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Terror beim Afrika Cup - Togo reist ab

Luanda. Fünf Monate vor Beginn der ersten Weltmeisterschaft auf dem Schwarzen Kontinent hat ein Terroranschlag Afrikas Fußball bis ins Mark getroffen und die Diskussion um die Sicherheit neu entflammt.
10.01.2010, 22:46
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Terror beim Afrika Cup - Togo reist ab

Nationalmannschaft

dpa

Luanda. Fünf Monate vor Beginn der ersten Weltmeisterschaft auf dem Schwarzen Kontinent hat ein Terroranschlag Afrikas Fußball bis ins Mark getroffen und die Diskussion um die Sicherheit neu entflammt.

Zwei Tage nach dem Attentat mit drei Toten trat die Nationalmannschaft Togos auf Anordnung von höchster Stelle in einem Regierungsflugzeug die Heimreise an. «Wir müssen um unsere Toten trauern. Wir fliegen nach Hause, um das zu tun», sagte Kapitän Emmanuel Adebayor beim Betreten des Flugzeuges. In Togo wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Im Eröffnungsspiel des 27. Afrika-Cups hatten sich kurz zuvor Gastgeber Angola und Mali in einer kuriosen Partie mit 4:4 (2:0) getrennt. Im Gedenken an die drei getöteten Team-Mitglieder der togoischen Elf hatte es vor der Partie eine Schweigeminute gegeben.

Die togoischen Spieler hatten sich zuvor einstimmig dafür ausgesprochen, an dem Kontinental-Turnier teilzunehmen. «Wir haben uns entschieden, etwas Gutes zu tun für das Land und zu Ehren derer zu spielen, die gestorben sind. Leider haben sich der Staatschef und die Regierung anders entschieden», sagte Adebayor bei Radio RMC. «In Togo werden wir alle bei der Beisetzung der Toten dabei sein», erklärte Assimiou Touré von Bundesligist Bayer Leverkusen der «Bild»-Zeitung.

Lange Zeit herrschte nach dem verheerenden Attentat im Grenzgebiet zwischen Kongo-Brazzaville und Angola jedoch Unklarheit, ob die Spieler Togos an diesem Montag gegen Ghana antreten würden. «Wir sind gekommen, um ein Fußball-Fest zu feiern, jetzt aber ist es, als würde man in den Krieg ziehen», hatte Torhüter Kossi Agassa erklärt. Und auch Adebayor hatte sich zunächst klar für ein Abreise ausgesprochen. Dann aber traf sich die Mannschaft und beschloss, antreten zu wollen. «Wir können die Toten und Verletzten nicht zurücklassen und davonlaufen wie Feiglinge», sagte Profi Alaixys Romao der französischen Sport-Tageszeitung «L'Équipe».

Ministerpräsident Huongbo bekräftigte aber wenig später die Position der Regierung Togos und beorderte das Team zurück. «Angola und der Afrikanische Verband CAF haben keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit der togoischen Mannschaft zu gewährleisten», sagte Huongbo wenige Stunden vor dem Eröffnungsspiel der Gastgeber gegen Mali.

Der Weltverband FIFA und die örtlichen Organisatoren hatten ihre Absicht bekräftigt, das Turnier trotz der Bluttat auszutragen. «Wir hoffen, dass Fußball stärker ist als jeder Anschlag. Deshalb wird der Afrika Cup stattfinden», sagte FIFA- Präsident Joseph Blatter im ZDF. Dass der Zwischenfall im 1000 Kilometer entfernten Angola Auswirkungen auf die WM in Südafrika haben könnte, wurde von den Organisatoren am Kap bestritten. Die Tat habe nichts mit der Lage in Südafrika zu tun, betonte WM- Kommunikationschef Rich Mkhondo. Das sei so, als ob man einen Vorfall in Tschetschenien mit der Situation in Großbritannien in Verbindung zu bringen versuchte.

Doch all diese Versicherungen konnten die Sorge um die Sicherheit während der WM nicht zerstreuen. «Ein chaotisches und lebensgefährliches Turnier weckt neue Zweifel an der Organisation einer Fußball-WM», schrieb «Die Presse» in Österreich. Das spanische Blatt «El Mundo» sieht «31 WM-Teilnehmer - alle mit Ausnahme des Gastgeberlandes Südafrika - aufgeschreckt und in Alarmstimmung».

Während Vereine aus England versuchen wollen, ihre Akteure schnellstmöglich aus Angola heimzuholen, herrschte beim Bundesliga- Ersten aus Leverkusen erst einmal Erleichterung. Touré überstand den Überfall unbeschadet.

Am 8. Januar war der Bus der Togoer auf der Anreise kurz nach Überqueren der angolanischen Grenze unter Beschuss genommen worden. Bei dem Anschlag wurden der Busfahrer, ein Assistenz-Trainer und der Pressesprecher des Teams getötet. Der von einer Kugel im Rücken getroffene Ersatztorwart Kodjovi Obilale hat eine Operation im Krankenhaus von Johannesburg gut überstanden und befand sich nach Angaben der behandelnden Mediziner am Sonntag weiter auf der Intensivstation. Weitere Personen wurden bei dem Angriff verletzt.

Unterdessen hat Togos Regierung von Angola und den Organisatoren des Afrika Cups eine Erklärung dafür verlangt, warum Cabinda als Austragungsort für die Spiele ausgewählt worden sei. In der Provinz kommt es seit der Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonie 1975 immer wieder zu Konflikten. Togos Regierungssprecher sagte, niemand habe das Team darüber informiert, dass die Anreise nach Cabinda per Bus riskant sei. Die Organisatoren hatten zuvor die Entscheidung der Togoer kritisiert, nicht per Flugzeug aus dem Vorbereitungslager in Kongo-Brazzaville nach Angola zu kommen. (dpa)

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