Bundesliga Scherbenhaufen Hertha: Schmerzhafter Weg zurück

Berlin. Er sollte das neue Gesicht einer Erfolgs-Hertha werden, jetzt aber muss Manager Michael Preetz die Scherben aufsammeln und aus dem Rest des tief gefallenen Hauptstadt-Vereins ein neues Gebilde formen.
03.05.2010, 17:40
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Berlin. Er sollte das neue Gesicht einer Erfolgs-Hertha werden, jetzt aber muss Manager Michael Preetz die Scherben aufsammeln und aus dem Rest des tief gefallenen Hauptstadt-Vereins ein neues Gebilde formen.

Die Zeit drängt, doch nur mühsam windet sich Berlin aus der Schock-Starre und einem seltsamen Gemisch aus Ungläubigkeit, Verzweiflung und Gleichgültigkeit. «Es tut weh», kommentierte Preetz den fünften Abstieg von Hertha BSC aus der Fußball-Bundesliga. Aber die viel heftigeren Schmerzen kommen noch: Die «Alte Dame» muss den Gürtel vor allem finanziell enger schnallen; die Konkurrenz im Unterhaus reibt sich schon die Hände. «Natürlich freuen wir uns auf das Derby, das wird richtig heiß», bemerkte Uwe Neuhaus, Trainer des 1. FC Union und von sofort an Zweitliga-Stadtkontrahent.

Preetz, der in seiner Premieren-Saison als Manager einen Anteil der Schuld am Niedergang auf sich nehmen muss, bekam von Präsident Werner Gegenbauer den Auftrag zur Leitung des Projekts «Sofortiger Wiederaufstieg» erneuert. Die erste Aufgabe für den einstigen Bundesliga-Torschützenkönig ist dabei die Trainersuche. «Er wird dem Präsidium seine Vorschläge unterbreiten», betonte Gegenbauer.

Chefcoach Friedhelm Funkel, dessen Vertrag sich nur beim Klassenverbleib verlängert hätte, fühlt sich noch nicht ganz aus dem Rennen. «Wir haben im Verein klare Absprachen, dass wir uns erst nach dem letzten Spiel gegen Bayern zusammensetzen. Da werden wir viel besprechen. Macht es noch Sinn? Macht es keinen Sinn?», sagte der 56-Jährige der «Berliner Morgenpost».

Doch die Zeichen stehen auf Trennung. Zwar ist dem Trainer- Routinier in der zweiten Halbserie eine Stabilisierung des Teams geglückt, aber die Rettungsmission konnte er nicht erfüllen. Funkel räumte ein, «dass alle Verantwortlichen im Verein eine Mitschuld tragen». Seinen Spielern, die er erstmals seit dem 1:1 in Leverkusen zum Training bat, warf Funkel vor, sie hätten zu viele Torchancen ausgelassen. «Wir wissen alle, dass wir uns von 'hätte, wenn und wäre' nichts kaufen können», bemerkte Preetz.

Der Weg zurück wird schmerzhaft. Ingo Schiller, zweiter Geschäftsführer und Herr des Geldes, kündigte trotz der angespannten Finanzsituation an, dass er Preetz die wirtschaftliche Basis für das Unternehmen Wiederaufstieg mitgeben wird: «Wir wollen alles tun, um direkt wieder aufzusteigen.»

Zwar wird der derzeitige Erstliga-Etat von 75 auf 30 Millionen Euro heruntergefahren, und die Personalkosten gehen von jetzt 30 auf 13 bis 14 Millionen Euro zurück. Doch damit übernimmt Hertha in der 2. Liga immerhin eine Spitzenposition. «Davon sind wir mit unseren Zahlen noch ein ganzes Stück entfernt», bemerkte Union-Coach Neuhaus.

Die Einschnitte beim 117 Jahre alten Club, dem ein Teil der rund 3,5 Millionen Hauptstadt-Bewohner auch ein gewisses Maß an Arroganz vorwirft, werden groß sein. Zwar möchte Preetz gern einige durchaus hochkarätige Profis wie den Brasilianer Raffael oder den kolumbianischen Jung-Nationalspieler Adrian Ramos für die 2. Liga behalten. Doch das wird vor allem der schnöde Mammon entscheiden, Spitzengehälter kann Hertha nicht mehr zahlen. Auf der Zweitliga- Wunschliste sollen auch der Tscheche Roman Hubnik, der Georgier Lewan Kobiaschwili und der Pole Lukasz Piszczek stehen, die für verringerte Bezüge weiterspielen könnten.

Bei anderen Akteuren wie Kapitän Arne Friedrich oder Gojko Kacar muss der Verein jetzt entscheiden, ob er Optionen für die 2. Liga zieht, um zumindest Transfer-Erlöse zu erzielen. Das allerdings birgt auch ein Risiko: Findet sich dann kein Abnehmer, müssten die Stars auch in der 2. Liga weiter zu Erstliga-Konditionen entlohnt werden. «Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen die Gespräche konkret aufnehmen», kündigte Preetz intensive Pokerrunden an. «Dann werden wir sehen, wer bereit ist, den schweren Gang mitzugehen.» (dpa)

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