Fußball-WM TV-Expertin Tabea Kemme: Fußball steckt in einer Blase

Die Aufarbeitung der WM-Pleite der Nationalelf soll in dieser Woche weitergehen. TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme sieht Handlungsbedarf an allen Ecken und Enden.
05.12.2022, 07:55
Lesedauer: 1 Min
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Von dpa

Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme sieht die Notwendigkeit bei der Aufarbeitung des WM-Ausscheidens in Katar die Aktiven selbst und Expertise von außen besser einzubinden.

„Uns fehlt die Ganzheitlichkeit. Wir brauchen keine FußballerInnen, sondern AthletInnen. Und man kriegt auch mit: Sobald eine andere Expertise in unsere Branche eintreten will, wird ihr die Tür zugeschlagen“, sagte die TV-Expertin „Münchner Merkur/tz“ im Interview. „Da mangelt es an Verantwortungsbewusstsein. Das ist grob fahrlässiges Handeln der Entscheider.“

Das System Fußball kapsele sich zu sehr ab. „Es wird über uns Aktive entschieden – und nicht mit uns. Wir dürfen die Eigendynamik dieses Fußball-Kosmos nicht unterschätzen“, sagte Kemme. „Heute ist der Fußball in einer Blase. Man holt keine anderen Menschen dazu, die vielleicht auch mal hinterfragen, was wir da manchmal für einen Quatsch machen.“ Es müsse sich beim DFB jeder fragen: „Führe ich eine Position aus, weil ich die Position unbedingt haben will? Oder führe ich die Position aufgrund der Sache aus, für die ich Expertise besitze? Die Antwort hat jeder Verantwortliche. Ob er sie sagen will, ist die andere Frage.“

In die Krisenrunde mit Bundestrainer Hansi Flick, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hat Kemme offenbar wenig Vertrauen. „Es sind vier Köpfe, es sind vier Männer, die voll im Fußball-Business sind, dazu noch einer mit Politik-Vergangenheit“, sagte Kemme. „Mir fehlen die ExpertInnen in dieser Runde. Wer ist denn da noch nah am Platz? Was da zusammenkommt, ist eine Klüngelrunde! Da fehlt mir der Weitblick.“

Für Flick fand die 30-Jährige aber lobende Worte. „Ich habe ihn 2016 bei den Olympischen Spielen kennenlernen dürfen und ich war so dankbar für diesen Austausch. Weil es so menschlich ist, weil er ganzheitlich an seine Aufgabe geht. Der DFB hat nicht das Problem Hansi Flick – sondern ein ganz anderes“, sagte sie.

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