Deutschland - Türkei Özils besonderes Spiel gegen seine 'Freunde'

Berlin. Für Mittelfeldspieler Mesut Özil ist das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und der Türkei am Freitag in Berlin eine ganz besondere Partie, 'weil ich gegen meine Freunde spiele.' Unterdessen wurde Özil von Bayern Münchens Hamit Altintop verbal attackiert.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jan Christian Müller

Berlin. Die Brillanten in beiden Ohren funkeln. Die Frisur ist modisch gegelt. Mesut Özil ist in der Top-Etage der Fußball-Stars angekommen. Beim Heimspiel in der Em-Qualifikation morgen im Berliner Olympiastadion (20.45 Uhr) gegen die Türkei - dem Land seiner Vorfahren - steht er mehr denn je im Rampenlicht.

Glaubt man der türkischen Tageszeitung Hürriyet, dann ist Mesut Özil nicht bloß ein Virtuose am Ball. Dann hätten die knapp zwei Monate seit seinem Wechsel von Bremen nach Madrid dem nächste Woche 22 Jahre alten Fußballspieler genügt, um auch sein Mitteilungsbedürfnis auf wundersame Weise auszubauen. Das Istanbuler Hauptstadtblatt will nämlich ein Interview mit dem schüchternen Abtrünnigen geführt haben und zitiert ihn in einer Art Botschaft an die türkische Nation voller Pathos so: 'Erklärt mich nicht zum Verräter, wenn ich ein Tor schieße.'

Eine Nachfrage beim Pressechef des Deutschen Fußball-Bundes führt indes zu erstaunlichen Einblicken: Özil, sagt der verantwortliche DFB-Öffentlichkeitsarbeiter Harald Stenger, habe dieses Interview mit Hürriyet nie geführt. Der Mittelfeldspieler habe demnach auch nie gesagt: 'Leider regen wir Türken uns leicht über alles Mögliche auf' oder, im Zusammenhang mit seiner Entscheidung für den DFB und somit gegen die türkische Nationalmannschaft: 'Damals gab es sogar Leute, die mich zum Vaterlandsverräter erklärt haben.'

Um weiteres Ungemach in den ohnehin aufregenden Stunden vor dem Anpfiff zu vermeiden und den medialen Irrsinn nicht noch mehr ausufern zu lassen, wurden die mehr als drei Dutzend anstehenden Interviewanfragen an den Jungen mit den traurigen Augen vom zuständigen Dachverband allesamt abschlägig beschieden. Özil musste sich stattdessen in einem repräsentativen, als Glaspalast getarnten Autohaus am Spreeufer auf eine Bühne setzen und abwechselnd auf deutsch und türkisch Fragen beantworten.

Es ist bekannt, dass der hochbegabte Offensivspieler solche Pflichttermine genauso wenig mag wie Grätschen an der eigenen Strafraumkante. Aber diesmal gab es kein Vertun. Sogar einen Simultanübersetzer hatte der DFB engagiert, auf dass Özils tiefschürfenden Verlautbarungen nicht falsch interpretiert würden. Der DFB und der Profi haben vor dem ohnehin emotional überladenen Fußballspiel kein Interesse an unnötiger Zuspitzung: 'Ich möchte, dass beide Seiten freundlich miteinander umgehen.'

Mag sein, dass Özil deshalb nicht zufällig eine Trainingsjacke in der roten Farbe der türkischen Nationalflagge übergezogen hatte. Diese Symbolik trug er dann auch in seinen dürren Statements vor sich her: 'Es ist ein ganz besonderes Spiel für mich, weil ich gegen meine Freunde spiele', sagte der Mann mit den schmalsten Schultern im deutschen Team gleich zur Begrüßung.

Auch auf hartnäckigere Nachfragen in beiden Landessprachen schaffte es der mit einer bescheiden festgesetzten Ablösesumme von 250 Millionen Euro derzeit nach Cristiano Ronaldo teuerste Mensch der Welt, nationale Untiefen zu umdribbeln. Wenn die Nationalhymnen gespielt würden, beteuerte er mit dem ihm eigenen treuherzigem Hush-Puppie-Blick, 'konzentriere ich mich auf das Spiel'. Er habe 'viele Freunde in der Türkei, die mich anrufen und sehr stolz auf mich sind', mittlerweile höre er 'nur positiv aus der Türkei', darüber sei er 'sehr glücklich'.

Angriff von Hamit Altintop

Aus München allerdings kam weniger positive Kunde via Süddeutscher Zeitung. Bayernprofi Hamit Altintop glaubt zu wissen, Özil habe vorwiegend aus Gründen der Karriereplanung für einen Stammplatz im deutschen Mittelfeld und gegen die Türkei votiert. 'Hätte er sich für die Türkei entschieden, hätte er keine WM gespielt und wäre nicht bei Real Madrid', begründete der 59-fache türkische Internationale schlagsicher. Dennoch, beeilte sich der erfolgreichere der beiden Altintop-Zwillinge einfühlsam anzufügen, sei der ebenfalls in Gelsenkirchen geborene Özil 'wie ein Bruder' für ihn.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+