WM Profis und Plüschtiere: Deals mit Nordkorea

Lupsingen. Die großen WM-Unbekannten sollen Karl Messerli das große Geld bringen. Der frühere Fußball-Profi hat sich die Transferrechte an Nordkoreas Nationalspielern für Europa gesichert und will die Kicker aus dem totalitären Regime möglichst bald an den Club bringen - auch in Deutschland.
17.06.2010, 13:03
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Lupsingen. Die großen WM-Unbekannten sollen Karl Messerli das große Geld bringen. Der frühere Fußball-Profi hat sich die Transferrechte an Nordkoreas Nationalspielern für Europa gesichert und will die Kicker aus dem totalitären Regime möglichst bald an den Club bringen - auch in Deutschland.

«Es gibt schon drei, vier Spieler, die zumindest technisch problemlos in der Bundesliga mithalten können», schwärmt der Unternehmer aus der Schweiz, wenn er über die «Brasilianer Asiens» spricht. Seit 15 Jahren macht Messerli Geschäfte mit Nordkorea, lässt Textilien und Plüschtiere produzieren.

Zwölf Monate dauerte es, bis er und seine Partner von der Firma «Friends of Korea», die die Rechte besitzt, endlich an den «richtigen Stellen» für den Fußball-Handel angekommen waren. Außen- und Sportministerium des abgeschotteten Staates fällen die Entscheidung, ob ein Spieler das Land verlassen darf und waren erwartungsgemäß bei der Anfrage nicht sofort begeistert von der ungewohnten Offenheit. «Dieses Interesse zu wecken, war ein Teil der Arbeit. Aber die Spieler brauchen unbedingt mehr Kontakt mit ausländischen Gegnern», wirbt der 63-Jährige für schnelle Transfers.

Bislang haben nur drei Mitglieder des aktuellen Nationalkaders, darunter der in Japan geborene Stürmerstar Jong Tae Se, den Sprung ins Ausland geschafft. «Das System in (Nord-)Korea ist fast wie Inzuchtfußball. Da spielt eigentlich immer der Bruder gegen den Bruder», sagt Messerli über den Ligabetrieb.

Jong Tae Se, der vor dem WM-Spiel gegen Brasilien bei der Hymne Tränen vergoss und danach mit viel Eifer zur Sache ging, wäre auf den ersten Blick wohl der interessanteste Mann für Europa. Der bullige Stürmer, in Asien gerne und oft mit Wayne Rooney verglichen, liebäugelt mit dem Mutterland des Fußball. «Ich will in England spielen», sagte der 26-Jährige vor der WM. Denn der Insel-Kick ist der Maßstab in Fernost.

Kim Kuk Jin kickt schon in Europa - beim FC Wil in der zweiten Schweizer Liga. In den WM-Kader schaffte es der 20-Jährige nicht. Zu zweit waren sie damals in die Alpen gewechselt - einer von beiden kehrte wieder nach Hause zurück: Heimweh, sagt Messerli.

Diesmal können sich weitere Akteure für einen europäischen Club bewerben - auch wenn das offiziell keiner sagt. «Wir Spieler wollen das Land ehren. Daran denken alle in dem Moment», lautete kurz vor einer Übungseinheit auch die übersetzte Antwort von Mittelfeldmann Kim Yong Jun.

Mal abgesehen davon, dass niemand nach dem Auftakt gegen Brasilien überhaupt weiß, ob die Kicker gut genug wären - Kontakte wären ohnehin schwer aufzunehmen. Auch vor dem Turnier in Südafrika setzte Nordkorea auf Isolation. Trainer Kim Jong Hun durfte sein Team zwei Jahre um sich versammeln. «Sie versuchen die mangelnde Erfahrung wettzumachen, in dem sie praktisch wie ein Club auftreten», erklärt Messerli. «Die Ausbildung der Spieler ist Top. Sie müssen aber ihre Naivität ablegen», resümierte der Schweizer nach der ersten Partie.

Nordkorea will mit einem Auslandsdeal - bei dem wohl ein paar Devisen drin sein dürften - vor allem durch eine Qualitätssteigerung profitierten. Denn die Spieler könnten sich in stärkeren Clubs weiterentwickeln. Dass Messerli dabei einen bettelarmen, diktatorischen Staat am Verhandlungstisch berät, ficht den ehemaligen Profi des FC Basel nicht an: «Wenn Sie immer das machen, was die Amerikaner sagen, kommen Sie auch nicht vom Fleck. Und wenn Sie die Geschäfte nicht machen, kann man der Bevölkerung auch nicht helfen.» (dpa)

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