Bremen Sepp Piontek wird 70: «Bin zu früh geboren»

Kopenhagen. Auch zum 70. Geburtstag hadert Sepp Piontek mit seinem Alter. «Ich bin einfach 20 Jahre zu früh geboren», benennt der im dänischen Dörfchen Blommelyst lebende frühere Bundesliga-Spieler und Ex-Nationalcoach von «Danish Dynamite» als größtes Problem seiner Fußball-Karriere.
05.03.2010, 09:20
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Kopenhagen. Auch zum 70. Geburtstag hadert Sepp Piontek mit seinem Alter. «Ich bin einfach 20 Jahre zu früh geboren», benennt der im dänischen Dörfchen Blommelyst lebende frühere Bundesliga-Spieler und Ex-Nationalcoach von «Danish Dynamite» als größtes Problem seiner Fußball-Karriere.

Durch den Geburtstag am 5. März 1940 in Breslau findet sich der Wahl-Däne für den Stempel «Fußball-Millionär» zu alt: «Als ich bei Werder den ersten Vertrag unterschrieb, bekamen wir 150 Mark pro Spiel und Sieg.» Da half auch die deutsche Meisterschaft mit Bremen 1965 dem als kompromisslos geltenden Abwehrspieler nicht zu Reichtümern.

Nach elf Jahren und 203 Bundesliga-Spielen für Werder war der sechsmalige Nationalspieler Piontek nach eigenem Gefühl dann auch als Coach zu früh dran, um an die ganz großen Gagen zu kommen. Vier Jahre trainierte er seine Bremer, nach Zwischenstationen in Düsseldorf, auf Haiti und beim FC St. Pauli war er von 1979 an als Nationaltrainer in Dänemark tätig. Elf Jahre blieb er im Amt und führte die bis dahin international eher erfolglosen Nordlichter zu zwei EM-Turnieren und einer WM-Endrunde - wo die Dänen vor allem zwischen 1984 und 1988 durch fröhlichen Offensivfußball und einige Erfolge glänzten.

«Der 2:0-Sieg gegen die Elf von Franz Beckenbauer bei der WM in Mexiko war nicht schlecht», sagt er noch heute. Nur war es eben 1986 auch wieder so, dass die Deutschen nach dieser Panne im Gruppenspiel bis in das WM-Finale kamen, während die viel schöner spielenden Dänen bereits im Achtelfinale mit 1:5 gegen Spanien untergingen.

So lief es fast immer, aber Piontek hat sich in seiner dänischen Wahlheimat trotzdem den Ruf erworben, einem sehr kleinen Land vorher nicht für möglich gehaltene Erfolge im Fußball verschafft zu haben. «Ich habe da schon typisch deutsche Elemente wie Disziplin mitgebracht, aber meinerseits auch viel von der dänischen Lockerheit übernommen», sagt Piontek über seine Rolle in dieser Phase.

Als «Danish Dynamite» dann nicht mehr so zündete, wechselte er als National- und auch Vereinscoach in die Türkei. Der große Erfolg blieb dort aber aus. «Und nach Herzproblemen habe ich mich vor 12 Jahren dann selbst pensioniert», beschreibt er seinen Weg in den Ruhestand. Heute verfolgt er die Bundesliga intensiv am Fernseher, gibt für kommerzielle Wett-Anbieter Tipps ab und hält seinem Stammclub von der Weser die Daumen: «Es wird aber für Werder schwer dieses Jahr, vor dem Hamburger SV zu landen.» Dass der FC Bayern München Meister wird, hält er für ausgemacht: «Natürlich wäre es schöner, wenn Leverkusen oder tatsächlich mal Schalke es schaffen würden. Aber die Bayern haben einfach zu starke Reserven für die Schlussphase.»

Wer beim WM-Turnier im Sommer am Ende die Nase vorn hat, ist für Piontek dagegen offen: «Da entscheiden einfach mal Kleinigkeiten, wie auch bei uns 1986 in Mexiko, als wir nach einem dummen Fehlpass gegen die Spanier mit 1:5 untergingen. Ohne den hätten wir es vielleicht bis ganz nach vorn geschafft.» Deutschland wird es aber «wie immer mindestens ins Halbfinale schaffen», glaubt Piontek. Und wer ist für ihn der WM-Favorit? «Für mich doch Brasilien. Nur darf sich Trainer Dunga nicht von den Superstars verrückt machen lassen.» (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+