Bundesliga VfL kauft ein - VW-Club will zurück an die Spitze

Wolfsburg. Der VW-Club bläst zum Sturm auf die Bayern. Nach einem verkorksten und verlorenen Jahr will der VfL Wolfsburg zurück an die Spitze der Fußball-Bundesliga.
18.08.2010, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Wolfsburg. Der VW-Club bläst zum Sturm auf die Bayern. Nach einem verkorksten und verlorenen Jahr will der VfL Wolfsburg zurück an die Spitze der Fußball-Bundesliga.

«Wir wollen unter die ersten fünf. Mittelfristig wollen wir wieder an die Plätze anknüpfen, die zur Champions League berechtigen - aber Schritt für Schritt», sagte VfL-Manager Dieter Hoeneß vor dem ersten Saisonspiel am 20. August beim FC Bayern München.

Um den Bayern wieder gewachsen zu sein, startete der Meister von 2009 eine Transfer-Großoffensive. Der VfL ist mit 22,6 Millionen Euro für Neuzugänge bisher Investitionsmeister und laut Hoeneß sind «noch Mittel frei». Etwa 16 bis 19 Millionen Euro dürfte Ex-Bundesliga-Superstar Diego kosten, mit dem sich Hoeneß bereits einig sein soll. Der Poker mit Juventus Turin zieht sich aber noch hin.

Zudem soll Wolfsburg laut englischen Medienberichten um den niederländischen Außenstürmer Ryan Babel vom FC Liverpool buhlen und rund elf Millionen Euro geboten haben. «Jeder Spieler, um den es in Verbindung mit dem VfL Wolfsburg Gerüchte gibt, ist ein guter Spieler», sagte der neue Coach Steve McClaren dazu lediglich. Immerhin deutete der Engländer weitere Aktivitäten auf dem Transfermarkt an: «Wie der Kader genau aussieht, werden wir erst nach dem Ende der Transferfrist wissen.»

Die Investitionen, der geplante Diego-Transfer und das Werben um Michael Ballack, das VW-Boss Martin Winterkorn - allerdings erfolglos - zur Chefsache erklärt hatte, verdeutlicht die Kategorien, in denen VW und seine hundertprozentige Tochter VfL inzwischen denken. Eine Saison wie die vergangene, die die «Wölfe» auf Platz acht und ohne Zugang zum internationalen Geschäft beendeten, soll sich nicht wiederholen.

Schon im Frühjahr gaben die VW-Bosse Hoeneß den Auftrag, den VfL wieder fit für die Champions League zu machen. «Als VW-Konzern können wir nur dieses Ziel haben», stellte Aufsichtsratschef und VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz fest. Seitdem bastelt Hoeneß eifrig am Umbruch, holte in McClaren einen aktuellen Meistercoach vom holländischen Titelträger Twente Enschede und ging auf Einkaufstour.

Im Falle einer Bundesliga-Rückkehr von Diego würde der VfL gar den Transfer des dänischen Innenverteidigers Simon Kjaer von US Palermo toppen, der mit zwölf Millionen Euro bislang teuerster Bundesliga- Neuzugang in diesem Sommer ist. Für sieben Millionen Euro kam zudem Stürmer Mario Mandzukic von Dynamo Zagreb. Viel beachtet wurde auch der Wechsel von Nationalspieler Arne Friedrich von Hoeneß' Ex-Club Hertha BSC für zwei Millionen Euro. «Der VfL hat ein unglaubliches Potenzial. 2009 ist der Club ja schon Meister geworden. Jetzt haben wir wieder eine Mannschaft, die zu den wenigen gehört, die in Zukunft ganz oben angreifen können», begründete der WM-Star den Wechsel.

Fast wichtiger als alle Neuzugänge scheint aber der Verbleib von Superstar Edin Dzeko. Der Bosnier wollte unbedingt zu einem europäischen Großclub und war zunächst beleidigt, als Hoeneß ihn angesichts anhaltender Spekulationen vor Wochen per Machtwort als unverkäuflich bezeichnete. Neu-Coach McClaren nahm Dzeko daraufhin in die Verantwortung und ernannte ihn zum neuen Kapitän. Seitdem gibt sich der Torjäger deutlich motivierter. «Ich habe immer Lust auf Fußball und die neue Saison», sagte Dzeko nun. «Das zeigt doch die Möglichkeiten, wenn der Club in der Lage ist, jemanden wie Dzeko zu halten», sagte Friedrich zu dieser Personalie.

Doch die finanziellen Anstrengungen bergen auch Risiken. Der durchgeführte Umbruch ist keinesfalls eine Garantie für eine erfolgreiche Saison. Die neue Innenverteidigung mit Friedrich und Kjaer muss sich erst einspielen. Auch ist unklar, ob McClaren sich als erster englischer Bundesliga-Coach auf Anhieb zurecht findet. Daran hat Hoeneß indes keine Zweifel: «Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei unserem Trainer. Er hat eine klare Vorstellung vom Fußball und eine klare Ansprache, die er in englischer Sprache präzise auf den Punkt bringt.»

Zum Saison-Auftakt bei den Bayern bangt der VfL allerdings um den Einsatz von Torhüter Diego Benaglio. Die Frau des VfL-Keepers erwartet ihr erstes Kind. «Ich gehe davon aus, dass er spielen wird. Wenn am Freitag aber etwas passiert, werden wir sehen, wie wir darauf reagieren», sagte VfL-Trainer Steve McClaren. Erste Alternative wäre Benaglios Schweizer Landsmann Marwin Hitz.

Seinem Bundesliga-Debüt in München sieht der erste englische Coach mit großer Vorfreude entgegen. «Ich bin stolz, Teil der Bundesliga zu sein und freue mich auf das Spiel am Freitag. Für diese Momente ist der Fußball gemacht», sagte der ehemalige englische Nationalcoach. (dpa)

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