Leverkusen Trauer und Tränen bei Hertha - Preetz: «Zerrissen»

Leverkusen. Der Präsident schwer gezeichnet, die Profis am Boden zerstört und die Fans im Tal der Tränen: Die Endgültigkeit stürzte Hertha BSC in tiefe Trauer und eine ungewisse Zukunft.
02.05.2010, 11:21
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Leverkusen. Der Präsident schwer gezeichnet, die Profis am Boden zerstört und die Fans im Tal der Tränen: Die Endgültigkeit stürzte Hertha BSC in tiefe Trauer und eine ungewisse Zukunft.

«Wir hatten das Szenario seit Wochen vor Augen, nun ist es Gewissheit. Wir sind alle ein wenig zerrissen», sagte Manager Michael Preetz nach dem 1:1 bei Bayer 04 Leverkusen, das den fünften Abstieg aus der Bundesliga nach 1965, 1980, 1983 und 1991 besiegelte. «Das ist ein bitterer Tag, heute überwiegt die Depression», stellte Vereinschef Werner Gegenbauer mit feuchten Augen fest. Berlin ist nun die einzige europäische Hauptstadt ohne Fußball-Erstligisten.

«Das hat der Verein nicht verdient», stammelte Arne Friedrich. Der vom Hamburger SV umworbene Kapitän wird wie viele andere Hertha- Profis nun von Bord gehen - es droht der Ausverkauf. Insgesamt laufen zwölf Spielerverträge und der von Chefcoach Friedhelm Funkel aus. «So groß wie der Umbruch spekulativ dargestellt wurde, wird er nicht sein», versicherte Gegenbauer. Ein Zukunftskonzept für den mit rund 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasteten Club mochte er aber nicht vorstellen. «Es macht jetzt keinen Sinn, fundamentale Pläne rauszugeben.»

Die seit dem 6. Spieltag auf dem letzten Tabellenrang stehenden Berliner agierten auch diesmal keineswegs wie ein Absteiger, scheiterten wie so oft aber an der Chancenverwertung - insgesamt 14 Mal blieb Hertha ohne Torerfolg in dieser Saison. Gegen Bayer reichte es nur zum Treffer von Raffael (12. Minute), Manuel Friedrichs Ausgleich (59.) raubte den Gästen den letzten Funken Hoffnung. «Das war sinnbildlich für die gesamte Saison», resümierte Funkel. «Nun muss man den bitteren Gang in die zweite Liga antreten, das machen wir erhobenen Hauptes», sagte Funkel. Der Coach wird aber wohl eher nicht dabei sein. «Wir haben eine Abmachung und führen nach Saisonende ein Gespräch», berichtete er.

Trotz des Aufbäumens der «Aufholjäger» nach der Winterpause war der Ertrag miserabel. Vor der Abschiedsvorstellung bei der Meisterparty des FC Bayern am kommenden Samstag steht nur ein Heimerfolg auf der Habenseite. Außerdem gab es in 15 Partien zu Hause keinen Sieg - damit stellte Hertha den Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 ein. Eingeleitet wurde das Zweitliga- Schicksal schon in der Hinrunde, in der die Berliner in 17 Spielen gerade mal sechs Punkte holten.

«Dies war eine schwere Hypothek und hat am Nervenkostüm gerüttelt», stellte Preetz fest. «In jedem Spiel in 2010 hatten sie diesen Rucksack auf. Das hat dazu geführt, dass die Lockerheit fehlte.» Der Jung-Manager soll nun der Architekt für einen Neuaufbau des Berliner Ensembles werden. Nach den Abstürzen 1983 und 1991 brauchte Hertha allerdings sieben beziehungsweise sechs Jahre für die Rückkehr ins Oberhaus. «Wir müssen uns gerademachen, gut aufstellen und eine schlagkräftige Truppe aufstellen», sagte Preetz.

Der Personalmangel im Saison-Endspurt kostete den 17-maligen Spitzenreiter Leverkusen wohl die Champions-League-Teilnahme. Vor allem Kapitän Simon Rolfes und Renato Augusto hinterließen Lücken. «Wenn ich die Spieler in dieser Phase in guter Form zur Verfügung gehabt hätte, wäre es anders geworden», meinte Bayer-Coach Jupp Heynckes, der das Erreichen der Europa League als «großen Erfolg» wertet und höhere Erwartungen für überzogen hält. «Ich weiß, was möglich ist und was nicht. Im der letzten Saison war Bayer Neunter.» Indirekt forderte er damit die Clubführung auf, Geld für neue Spieler locker zu machen, um 2010/2011 Champions-League-tauglich zu werden.

Im letzten Spiel bei Borussia Mönchengladbach wollen die Bayer- Profis dennoch nach dem letzten Strohhalm greifen. «Wir haben noch eine minimale Chance, im Fußball kann viel passieren», sagte Nationaltorhüter René Adler, der nach einem Rippenbruch beim Mini- Comeback seine WM-Güteklasse mehrfach unter Beweis stellte. Dabei muss aber der Hamburger SV bei Werder Bremen, das mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz drei liegt, Schützenhilfe leisten. «Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken», versprach Adler. (dpa)

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