EM-Qualifikation Österreich - Deutschland Martin Harnik steht heute im Fokus

Wien. Stürmer Martin Harnik vom VfB Stuttgart rückt beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Deutschland am Freitagabend in den Mittelpunkt. Harnik ist in Deutschland aufgewachsen, aber in Österreich zum Nationalspieler geworden.
03.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Frank Hellmann

Wien. Kaum etwas hat in der deutsch-österreichischen Familie Harnik den Zusammenhalt so gefördert wie die vielen gemeinsamen Urlaube in der Steiermark. Oberhaupt Erich hatte neben Frau Susann ja auch die Söhne Jan, Heiko und Martin stets dabei, um ihnen die Schönheiten der Grazer Umgebung näherzubringen. Er kennt sich da aus, er stammt aus Allerheiligen im Mürztal, doch als er sich in seine heutige Gattin verliebte, eine bodenständige Hamburgerin, stand der Ortswechsel an.

Die Familienhistorie erklärt, warum auch der jüngste Spross zwischen den Welten lebt: Martin Harnik, Fußballprofi, 23; aufgewachsen in Deutschland, aber aufgestiegen zum Nationalspieler in Österreich. Logisch, dass der Seitenwechsler im EM-Qualifikationsspiel der Erzrivalen in den Fokus rückt. Etwas merkwürdig klingt es ja schon, dass ein junger Mann mit unverkennbar norddeutschem Idiom vor seinem 21. Länderspiel für die rot-weiß-rote Auswahl "Land der Berge, Land am Strome" singt - eine heimatlich klingende Hymne. Wo ist Harniks Heimat?

"Ich fühle mich als Österreicher, auch wenn ich mich im Privatleben als Deutscher sehe. Doch ich kann mir vorstellen, später in der österreichischen Bundesliga zu spielen, mir irgendwo ein Haus zu bauen." Aber ist er nicht trotzdem ein "Piefke"? Die bedingt schmeichelhafte Bezeichnung für den gemeinen Deutschen hat er noch selbst auf seine Trinkflasche gekritzelt, als er vor vier Jahren für die österreichische U20-Auswahl kickte. "Ich war leicht erkältet und wollte nicht, dass die anderen daraus trinken." Der Labrador-Liebhaber hat den Schalk im Nacken, und das kommt in der Alpenrepublik genauso gut an, wie Harnik vorgibt, deren eigentümliche Fußball-Dialektik zu beherrschen: Er weiß, was Ferscherl, Gurkerl und Bummerl sind.

Auch in Bremen hat man diesen Draufgänger mal umjubelt; als er beim SV Werder am 25. August 2007 einen traumhaften Bundesliga-Einstand gab - kaum eingewechselt beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg, gelang ihm das Siegtor. Doch der ungezähmte Jungspund, anderthalb Jahre zuvor beim SV Vier- und Marschland aufgetan und dem Hamburger SV vor der Nase weggeschnappt, wurde wegen seines nassforschen Auftretens alsbald von Trainer Thomas Schaaf mit Argwohn beobachtet. Irgendwann kam der Angreifer nur noch als Verteidiger zum Einsatz - wenn überhaupt.

Ein Umweg über den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf verhalf ihm zum wirklichen Durchbruch in der Bundesliga, seine neun Tore und neun Torvorlagen trugen letztlich entscheidend dazu bei, dass der VfB Stuttgart die Klasse hielt. Zudem lehrte die turbulente Saison den Offensivmann ein bisschen Demut. Sein Spruch von den Deutschen, "die sich vor Österreich in die Hosen scheißen", brachte es bei der EM 2008 zur Schlagzeile. "Damals war ich jung und unerfahren", sagt er und lacht.

Heute klingt es fast brav, wenn Harnik behauptet: "Schwächen bei den Deutschen sind schwer auszumachen. Wir haben uns seitdem nicht so schnell entwickelt wie die." Mit Christian Fuchs (Mainz) und Emanuel Pogatetz (Hannover) ist Harnik einer von lediglich drei Akteuren, die im letzten EM-Gruppenspiel am 16. Juni 2008 auf dem Platz standen, als Deutschland 1:0 siegte. "Verdient", erinnert sich Harnik, "wir waren über weite Strecken chancenlos." So richtig kann sich der gelernte Versicherungskaufmann auch diesmal noch nicht ausmalen, wie ein Sieg gelingen soll. "Wir brauchen einen goldenen Tag." Was eine Sensation bedeuten würde? Er überlegt lange: "Ich glaube, eine Niederlage wäre für Deutschland schlimmer als für Österreich die Blamage gegen die Färöer."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+