Fußball Studie: Bundesliga ist Rendite-Europameister

Düsseldorf. Die deutsche Nationalmannschaft will in Südafrika den WM-Titel. Die Fußball-Bundesliga ist immerhin schon Rendite-Europameister. Keine Kicker-Eliteklasse auf dem Kontinent ist profitabler als das deutsche Oberhaus.
08.06.2010, 11:43
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Düsseldorf. Die deutsche Nationalmannschaft will in Südafrika den WM-Titel. Die Fußball-Bundesliga ist immerhin schon Rendite-Europameister. Keine Kicker-Eliteklasse auf dem Kontinent ist profitabler als das deutsche Oberhaus.

Einen beachtlichen Gewinn von 172 Millionen Euro erwirtschafteten die Clubs in der Saison 2008/2009. Der Umsatz lag bei 1,575 Milliarden Euro. Das geht aus dem neuesten «Annual Review of Football Finance» hervor, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte vorstellte.

Die Umsatzrendite der Bundesliga lag bei 10,9 Prozent - ein Wert, an den selbst die englische Premier League nicht herankam. Die Fußball-«First class» von der Insel war trotz leichten Rückgangs mit 2,326 Milliarden Euro zwar erneut Umsatzkrösus vor der Bundesliga, der spanischen Primera Division (1,501 Milliarden), der Serie A in Italien (1,494) und der Ligue 1 in Frankreich (1,05).

Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen sank jedoch im Vergleich von 141 Millionen (2007/2008) auf 93 Millionen Euro. Dies entsprach einer Umsatzrendite von vier Prozent. Die Primera Division, die Serie A und die Ligue 1 blieben indes trotz Einnahmesteigerungen in der Verlustzone.

Der Bundesliga bescheinigen die Experten trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes gute Perspektiven. «Die umsichtige Finanzplanung der Bundesliga sowie die jüngsten Erfolge auf europäischer Ebene geben den Clubs die Möglichkeit, in den kommenden Jahren weitere internationale Stars in die Bundesliga zu locken», glaubt Stefan Ludwig, Leiter der Sport Business Gruppe von Deloitte Deutschland. Bedenklich sei aber, «dass lediglich 11 der 18 Bundesliga-Clubs in der Saison 08/09 einen operativen Gewinn erwirtschaften konnten».

Grund für die starke Position der Bundesliga sind unter anderem der hohe Anteil an Sponsoreneinnahmen und der Zuschauerzuspruch. 2008/2009 kamen im Schnitt 41 900 Fans in die Stadien.

Auch in der abgelaufenen Saison war die Bundesliga mit etwa 42 500 Besuchern im Schnitt weltweit der stärkste Zuschauermagnet im Profifußball. Die durchschnittliche Zuschauerzahl in den anderen vier Top-Ligen in Europa war mit 26 250 wesentlich kleiner.

Wie klug die meisten Bundesligisten wirtschaften, zeigt das Verhältnis der Gehaltskosten zum Umsatz. Das beträgt in der deutschen Elite-Liga 50 Prozent. In Italien fließen 73 Prozent der Einnahmen an das kickende Personal, Trainer und Betreuer.

Christian P. Schneider, Fußball-Experte von Deloitte, glaubt, dass das kürzlich beschlossene Financial Fairplay-Konzept der UEFA zu mehr Gerechtigkeit führt: «Die Bundesliga-Clubs verfügen hier aufgrund ihrer soliden Geschäftstätigkeit im internationalen Vergleich über einen wichtigen mittel- bis langfristigen Wettbewerbsvorteil.» Das Konzept der Europäischen Fußball-Union UEFA sieht vor, dass Vereine künftig keine Verluste mehr machen dürfen.

Deloitte untersucht seit Jahren die Finanzdaten im europäischen Spitzenfußball. Bei der Gesamtbetrachtung werden nicht nur die großen Ligen, sondern alle anderen Profiklassen sowie die Umsätze des Fußball-Weltverbandes FIFA, der UEFA und deren nationalen Verbände.

Das Gesamtvolumen des europäischen Fußball-Markts erreichte 2008/2009 laut Deloitte mit 15,7 Milliarden Euro einen Rekord. Trotz Wirtschaftskrise war dies eine Steigerung um eine Milliarde Euro im Vergleich zur Vorsaison. Die «Big Five» steuerten mit 7,9 Milliarden Euro etwas mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatzes in Europa bei.

Auch in der Zukunft sei Fußball in Europa ein Wachstumsmarkt, betonen die Wirtschafts-Fachleute. Doch sehen sie auch Gefahren. Ihrer Ansicht nach findet im europäischen Clubfußball eine Polarisierung statt. Die zwanzig umsatzstärksten Vereine machten mit 3,9 Milliarden Euro rund ein Viertel des Gesamtumsatzes des europäischen Fußballmarkts aus.

Die größte Differenz innerhalb der nationalen Ligen zeigt sich in der Primera Division: Der umsatzstärkste Club, Real Madrid, nahm 25- mal mehr ein als der umsatzschwächste Liga-Konkurrent. In der Bundesliga liegt der Faktor bei neun. Die Premier League und die Ligue 1 sind am ausgeglichensten. Hier beträgt der Unterschied zwischen dem umsatzstärksten und dem -schwächsten Verein lediglich das Sechsfache. In der Serie A beträgt der Faktor acht. (dpa)

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