Statistik Torflaute am Kap - Nur Deutschland gegen den Trend

Johannesburg. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist bisher keine Spielwiese für Stürmer. Von einem Torfestival kann keine Rede sein - nur Deutschland hat mit seinem Viererpack gegen Australien den Trend gebrochen. In den ersten neun Partien wurden gerade einmal 15 Tore erzielt.
14.06.2010, 16:02
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Johannesburg. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist bisher keine Spielwiese für Stürmer. Von einem Torfestival kann keine Rede sein - nur Deutschland hat mit seinem Viererpack gegen Australien den Trend gebrochen. In den ersten neun Partien wurden gerade einmal 15 Tore erzielt.

Setzt sich die Flaute fort, wird das ersten Turnier auf afrikanischem Boden zur mit Abstand torärmsten WM werden. 1,66 Tore standen nach neun Partien zu Buche. Schlechter war der Schnitt zu diesem Turnier-Zeitpunkt noch nie «Das ist normal. Im ersten Spiel sind alle vorsichtiger. Das ändert sich, wenn mehr Partien gespielt sind», sagte Portugals Deco. Doch der Ballzauberer täuscht sich. Seit 1998 sank der Tore-Schnitt bis zum Finale sogar immer noch. Auch die FIFA möchte das noch dünne Datenmaterial nicht überbewerten «Es ist zu früh. Man kann nach acht Spielen noch kein Urteil fällen», hieß es vonseiten des Weltverbandes nach dem Auftaktwochenende.

Doch auch die Niederlande und Dänemark (2:0) konnten im ersten Montagsspiel die Tendenz nicht richtig stoppen. Ein Trend zeichnet sich auf jeden Fall ab. Wie schon bei der WM 2006 setzten die Teams auf eine möglichst kompakte Spielstruktur. Bedingungslose Offensive wird nicht als Erfolgsrezept angesehen. Acht der 18 Mannschaften spielten mit nur einer Spitze. Das auch von Bundestrainer Joachim Löw präferierte 4-2-3-1-System wird die WM bestimmen.

Zudem gibt es keine «Kleinen» mehr. «Die Breite in der Spitze ist dichter geworden», stellte Berti Vogts schon vor Jahren fest. Die meisten WM-Spieler sind bei Topclubs in Europa unter Vertrag - taktische Naivität - die Tore begünstigt - gehört der Vergangenheit an. Seit 1994 in den USA sinkt der Schnitt bei jedem Turnier.

Doch was ist mit den Stürmern los? Erst das neunte WM-Tor wurde von einem Angreifer erzielt. Ghanas Asamoah Gyan traf gegen Serbien - per Elfmeter. Danach verteidigten die deutschen Stürmer Miroslav Klose und Cacau ihren «Berufs-Stand». Und auch Hollands Dirk Kuyt bewies sein Abstaubertalent.

Ansonsten haben Abwehr- und Mittelfeldakteure bewiesen, dass im modernen Fußball Torgefahr kein Stürmerpatent mehr sein muss. Gabriel Heinze köpfte Argentinien zum Sieg. Der Mexikaner Rafael Marquez verdarb Südafrika mit seinem Tor den Premierensieg. Südkoreas Defensivmann Lee Jung-Soo ließ Griechenlands Angreifer Angelos Charisteas bei dessen Abwehrversuch alt aussehen.

Vor vier Jahren in Deutschland waren zum gleichen Zeitpunkt 2,44 Tore pro Spiel gefallen. 1998 in Frankreich und 2002 in Südkorea/Japan waren es sogar 2,89 Treffer pro Spiel. Bis zum Turnierende divergierte der Wert seit 1990 nie um mehr als 0,49 Tore. Den Negativrekord hält bislang die WM 1990 in Itlaien mit 2,21 Toren zum Turnierende. (dpa)

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