Fußball Togos Spieler empört - Adebayor: Hayatou muss weg

Luanda. Mit Empörung und völligem Unverständnis haben Togos Fußball-Nationalspieler auf die Verbannung von den nächsten beiden Afrika-Cup-Turnieren reagiert.
31.01.2010, 14:51
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Luanda. Mit Empörung und völligem Unverständnis haben Togos Fußball-Nationalspieler auf die Verbannung von den nächsten beiden Afrika-Cup-Turnieren reagiert.

«Wir sind Fußballer, auf die geschossen wurde, und nun dürfen wir keinen Fußball mehr spielen. Als wir nach Hause gefahren sind, um drei Tage zu trauern, haben sie gesagt, sie sind in Gedanken bei uns. Nun bestrafen sie uns», kritisierte Stürmer Thomas Dossevi die Entscheidung der Afrikanischen Fußball-Föderation CAF. Während Auswahl-Coach Hubert Velud einen Einspruch gegen das Urteil ankündigte, forderte Star- Spieler Emmanuel Adebayor den Rücktritt von CAF-Chef Issa Hayatou.

«Herr Hayatou hat viel für Afrika getan, aber nun muss er weg. Diese Entscheidung ist ungeheuerlich», sagte der Torjäger von Manchester City der französischen Sportzeitung «L'Équipe». «Ich fühle mich total verraten.» Auch sein Teamkollege Jonathan Ayité (Olympique Nimes) hatte den «Schock» noch nicht verdaut und klagte bei Radio Monte Carlo: «Das ist eine riesige Enttäuschung. Sie zeigen keinerlei Mitgefühl mit uns. Mir fehlen die Worte.»

Am Vortag hatte die CAF die Suspendierung mit der «Einmischung» der Regierung Togos begründet, die nach einem Anschlag auf den Mannschaftsbus ihres Nationalteams mit zwei Toten zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel des laufenden Afrika-Cup-Turniers den Rückzug aus Angola angeordnet hatte. «Das ist höchst unmoralisch. Das können wir nicht akzeptieren, wir müssen reagieren», forderte mit Nachdruck Velud nach dem Beschluss, in dessen Folge seine Auswahl erst in sechs Jahren wieder am Afrika-Cup teilnehmen dürfte. «Man hatte uns gesagt, dass wir keine Sanktionen befürchten müssen. Die Sperre wird in Togo niemand verstehen.» Sportminister Christophe Tchao kündigte auf der Webseite der Regierung in Lomé an, alle gesetzlichen Möglichkeiten für einen Einspruch gegen das harte CAF-Urteil prüfen zu wollen.

Togos französischer Auswahl-Coach Velud nahm im Interview mit der Sportzeitung «L'Équipe» auch die Präsidenten des Weltverbandes FIFA, Joseph Blatter, und der Europäischen Fußball-Union UEFA, Michel Platini, in die Pflicht. «Ich bin gespannt, ob Blatter oder Platini diese Entscheidung gutheißen. Ich werde einen offiziellen Appell an die internationalen Instanzen richten, damit sie reagieren.»

Theo Zwanziger bringt grundsätzliches Verständnis für den Unmut der Togo-Kicker auf. «Ich kann die Betroffenheit der togolesischen Sportler über diese Entscheidung absolut nachvollziehen», sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der Zeitung «Die Welt». Es verbiete sich aber, als DFB-Präsident die Entscheidung eines Verbandes, dem der DFB nicht angehört, zu kommentieren. «Zumal wir nicht alle Details kennen», ergänzte Zwanziger.

Bei dem Überfall auf der Anreise nach Angola waren der Assistenz- Coach und der Pressesprecher des Nationalteams ums Leben gekommen. Insgesamt neun Menschen wurden verletzt, darunter zwei Spieler. Während die Spieler nach dem Anschlag eine Teilnahme am Turnier zunächst ausgeschlossen, sich dann aber doch für einen Verbleib in Angola ausgesprochen hatten, veranlasste Togos Premierminister Gilbert Houngbo die sofortige Heimreise der Delegation.

«Die Entscheidung der Politiker entspricht nicht dem Reglement der CAF und des Afrika-Cups. Deshalb hat das Exekutiv-Komitee so entschieden und Togos Verband zudem mit einer Geldstrafe in Höhe von 50 000 US-Dollar belegt», hieß es in einer Mitteilung der CAF.

Kritik erntete das CAF-Vorgehen auch in Europa. «Die unsinnige Strafe verdirbt den Afrika Cup und macht das Turnier insgesamt unglaubwürdig. Togo ist das Opfer einer riesigen Ungerechtigkeit geworden», schrieb «Marca» in Spanien. «El País» ergänzte: «Der Fußball bestraft die Opfer.» Und in England bezeichnete «The Observer» Togos Ausschluss als einen «Gipfel der Taktlosigkeit». Die Entscheidung setze «eine neue Marke an Gefühllosigkeit». (dpa)

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