St. Pauli Perfekt geplant: «Stani» machte alles richtig

Hamburg. Geheim trainiert, gekonnt gepokert, geschickt gewechselt: Trainer-Fuchs Holger Stanislawski hat vor und beim 3:2 (1:0) über den 1. FC Nürnberg alle Register gezogen und wird zurecht als Vater des ersten Saison-Heimerfolgs vom FC St. Pauli in der Fußball-Bundesliga gefeiert.
17.10.2010, 17:57
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Hamburg. Geheim trainiert, gekonnt gepokert, geschickt gewechselt: Trainer-Fuchs Holger Stanislawski hat vor und beim 3:2 (1:0) über den 1. FC Nürnberg alle Register gezogen und wird zurecht als Vater des ersten Saison-Heimerfolgs vom FC St. Pauli in der Fußball-Bundesliga gefeiert.

«Ja, das bestätigt mich in meiner Überzeugung, dass wenn die Jungs das machen, was ich ihnen sage, sie auch erfolgreich Fußball spielen können», witzelte der 41 Jahre alte Coach breit grinsend nach dem Arbeitssieg über den FCN. Und erleichtert aufatmend ergänzte er: «Endlich müssen wir keine Fragen mehr nach dem ersten Heim-Dreier beantworten.»

Dass nach drei Auswärtssiegen der Bann am Millerntor gebrochen und im vierten Anlauf der ersehnte Triumph eingefahren wurde, war allen voran dem Strategen Stanislawski zu verdanken. Denn er hatte alles richtig gemacht: Bis zuletzt ließ er offen, ob er Top-Zugang Gerald Asamoah erstmals nach auskurierter Verletzung von Beginn an bringen würde. «Asa» spielte, staubte zum 1:0 (45.+1) ab und bereitete Marius Ebbers' 2:1 (59.) vor. Beide Tore fielen nach Standardsituationen, die der Coach am Vortag im Stadion intensiv im Geheimtraining hatte üben lassen. Doch damit nicht genug: Stanislawski wechselte auch noch Florian Bruns (74.) ein, der acht Minuten später das Siegtor köpfte.

«Der Trainer hat mir gesagt: ,Geh' rein und hol' den Sieg heim», berichtete Bruns und bestätigte damit dessen «goldenes Händchen». Doch Ex-Profi «Stani», der einst den Fußball-Lehrerschein als Lehrgangsbester erhielt, gab die Komplimente an sein Team zurück. «Das war fußballerisch keine gute Partie, aber der letzte Prozent Wille hat den Ausschlag gegeben. Wenn wir an unsere Grenze gehen, dann sind wir nur schwer zu schlagen.» Dass der Kiez-Club mit stolzen 13 Punkten in die erweiterte Spitzengruppe aufrückte, nannte Stanislawski eine «erfreuliche Momentaufnahme».

Gerald Asamoah war überglücklich, dass er endlich in der Startelf stand. «Ich habe quasi seit Jahren nicht mehr von Anfang an gespielt. Bei Schalke war ich lange verletzt oder habe auf der Bank gesessen, deswegen war das heute ein schönes Gefühl», gestand der 32-Jährige, der einen in der Saisonvorbereitung erlittenen Sehnenteilabriss im Oberschenkel auskuriert hat. «Gerald hat mit den Hufen gescharrt und sich über Kurzeinsätze empfohlen. Er ist jetzt bei uns angekommen und hat sich mit seinem Tor selbst belohnt», lobte Stanislawski.

Weniger zufrieden mit seinen Akteuren war Kollege Dieter Hecking. Zwar zeigten die FCN-Profis Moral und egalisierten durch Mehmet Ekici (49.) und Andreas Wolf (62.) zweimal den Rückstand, ließen dann aber den nötigen Siegeswillen vermissen. «Letztendlich hat die Mannschaft gewonnen, die zehn Zentimeter mehr Leidenschaft geboten hat», stellte Hecking fest. So feierte St. Pauli mehr als den ersten Heimsieg der Saison: Denn der letzte Heimerfolg im Oberhaus war dem Kiez-Club bei dessen letztem Bundesliga-Gastspiel am 9. Mai 2002 gelungen. (dpa)

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