Soziales Schielen auf Bonus: Gehen am Kap die Lichter aus?

Johannesburg. Zur letzten WM-Woche wird es in Südafrika noch einmal richtig spannend - und nicht nur auf dem Rasen. Denn die Mitarbeiter von Südafrikas Stromkonzern Eskom drohen wegen eines Tarifkonflikts, mitten im Winter die Lichter ausgehen zu lassen.
01.07.2010, 13:11
Lesedauer: 2 Min
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Johannesburg. Zur letzten WM-Woche wird es in Südafrika noch einmal richtig spannend - und nicht nur auf dem Rasen. Denn die Mitarbeiter von Südafrikas Stromkonzern Eskom drohen wegen eines Tarifkonflikts, mitten im Winter die Lichter ausgehen zu lassen.

«WM oder nicht, unsere Mitglieder werden kommende Woche auf der Straße sein; wir haben bereits begonnen, unsere Mitglieder zu mobilisieren», gab sich der Sprecher der Numsa-Gewerkschaft, Castro Ngobese, kämpferisch. Er hat gemeinsam mit den Kollegen der NUM-Gewerkschaft bereits eine Streikwarnung ausgegeben.

Beiden Arbeitnehmervertretungen sind mehr als 60 Prozent der 35 000 Eskom-Mitarbeiter angeschlossen. Eine dritte - Solidarity - hat sich noch nicht erklärt, signalisiert aber auch Unzufriedenheit mit der angebotenen 8,5-prozentigen Lohnerhöhung der Arbeitgeber. Zankapfel ist vor allem eine Wohnungszulage. «Strom-Drohung für die WM - Südafrika droht das Blackout», titelte der «Sowetan». Das Eskom-Management nennt den geplanten Streik illegal, betont aber, das es Notfallpläne gebe. Die WM-Stadien haben eigene Stromversorgung, und die Fan-Parks würden auch kaum betroffen sein.

Allerdings könnten WM-Touristen durch den Ausfall von Bahnen sowie von Licht und Heizungen in den Unterkünften betroffen sein. «Unsere Herausforderung sind die Haushalte, es ist Winter und kalt», meinte Eskom-Manager Bhabhalazi Bulunga. Regierung und Wirtschaft mahnen zu Besonnenheit und warnen, dass ein derartiger Streik das Land nicht nur wirtschaftlich schädigen kann. IHK-Chef Neren Rau erklärte: «Die Wirtschaft versucht sich gerade zu erholen, noch immer verlieren Menschen ihren Arbeitsplatz.»

Bereits zum Auftakt war die Fußball-WM von einem hartnäckigen Streik der Transportarbeiter bedroht - er ging nach 17-tägiger Dauer noch rechtzeitig zum WM-Anpfiff zu Ende. Dennoch kostete er der Wirtschaft Milliarden. Auch ein Streik der WM-Ordner machte Schlagzeilen - allerdings endete er für die Betroffenen anders als erwartet: rund 3000 Menschen verloren ihren Job.

Die Lage auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt sieht in der Tat nicht rosig aus. Nach Fertigstellung der meisten WM-Großprojekte verloren nach den jüngsten Angaben des Statistikamtes zwischen März 2009 und März 2010 insgesamt 242 000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Zwar hat die Regierung im Rahmen der WM durch vorgezogene Infrastrukturprojekte 180 000 Arbeitsplätze geschaffen, doch waren die meist befristet. Wenn die Rate des Arbeitsplatzabbaus weiter so anhält, könnten im WM-Jahr 2010 nach Schätzungen des Gewerkschafters André Venter bis zu 800 000 Jobs wegfallen.

Südafrikas offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 25,2 Prozent, damit sind 4,3 Millionen Südafrikaner ohne Job. Die inoffizielle Zahl - sie erfasst auch frustrierte Arbeitslose, die nicht mehr aktiv Stellen suchen - liegt dagegen weit höher. Gleichzeitig stiegen jedoch die Löhne derer, die eine Stelle haben, im Schnitt um zwölf Prozent. Venter deutet diesen Trend dahin, dass die Arbeitgeber lieber weniger Beschäftigten höhere Löhne zahlen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen in den Tarifverhandlungen. (dpa)

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