Fußball Todesangst im Kugelhagel: Bayers Touré unverletzt

Leverkusen. Fast eine halbe Stunde bangte Bayer Leverkusens Profi Assimou Touré im Kugelhagel der Rebellen um sein Leben. «Er ist in einem Schockzustand und traumatisiert», berichtete Bayer-Trainer Jupp Heynckes nach einem Telefonat mit dem 22-jährigen Verteidiger aus Togo.
10.01.2010, 14:00
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Leverkusen. Fast eine halbe Stunde bangte Bayer Leverkusens Profi Assimou Touré im Kugelhagel der Rebellen um sein Leben. «Er ist in einem Schockzustand und traumatisiert», berichtete Bayer-Trainer Jupp Heynckes nach einem Telefonat mit dem 22-jährigen Verteidiger aus Togo.

Der Überfall auf den Mannschaftsbus, der sich auf dem Weg zum Afrika Cup befand, hatte sich in einem Waldgebiet kurz nach Passieren der angolanischen Grenze ereignet, obwohl rund 20 Sicherheitskräfte zum Begleittross gehörten. «Die Spieler haben bei dem Feuergefecht auf dem Boden gelegen», sagte Heynckes der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Es muss fürchterlich gewesen sein.»

Der Chefcoach des Bundesliga-Spitzenreiters hatte den Bayer-Kader vor dem Training von seinem Gespräch mit Touré unterrichtet. «Da herrschte Stille, alle waren sehr nachdenklich. Es war eine bedrückende Atmosphäre», so Heynckes. «Assimou ist ein sehr beliebter Spieler bei uns.» Touré berichtete laut «Bild am Sonntag», dass zwei Busse zum Konvoi Togos gehört hätten. «Wir hatten dabei noch Glück. Den ersten Bus haben sie völlig durchsiebt. Die dachten wohl, dass wir da drin saßen.» Er habe nach den ersten Schüssen nur «unter den Sitz springen und beten» können.

Togo wollte trotz des Überfalls, bei dem der Busfahrer, ein Assistenz-Trainer und der Pressesprecher getötet wurden, wie vorgesehen am 11. Januar im angolanischen Cabinda zum ersten Vorrundenspiel gegen Ghana antreten, doch die Regierung legte ihr Veto ein. Ob auch Touré beim Afrika Cup bleiben wird, ist noch unklar. «Wenn er zurück will, werden wir ihn holen, koste es, was es wolle», sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Kritik übte er an der Vergabe des Afrika-Cups nach Angola. «Es ist schon unverständlich, dass das Turnier nach Angola vergeben wurde, obwohl in dem Land seit Jahren Unruhen und bürgerkriegsähnliche Zustände geherrscht haben», sagte Holzhäuser. Dass dieser Anschlag gravierende Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Südafrika haben könnte, glaubt er indes nicht. «Ich kann es mir nicht vorstellen, aber der Weltverband FIFA wird da gefordert sein», meinte er, «doch bei einer WM gelten in puncto Sicherheit andere Maßstäbe.»

Betroffen zeigten sich die Bayer-Profis über den Anschlag. «Wir sind bestürzt, denken an unseren Mitspieler. Natürlich auch daran, dass in vier, fünf Monaten in Afrika die WM stattfindet», sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. Ähnlich äußerte sich Nationaltorwart René Adler: «Das ist doch alles krank. Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen?» Das deutsche Team werde sicherlich beschützt sein, «aber was ist zum Beispiel mit den Familienangehörigen?» (dpa)

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