Polen Polen setzt auf BVB-Trio - Gefährlicher Außenseiter

Warschau. Das Double-Trio aus Dortmund ist allgegenwärtig. Auf riesengroßen Plakaten werben die drei polnischen Nationalspieler der Borussia landesweit für die EM.
07.06.2012, 17:51
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Warschau. Das Double-Trio aus Dortmund ist allgegenwärtig. Auf riesengroßen Plakaten werben die drei polnischen Nationalspieler der Borussia landesweit für die EM.

Der 1,75 Meter große Jakub Blaszczykowski wird sogar zum Riesen: Die komplette Front eines gut 60 Meter hohen Bürohauses im Zentrum von Warschau ziert ein Foto des jubelnden Kapitäns. Wie seine kongenialen Vereinskollegen Robert Lewandowski und Lukasz Piszczek genießt "Kuba" in Polen Kultstatus. "Die Drei sind das Skelett unserer Mannschaft", sagte Fußball-Lehrer Franciszek Smuda vor dem Eröffnungsspiel am Freitag gegen Griechenland.

Kaum ein anderer EM-Trainer setzt so stark auf Bundesliga-Legionäre wie Smuda. Zur Startformation gegen den Überraschungs-Europameister von 2004 dürften neben den drei Dortmundern auch Sebastian Boenisch (Werder Bremen) und der einstige deutsche U 21-Nationalspieler Eugen Polanski (FSV Mainz) gehören. Inständig hofft der Coach, dass sich die glänzende Form der drei deutschen Meister und Pokalsieger auf sein gesamtes Team überträgt. An Selbstvertrauen mangelt es jedenfalls nicht. "Ich glaube, wir sind so etwas wie die gefährlichen Außenseiter des Turniers", befand BVB-Torjäger Lewandowski.

Obwohl die großen Zeiten des polnischen Fußballs lange vorbei sind und der Weltranglisten-62. bei seinen vorigen großen Turnieren (EM 2008/WM 2006) bereits in der Vorrunde scheiterte, herrscht Aufbruchstimmung. Das Eröffnungsspiel im schmucken Nationalstadion der Hauptstadt soll der Auftakt für nationale Festwochen werden. "Normalerweise schlafe ich vor wichtigen Spielen schlecht. Das ist diesmal anders. Denn dieses Team hat mich in den vergangenen zweieinhalb Jahren in allen Bereichen überzeugt", sagte Smuda.

Nach zuletzt zwei Turnier-Auftaktschlappen soll den Polen diesmal ein neuerlicher Fehlstart erspart bleiben. "Das Wichtigste ist, nicht zu verlieren. Wir wollen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen", kommentierte Blaszczykowski. Doch insgeheim sehnt der Flügelflitzer einen Traumstart in das größte Sportevent der Landeshistorie herbei: "Das ist das wichtigste Spiel unseres Lebens - praktisch ein kleines Finale."

In der lösbaren Gruppe A mit den weiteren Kontrahenten Russland und Tschechien gelten die Griechen als der leichteste Gegner. Zudem sind die Profis nach Einschätzung von Smuda mental stark genug, um dem Druck als Gastgeber standzuhalten: "Die Zuschauer werden ein fantastisches Doping sein."

Der polnische Coach tut gut daran, den Gegner nicht zu unterschätzen. Schließlich hat Griechenland unter der Regie von Rehhagel-Nachfolger Fernando Santos noch kein Pflichtspiel verloren. Prunkstück ist die Abwehr, die auf dem Weg zur EM-Endrunde in zehn Qualifikationsspielen nur fünf Gegentore zuließ. Diese wenig ansehnliche, aber effektive Spielweise ist nach Ansicht von Abwehrspieler Kyriakos Papadopoulos alternativlos: "Wir haben nicht die Individualisten, um in einem Spiel 20, 30 Chancen zu haben. Unsere Stärke bleibt die Defensive."

Papadopoulos ist neben Sokratis (Bremen) und Konstantinos Fortounis (Kaiserslautern) einer von drei Profis aus dem EM-Kader, der sein Geld in Deutschland verdient. Im Duell mit dem Gastgeber gilt jedoch nur der Einsatz von Sokratis als sicher. Obwohl der Schalker Papadopoulos beim 1:0 im letzten Test gegen Armenien per Kopf für den Siegtreffer gesorgt hatte, droht ihm am Freitag ein Platz auf der Bank.

Ähnlich wie für die Polen, die als Mitgastgeber unter besonderem Druck stehen, wird das Turnier auch für die Griechen zur nationalen Mission. Tore und Siege sollen helfen, die Wirtschaftskrise zumindest für kurze Zeit etwas in den Hintergrund zu drängen. "Die schwierigen Momente, durch die Griechenland geht, sind ein zusätzlicher Faktor für uns, um den Griechen Freude zu bereiten", kommentierte Kapitän Georgios Karagounis. Angreifer Nikolaos Lymperopoulos wählte pathetischere Worte: "Wir sind alle eine geballte Faust." (dpa)

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