Deutschland Löws Sizilien-Plan: Schinderei statt Liegestuhl

Sciacca. Sonne, Meer und Liegestuhl - aber nicht mit Joachim Löw. Nach dem munteren 3:0-Aufgalopp gegen Malta nahm der Bundestrainer seinen WM-Kandidaten schnell die Hoffnung, dass ein Regenerations-Trainingslager auf Sizilien mehr Urlaub als Arbeit sein könnte.
14.05.2010, 16:09
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Sciacca. Sonne, Meer und Liegestuhl - aber nicht mit Joachim Löw. Nach dem munteren 3:0-Aufgalopp gegen Malta nahm der Bundestrainer seinen WM-Kandidaten schnell die Hoffnung, dass ein Regenerations-Trainingslager auf Sizilien mehr Urlaub als Arbeit sein könnte.

«Die Spieler werden täglich zwischen drei und vier Stunden beschäftigt sein und trainieren», kündigte der Bundestrainer noch vor der Ankunft des DFB-Trosses im Hotels Rocco Forte Verdura in Sciacca mit zunächst nur 15 Spielern an.

Der gegen Malta glücklose Stefan Kießling hofft dennoch auf ein wenig Entspannung: «Ich glaube nicht, dass wir komplett die Füße hochlegen können, aber es wird etwas ruhiger als sonst.» Doch Löw stellte bereits die Prioritäten klar: «Die Spieler, die jetzt mitgehen, werden intensiv und anspruchsvoll arbeiten müssen.» Schon wenige Stunden nach der Landung auf Sizilien - die Spieler wurden von 20 Grad und leichter Bewölkung empfangen - bat Löw sein Personal in den Fitness-Bereich des Team-Hotels.

Täglich soll jeweils eineinhalb bis zwei Stunden am Morgen und am Nachmittag trainiert werden, erst dann können die Spieler zusammen mit ihren Familien das herrliche Ambiente ihrer italienischen Edel- Herberge genießen. 32 Familienangehörige haben sich zum gemeinsamen Regenerieren angemeldet, einige sind schon länger vor Ort, andere waren mit an Bord des Charter-Fliegers.

Dem DFB-Chefcoach muss in dem verbleibenden Monat bis zum ersten WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 13. Juni gegen Australien ein Spagat gelingen. Einerseits will er sein Personal in freudige WM-Stimmung bringen, andererseits muss er auf Sizilien und ab 21. Mai in Südtirol einen knallharten Wettbewerb durchziehen. «Es gibt sicher noch auf einigen Positionen den Konkurrenzkampf, den wir wollen», sagte Löw, der mit einer «kurzen Ansprache» am Freitag in Sciacca die WM-Vorbereitungszeit auch offiziell eröffnete.

Das Benefizspiel gegen Malta konnte nur mit erheblichen Einschränkungen als erster WM-Test gelten. Immerhin fehlten gleich zwölf Spieler aus dem 27-köpfigen vorläufigen WM-Kader. Darunter Löws komplette WM-Achse mit Kapitän Michael Ballack, Abwehrchef Per Mertesacker sowie dem Bayern-Trio Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Miroslav Klose. Gleich sieben Münchner Asse und vier von Werder Bremen stehen sich im DFB-Pokal-Finale gegenüber, dazu ist Ballack im englischen Cup-Endspiel mit dem FC Chelsea im Einsatz. Erst vom 24. Mai an in Südtirol, zwei Tage nach dem Champions-League-Finale der Bayern, ist der Kader komplett.

«Einige waren zum ersten Mal bei der Nationalmannschaft», wies Löw darauf hin, dass Personal-Auswahl und taktische Ausrichtung gegen Malta nur eine Eintages-Lösung waren. Die funktionierte unter den Umständen recht ordentlich, nimmt man einige Defensiv-Wackler und die Abschluss-Schwäche aus. Aus der Startelf von Aachen sind bei Löw nur wenige Akteure im engeren Kreis, auch zum Turnier-Auftakt in Südafrika erste Wahl zu sein: Torwart Manuel Neuer, der erneut enttäuschende Serdar Tasci sowie Löws Sorgenkind Lukas Podolski. «Ich mache mir keine Sorgen, ich habe mich immer gut auf Turniere vorbereitet», sagte der Kölner selbstbewusst.

Den gleich vier Debütanten blieb das schöne Gefühl, erstmals das Leibchen mit dem Bundesadler getragen zu haben. Während die jungen Dortmunder Kevin Großkreutz und Mats Hummels sowie der Leverkusener Stefan Reinartz sich jetzt auf Urlaub freuen können, saß der Hamburger Dennis Aogo am Freitag mit neuem Mut im Lufthansa-Charter von Düsseldorf nach Palermo. «Aogo hat ein gutes Spiel gemacht über die linke Seite, einige gute Chancen vorbereitet durch seine Vorstöße und Flanken», lobte Löw den 23-jährigen Neuling.

Umjubelt aber war vor allem Cacau. «Er hat das schon die ganze Rückrunde gezeigt. Es ist kein Zufall, dass er jetzt im Kader steht», sagte Löw über den 29 Jahre alten Stuttgarter, der sich nach seinen ersten beiden Länderspieltreffern einfach nur «glücklich und stolz» fühlte. «Deutschland hat mich sozusagen adoptiert», sagte der gebürtige Brasilianer dankbar.

Cacau hat wie Kroos (Löw: «Er hat ein hervorragendes Pass-Spiel») das bisherige Stammpersonal erst einmal unter Druck gesetzt. Und Neuer legte im heißen Torwart-Dreikampf gegen den Bremer Tim Wiese und den Münchner Hans-Jörg Butt vor: «Es ist mir egal, wann die Entscheidung fällt, wenn ich dann die Nummer 1 bin. Ich bin nicht in der Position zu entscheiden, sondern mich zu empfehlen», sagte der 24-Jährige. Löw lässt sich in Personalfragen nicht treiben: «Wir haben noch einige Wochen Zeit, wir müssen noch viel tun.»

Bis zum 1. Juni muss Löw seinen 23-Mann-Kader auswählen und eine titelreife Stammelf finden. Das kann erst im zweiten Trainingslager in Südtirol geschehen. «Dann steht im Vordergrund, dass wir uns als Mannschaft einspielen. Wenn wir eine geschlossene Mannschaftsleistung abrufen, können wir bei der WM schon eine gute Rolle spielen», betonte Löw. (dpa)

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