Bremer Fußballtrainer und Portgual-Experte Pereira: "Portugal hat nur Ronaldo"

Bremen/Santo André. Paulo Pereira weiß wovon er spricht. Er ist Portugiese und Fußballer von ganzem Herzen. Aktuell ist zwar des Trainer des Bremer Landesligisten TS Woltmershausen, doch seine Verbindung nach Portugal ist ausgezeichnet.
14.06.2014, 00:00
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Pereira:
Von Marc Hagedorn

Bremen/Santo André. Paulo Pereira weiß wovon er spricht. Er ist Portugiese und Fußballer von ganzem Herzen. Aktuell ist zwar des Trainer des Bremer Landesligisten TS Woltmershausen, doch seine Verbindung nach Portugal ist ausgezeichnet.

Als die Bilder von Cristiano Ronaldo und seinem dick bandagierten Knie am Donnerstag die Runde machten, hat Portugal den Atem angehalten. Cristiano Ronaldo hatte das Training der Nationalmannschaft nach 15 Minuten beenden müssen. Zwei Stunden später gab er Entwarnung: Alles nicht so schlimm mit dem Knie. Gottseidank. „Portugal hat nur Cristiano Ronaldo“, sagt Paulo Pereira.

Paulo Pereira weiß, wovon er spricht. Er ist Portugiese und Fußballer von ganzem Herzen. Aktuell trainiert er im dritten Jahr den Bremer Landesligisten TS Woltmershausen, und er ist längst im WM-Modus. Regelmäßig hat er zuletzt mit seinem Bruder in Portugal telefoniert. Gesprächsthema? Klar, die WM. Portugal spielt am Montag gegen Deutschland.

Für Paulo Pereira, 41, ist es das Duell alte Heimat gegen neue Heimat. Seit seinem achten Lebensjahr ist er in Bremen zuhause. Einmal war er in dieser Zeit nahe dran, nach Portugal zurückzukehren – beziehungsweise aus einem Portugal-Sommerurlaub nicht mehr nach Bremen heimzukommen. Bei Sporting Braga, dem Erstligisten aus seiner Geburtsstadt, absolvierte er als A-Junior ein Probetraining. Es reichte am Ende nur für das Angebot, in der B-Mannschaft zu spielen. „Aber das wollte ich nicht“, sagt Pereira, damals mit Tura in der höchsten Nachwuchsklasse aktiv. Also blieb er in Bremen. Spielte in Huchting, bei Hastedt und Union. Sein Herzensverein blieb aber immer TS Woltmershausen. Seine Arbeit mit der dortigen Ersten Herren macht Fortschritte: „Wir haben eine ausgeglichen besetzte Mannschaft“, sagt Pereira.

Da hat er seinem Kollegen Paulo Bento etwas voraus. Bento ist Nationaltrainer von Portugal und verantwortet eine Elf, die eigentlich eine Zehn plus Cristiano Ronaldo ist. „Ronaldo ist der König“, sagt Pereira. Schießt CR7 für Real Madrid ein Tor, jubelt ganz Portugal mit. Tritt CR7 zum Freistoß an, hält das Land den Atem an. Zwickt CR7 das Knie, stöhnt Portugal auf, bangt und betet. Portugal liebt seinen Ronaldo. Er macht die Fans stolz. Was hat das Sportland Portugal sonst auch vorzuweisen? Erfolge im Tennis? Keine. Im Basketball? Auch nicht. Eishockey? Kennt man kaum. Auch Handball spielt kaum eine Rolle.

Pereira kennt einen weiteren Grund für die Verehrung Ronaldos: „Man bewundert bei uns jeden, der es aus einfachen Verhältnissen nach oben geschafft hat.“ Dass CR7 viel Geld für schnelle Autos und teuren Schmuck ausgibt, stört die Wenigsten. Weil die Portugiesen Ronaldo anders erleben als viele Europäer. Für die Mehrheit seiner Landsleute ist CR7 kein Schnösel und Angeber. „Sondern einer, der viel an sich arbeitet. Er will immer besser werden, und er wird immer besser. Der Rest ist Image“, sagt Pereira. Viele Teamkollegen Ronaldos äußern sich ähnlich, beschreiben ihn als Musterprofi. „Außerdem“, so Pereira, gebe er vieles an die Menschen zurück. In Form von Toren an sein Land, aber auch als Wohltäter. Ronaldo spendete schon Millionen für Projekte und Schulen in Portugal und Gaza.

Und sonst? „Hat Portugal gute Spieler, aber wenig Weltklasse“, sagt Pereira. Er nennt den Innenverteidiger Pepe von Real Madrid. „Er hat eine große Präsenz, ja, ist aber auch immer rotgefährdet.“ Er nennt Joao Moutinho von AS Monaco. „Er ist fleißig, aber kein Genie.“ Und Bruno Alves von Fenerbahce? „Ja, kopfballstark, aber undiszipliniert.“ So zieht sich das durch die gesamte Auswahl, findet Pereira. Portugals Kader ist eine Ansammlung von Einerseits-Andererseits-Spielern.

„Im Grunde haben wir also nur Ronaldo“, sagt Pereira. Er befürchtet, dass das zu wenig ist für ganz große Ziele. Es ist nämlich lange her, dass ein Superstar alleine ausreichte, um eine sonst eher biedere Auswahl zum Weltmeister zu machen. 1986 in Mexiko war das, und der Mann hieß Diego Maradona. Wobei es streng genommen ja nicht Maradona war, der Argentinien zum Titel trug, sondern die „Hand Gottes“. Und gegen Gott ist Ronaldo als „König von Portugal“ tatsächlich nur eine kleine Nummer.

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