Clinch beim HSV

Torwart Rost sauer auf Trainer Labbadia

Hamburg. Gemeinsame Kinobesuche sind für Profifußballer bei manchen Vereinen genehmigungspflichtig. Um diese Erkenntnis ist nun Frank Rost reicher, der sich immerhin seit 1992 im Business bewegt.
19.04.2010, 17:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Hellmann

Hamburg. Man hat sich ja längst daran gewöhnt, dass Benimmregeln und Strafenkataloge für Fußballprofis nicht mehr auf eine DIN-A-4-Seite passen. Was allerdings noch nicht bekannt war: Selbst gemeinsame Kinobesuche sind für Spieler an manchen Standorten offenbar genehmigungspflichtig, wenn am nächsten Tag ein Bundesligaspiel ansteht. Um diese Erkenntnis ist nun Frank Rost reicher, der sich immerhin seit 1992 im Business bewegt.

Auf der Zielgeraden der Karriere stolperte der bald 37-Jährige darüber, dass er am Freitagabend - vor dem Spiel gegen Mainz - gemeinsam mit den Kollegen Wolfgang Hesl, Dennis Aogo, Robert Tesche und Bastian Reinhardt rund 350 Meter vom Mannschaftsquartier im Hamburger Elysée-Hotel ins Cinemaxx am Dammtor ging. Obwohl die Gruppe um 22.40 Uhr - und damit 20 Minuten vor dem Zapfenstreich - zurückkehrte, wertete der angezählte Bruno Labbadia dies als schweren Disziplinverstoß. Cheftrainer und Stammtorwart gerieten deswegen am Sonntag aufs Heftigste aneinander - und da beim Hamburger SV in diesen turbulenten Tagen ohnehin fast alle Internas aus der Kabine öffentlich werden, entschied sich Rost nach Rücksprache mit seiner Medienberaterin und früheren Geschäftspartnerin Sabine Hemkes kurz darauf dazu, seinen Rücktritt aus dem Mannschaftsrat auf seiner Homepage zu erläutern.

'Ich habe einen unangemeldeten Kinobesuch mit einigen Spielern organisiert. Auch wenn ich mir dessen nicht bewusst war, habe ich damit einen disziplinarischen Verstoß begangen.' Der Rücktritt aus dem Mannschaftsgremium habe er allein entschieden, 'das war meine eigene Konsequenz.' Es heißt, Rost, der sich gestern öffentlich nicht weiter äußern mochte, sei völlig perplex gewesen sein, als ihn der Rüffel vor versammelter Mannschaft erreichte, zumal der Familienvater ja auch weder in Bremen, Gelsenkirchen oder Hamburg als Nachtschwärmer aufgefallen war.

Was beim Traditionsverein von der Elbe gerade abläuft, der 1987 (DFB-Pokal) seinen letzten Titel gewann, mutet wie ein schlechter Film an. Auch der sechste Trainer im siebten Jahr schafft es offensichtlich, das hoch veranlagte, bestens entlohnte aber charakterlich schwierige Ensemble zu einen. Schlimmer noch: Labbadia verliert ausgerechnet vor dem Halbfinale in der Europa League gegen den FC Fulham (Donnerstag 21.05) jegliche Autorität. Teamintern heißt es sogar, der Zeitpunkt für dessen Ablösung sei bereits verpasst worden. Dass der 44-Jährige es sich an einem Wochenende mit David Jarolim, seinem integren Kapitän, und Rost, seinem ehrgeizigen Keeper, verscherzte, gilt als verheerende Fehleinschätzung, mit dem der letzte Rückhalt aus der Mannschaft schwindet. Spätestens am Saisonende ist der Trainer nicht mehr in der Hansestadt zu halten.

Gerade Rost, der sich mit Labbadia aus gemeinsamen aktiven Bremer Zeiten (1995 bis 1998 zusammen bei Werder) sogar duzen durfte, war nicht als Trainer-Kritiker aufgefallen, obwohl es dem gebürtigen Leipziger im Vorjahr mächtig gegen den Strich ging, dass Labbadia vorschnell Rosts definitives Karriereende für 2011 ausrief. Dass war allein deshalb ungeschickt, weil den Verein vor Rosts Anstellung im Januar 2007 ein massives Torwartproblem plagte und der Keeper noch immer zu den Besten der Liga zählt. Vereinfacht heißt das, dass der HSV nun zur Unzeit noch einen Unzufriedenen mehr führt. Vorstandschef Bernd Hoffmann weiß, dass einzig und allein das hehre Ziel eines Triumphes der Europa League am 12. Mai im eigenen Stadion noch den Kitt bildet. 'Wir können die Saisonziele durch drei exzellente Spiele in der Europa League erreichen', verlangt Hoffmann. Er gehe davon aus, 'dass die Saison ein gutes Ende findet.' Klingt ganz so wie der Kinobesucher, der immer aufs Happy End hofft.

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