WM-Aus für Mittelfeldspieler Marco Reus - Star ohne Bühne

Frankfurt am Main. Marco Reus wird die WM in Brasilien verpassen. Jetzt muss nicht nur Joachim Löw eine neue Strategie entwerfen. Für zwei andere Spieler wird der Ausfall des Dortmunders hingegen zur großen Chance.
08.06.2014, 10:36
Lesedauer: 3 Min
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Marco Reus - Star ohne Bühne
Von Marc Hagedorn

Frankfurt am Main. Die deutsche Nationalmannschaft ist am Sonnabend ohne Marco Reus zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien geflogen. Der Dortmunder hatte sich beim 6:1 im Abschlusstest gegen Armenien schwer am Sprunggelenk verletzt. Damit findet das Turnier ohne einen Spieler statt, von dem allseits Großtaten erwartet wurden. Reus’ Unglück ist im deutschen Team nun die große Chance für Lukas Podolski und Andre Schürrle.

Es war alles perfekt geplant. In den meisten Werbekampagnen des DFB und seiner Sponsoren steht Marco Reus ganz vorne in der ersten Reihe. Marco Reus wirbt vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien für alkoholfreies Bier, für Automarken und für Banken. 90 Prozent aller Leser des Fachmagazins „Kicker“ wollen Marco Reus unbedingt in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft sehen. Und pünktlich zum vorletzten Vorbereitungsspiel gegen Kamerun am vergangenen Sonntag hatten die Redakteure des DFB-Journals Marco Reus mit den Worten zitiert: „Ich bin kein Talent mehr, es wird Zeit, dass ich etwas Großes in den Händen halte.“ Gemeint war natürlich: der WM-Pokal. Seit Sonnabendvormittag weiß man: Es wird nicht dazu kommen.

Marco Reus ist gestern Abend nicht mit zur Fußball-WM nach Brasilien geflogen – dorthin, wo sich ab Donnerstag die besten Fußballer der Welt treffen. Der 25-Jährige von Borussia Dortmund hätte unbedingt dorthin gehört, aber bei einem auf den ersten Blick eher harmlos erscheinenden Zweikampf im Mittelfeld hat er sich im letzten WM-Test gegen Armenien einen Teilabriss des vorderen Syndesmosebandes im linken Sprunggelenk zugezogen.

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Wieder und wieder hatten die Fernsehkameras des ZDF die Szene am Freitag im Anschluss an den 6:1-Sieg gezeigt, herangezoomt und vergrößert; wie unter einer Lupe zeigten die TV-Bilder aus verschiedenen Perspektiven, wie unglücklich Reus umknickte. Das sah schon am Abend nicht gut aus und fand noch in der Nacht in der Mainzer Uniklinik traurige Bestätigung: Die WM findet ohne Marco Reus statt. Für ihn hat Bundestrainer Joachim Löw gestern Mittag den jungen Innenverteidiger Skhodran Mustafi von Sampdoria Genua nachnominiert (siehe unten stehenden Text).

Sponsoren müssen umdenken

Das WM-Aus ist für den ehrgeizigen Reus eine große persönliche Enttäuschung, ja ein kleines Drama. Für das Team von Joachim Löw ist es eine Schwächung. Und für die Werbepartner ein Rückschlag. Puma etwa, Reus‘ persönlicher Ausstatter, baut den eleganten Edeltechniker, der in Anlehnung an Cristiano Ronaldos Kürzel „CR7“ inzwischen als „MR“ firmiert, als globale Marke auf. Auf die Frage, ob Marco Reus ein Weltstar werden könne, sagte Puma-Chef Björn Gulden kürzlich: „Das hoffe ich. Wenn man sieht, wie er Fußball spielt, wird deutlich, dass er das Zeug dazu hat.“

Daran hat auch Löw keinen Zweifel. Reus hätte eine bedeutende Rolle in Brasilien gespielt. Der Dortmunder steht für Tempo, Technik und Torgefahr. Löw brachte ihn zuletzt meist auf den offensiven Außenpositionen. Längst war Reus aber auch eine ernsthafte Option für die Zentrale und damit ein Konkurrent für Mesut Özil, der noch seine WM-Form sucht. Im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid hatte Reus zentral großartig aufgespielt, Ideen entwickelt und Durchsetzungsvermögen gezeigt. Das bleibt nun eine sentimentale Erinnerung; genau wie seine überragende Statistik in dieser Saison: In 44 Pflichtspielen für Borussia Dortmund war er an 45 Toren (23 Treffer, 22 Vorlagen) direkt beteiligt.

Mit seiner Verletzung reiht sich Reus ein in die Riege prominenter Ausfälle: Frankreich muss ohne Franck Ribéry auskommen, Kolumbien ohne Falcao, Brasilien ohne Thiago. Und so herzlos das auch klingen mag: Reus’ Ausfall ist für Deutschland nicht so schlimm, wie es die genannten Ausfälle für die anderen Nationen sind. Weil die DFB-Elf immer noch über herausragende Kräfte verfügt. Zwei davon drängen seit dem Trainingslager in Südtirol mit Vehemenz nach vorn: Lukas Podolski und Andre Schürrle. Gegen Kamerun sorgten sie mit einer Co-Produktion für das zwischenzeitliche 2:1. Gegen Armenien schoss Schürrle das 1:0, Podolski erzielte das 2:1 und bereitete drei weitere Treffer vor. Dieses Duo in Top-Form ist ab sofort wichtiger als je zuvor.

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