausgerichtet. Um das Saisonziel internationaler Wettbewerb zu retten, «bedarf es dreier exzellenter Spiele in der Europa League», meinte Club-Chef Bernd Hoffmann.

Auf die Frage, ob die internationalen Auftritte die schlechten Leistungen im Liga-Alltag verdecken würden, sagte er: «Wenn wir das Finale gewinnen, ist das die erfolgreichste Saison seit dem DFB-Pokalsieg 1987. Es kaschiert gar nichts. Der Gewinn der Europa League ist unser größtes Ziel. Was soll ein Trainerwechsel denn bringen? Der Trainer hat die Mannschaft ins Halbfinale geführt und ich gehe davon aus, dass das noch weitergeht.» (dpa)

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