Serbien Serbien am Boden - Antic: «Must-win-Situation»

Pretoria/Johannesburg . Nach der Ernüchterung gegen Ghana und vor der Herkules-Aufgabe gegen Deutschland war Serbiens Trainer Radomir Antic erst einmal als Psychologe gefordert. «Hey, Kopf hoch. Ein bisschen mehr Leben», rief der 61-Jährige seinen Profis beim Training im Rand-Stadium zu.
14.06.2010, 15:54
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Pretoria/Johannesburg . Nach der Ernüchterung gegen Ghana und vor der Herkules-Aufgabe gegen Deutschland war Serbiens Trainer Radomir Antic erst einmal als Psychologe gefordert. «Hey, Kopf hoch. Ein bisschen mehr Leben», rief der 61-Jährige seinen Profis beim Training im Rand-Stadium zu.

Tags zuvor hatte Elfmeter-Tolpatsch Zdravko Kuzmanovic vom Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart mit seinem verhängnisvollen Handspiel den deutschen Gruppengegner Serbien beim 0:1 gegen die Westafrikaner um ein Erfolgserlebnis gebracht - und den ohnehin schon großen Druck vor dem Spiel gegen die scheinbar übermächtige DFB- Auswahl am 18. Juni in Port Elizabeth um ein Vielfaches erhöht.

«Ich war sehr beeindruckt. Von allen Teams bei der WM haben sie bislang am überzeugendsten gespielt», sagte Antic. Bei der Pressekonferenz zur Mittagsstunde im Sunnyside Park Hotel berichtete er immerhin, dass es Kuzmanovic «nach dem Training besser ging».

«Das ist eine schwierige Situation, aber jetzt müssen wir eben gegen Deutschland gewinnen», befand Kuzmanovic. Wohlwissend, dass eine Vorstellung wie gegen Ghana gegen die deutsche Torfabrik nicht reichen dürfte. Motivator Antic aber versuchte sich als Mutmacher. «In den schwierigsten Situationen zeigen Champions ihr wahres Gesicht», sagte er. «Wir stehen vor einem historischen Match.»

Doch die abendliche Demonstration der DFB-Elf beim 4:0 gegen Australien dürfte noch als Angstverstärker gewirkt haben. An diesem Freitag müssen die «Weißen Adler» unbedingt gegen die Löw-Buben punkten, um nicht wie vor vier Jahren wieder wie gerupfte Hühner dazustehen. Ein Horror-Ende wie beim «Sommermärchen» 2006 droht.

Vor vier Jahren verlor Serbien-Montenegro zum Auftakt der WM in Deutschland 0:1 gegen die Niederlande - es folgten eine 0:6- Vorführung gegen Argentinien und ein 2:3 gegen die Elfenbeinküste. «Das wird gegen Deutschland nicht wieder passieren», sagte Kapitän Dejan Stankovic vom Champions-League-Sieger Inter Mailand. «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als aufzustehen und gegen Deutschland deutlich besser zu spielen.»

Auch Antic weiß, dass ein Remis zu wenig ist. «Das ist eine Must- win-Situation», sagte er. Der erfahrene Coach, der schon Real und Atlético Madrid sowie dem FC Barcelona diente, betonte: «Wir können es besser. Gegen Deutschland müssen wir mehr sein als eine Durchschnitts-Mannschaft.»

Erst einmal aber sind die Statements nicht viel mehr als Durchhalteparolen der mutlosen und behäbigen Serben. «Wir müssen uns jetzt auf das nächste Spiel gegen Deutschland konzentrieren. Es sind noch sechs Punkte zu holen», meinte der frühere Bundesliga-Profi Marko Pantelic, der gegen die überlegenen Westafrikaner anders als Kevin-Prince Boateng auf der Gegenseite blass geblieben war.

Dabei hatten sich die Serben bei ihrem ersten WM-Auftritt als eigenständige Nation so viel vorgenommen und schon vom Achtelfinale gesprochen. Bis Kuzmanovic 22 Minuten nach seiner Einwechslung mit der Hand an den Ball griff - Asamoah Gyan verwandelte den Elfmeter und stürzte die sonst so stolzen Serben in Selbstzweifel.

Die tröstenden Gesten und aufmunternden Worte erreichten Kuzmanovic erst später. «Ich denke und hoffe, dass ihn das stärker machen wird», sagte der Dortmunder Bundesliga-Kollege Neven Subotic. «Gegen Deutschland steht nun das aller aller wichtigste Spiel an, das wird ein Schlüsselspiel.» (dpa)

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