Bundesliga Pfeifen im Walde: Hertha spricht sich Mut zu

Frankfurt/Main. Der fünfte Bundesliga-Abstieg in der Vereinsgeschichte rückt unaufhaltsam näher, offen reden möchte bei Hertha BSC darüber aber niemand. Nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt bemühten Spieler, Trainer und Funktionäre lieber Durchhalteparolen.
19.04.2010, 13:03
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Frankfurt/Main. Der fünfte Bundesliga-Abstieg in der Vereinsgeschichte rückt unaufhaltsam näher, offen reden möchte bei Hertha BSC darüber aber niemand. Nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt bemühten Spieler, Trainer und Funktionäre lieber Durchhalteparolen.

Angesichts des knüppelharten Restprogramms klangen die aber eher wie das berühmte Pfeifen im Walde. «Unsere Chance besteht darin, dass wir keine haben», sagte Manager Michael Preetz. Und Trainer Friedhelm Funkel versprach: «Wir werden nicht aufgeben und das Letzte aus uns herausholen.» Die nackten Zahlen sprechen klar gegen die «alte Dame» aus Berlin. Der Tabellenletzte hat erst 23 Punkte auf seinem Konto, zum rettenden Ufer fehlen fünf Zähler. Und in den letzten drei Saisonspielen geht es gegen Schalke 04, Bayer Leverkusen und Bayern München. «Da helfen nur noch Siege», meinte Preetz. Sonderlich überzeugt davon wirkte er nicht. Funkel trat da schon kämpferischer auf: «Für uns ist auch in den letzten drei Spielen etwas drin. Mal sehen, wie es am 34. Spieltag aussieht.»

Auf der langen Bahn-Heimreise in die Hauptstadt, die erst um 1.30 Uhr endete, dürfte sich Preetz intensive Gedanken über die sportliche Zukunft des Vereins gemacht haben. Denn nach dem Rückschlag im Abstiegskampf müssen die Planungen für die 2. Liga hinter den Kulissen vorangetrieben werden. Letztmals musste die Hertha in der Saison 1990/91 den schweren Gang nach unten antreten, die Rückkehr gelang erst sechs Jahre später. Dieses Mal kann das Ziel im Falle des Abstiegs nur der sofortige Wiederaufstieg sein, was durch die angespannte Finanzlage jedoch erschwert würde. Immerhin drücken den Traditionsverein über 30 Millionen Euro Schulden.

Unklar ist auch, ob Funkel die Berliner in die 2. Liga begleiten würde. «Das ist momentan kein Thema, darüber haben wir noch nicht gesprochen. Mein Vertrag gilt nur für die Bundesliga. Wir werden alles versuchen, das Unmögliche noch möglich zu machen. Was danach wird, kann ich jetzt noch nicht sagen», erklärte der Coach. Er richtete den Blick auf den kommenden Spieltag, an dem es für die Hertha um Alles oder Nichts geht. «Warum sollen wir gegen Schalke nicht gewinnen. Irgendwann muss der Heimspiel-Fluch doch zu Ende gehen», meinte Funkel.

Die Statistik spricht gegen die Berliner. Der einzige Saisonsieg vor heimischer Kulisse liegt über acht Monate zurück: Am 1. Spieltag gelang ein 1:0 gegen Hannover 96. Und die Hypothek aus der Hinrunde, als nur sechs Punkte gesammelt wurden, wiegt schwer. «Diesen Rucksack schleppt die Mannschaft immer noch mit sich herum. Wir haben seit Januar praktisch nur noch Endspiele. Das ist mental schwer zu verkraften», sagte Preetz.

Dies wurde auch in Frankfurt deutlich, wo die Gäste eine zweimalige Führung durch Gojko Kacar (17.) und Raffael (43.) nicht ins Ziel retten konnten. Ümit Korkmaz (37.) und Marco Russ (63.) holten die Berliner mit ihren Treffern aus allen Siegträumen. In seiner Verzweiflung packte Funkel die verbale Keule aus und wetterte gegen Schiedsrichter Felix Brych: «Die Entstehung des 2:2 war unglaublich. Vor dem Freistoß, der zum Tor führte, gab es kein Foul. Es kotzt mich an.» (dpa)

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