Fußball Sidka hat als Irak-Trainer "keine Angst"

Bremen. Der ehemalige Bundesliga-Trainer von Werder Bremen, Wolfgang Sidka, arbeitet seit ein paar Tagen als Nationaltrainer des Irak. "Die Jungs sind talentiert und wollen was erreichen", sagte Sidka. Das Fußballfieber sei bei allen Volksstämmen im Irak zu spüren.
07.09.2010, 11:41
Lesedauer: 2 Min
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Bremen. Sorgen bei der Familie, Verwunderung bei den Fußballfans: Wolfgang Sidkas neuer Job sorgt für Erstaunen. Der ehemalige Bundesliga-Coach von Werder Bremen arbeitet seit ein paar Tagen als Nationaltrainer des Irak.

Der gefährlich anmutende Job sorgt nicht nur bei seiner Familie für Skepsis, denn die Sicherheitslage im Land ist immer noch prekär. Bombenanschläge sind in dem Krisengebiet an der Tagesordnung. Doch der Fußballlehrer wiegelt ab. "Ich halte mich nur im kurdischen Norden auf. Hier in Arbil, wo die FIFA uns auch erlaubt unsere Länderspiele auszutragen, ist es sicher. Ich habe keine Angst."

Der Kontakt kam über einen Iraker zustande, den Sidka in seiner Zeit als Nationaltrainer in Bahrain kennengelernt hatte. Dieser empfahl dem irakischen Fußballverband die Dienste des 56-Jährigen. Viele Trainer hätten abgewunken, aber Sidka stand dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. "Ich habe mich bei einem Freund vom Auswärtigen Amt und einer Journalistin, die seit neun Jahren im Irak lebt, erkundigt und bin dann runtergeflogen, um mir selbst ein Bild zu machen", schildert Sidka, wie er sich für den Job entschied.

Der Coach ist in der Golfregion kein Unbekannter. Neben seiner Trainertätigkeit in Bahrain war er in Katar für den Al Arabi Sports Club und den Al Gharafa Sports Club tätig. Seine letzte Station in Deutschland war ein dreimonatiges Engagement beim Bremer Stadtteilclub FC Oberneuland im Jahr 2009. Als Spieler absolvierte er 333 Bundesligapartien für Hertha BSC, 1860 München und Werder Bremen.

Momentan sichtet der frühere Mittelfeldspieler mit seinen beiden irakischen Co-Trainern in zwei Trainingslagern die Spieler für den Ende September beginnenden Westasien-Cup in Jordanien. "Insgesamt habe ich mir etwa 50 Spieler angeschaut. Die Jungs sind talentiert und wollen was erreichen. Leider müssen wir beim Westasien-Cup ohne unsere sieben Profis aus dem Ausland auskommen", sagt Sidka. Mit Nashat Akram, der letzte Saison niederländischer Meister mit Twente Enschede wurde und gerade auf Vereinssuche ist, steht dem Deutschen nur ein international erfahrener Spieler zur Verfügung.

"Das wird sehr schwer"

Für Sidka gibt es viel zu tun. Nach dem Westasien-Cup steht der Golf-Cup im Jemen auf dem Programm. Im Januar folgt die Asienmeisterschaft in Katar. Der Irak tritt als Titelverteidiger an. Doch eine Wiederholung des völlig überraschenden Triumphes hält der Trainer für unrealistisch. "Wir haben eine schwere Gruppe mit dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Nordkorea. Dazu kommen noch die WM-Teilnehmer Japan, Südkorea und Australien. Das wird sehr schwer", sagt Sidka.

"Die Leute sind fußballverrückt"

Der Begeisterung im Irak wird das keinen Abbruch tun. "Die Leute sind total fußballverrückt. Fußball ist hier die absolute Nummer eins", berichtet der Deutsche. Das Fußballfieber geht durch alle Volksstämme, egal ob Sunniten, Schiiten oder Kurden. "Fußball ist völkerverbindend. Ich weiß in meiner Mannschaft nicht mal, wer welcher Volksgruppe angehört. Das spielt in der Mannschaft auch keine Rolle", versichert Sidka. (dpa)

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