Fußball-WM 2018

Warum spielt Deutschland in schwarz-weißen Trikots?

Die Weltmeisterschaft in Russland läuft und das deutsche Team spielt wie gewohnt in schwarz-weißen Trikots. Aber die Nationalflagge ist schwarz-rot-golden: Warum spielt die Nationalmannschaft also in Schwarz-Weiß?
19.06.2018, 00:00
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Warum spielt Deutschland in schwarz-weißen Trikots?

Toni Kroos, Mesut Özil und Mats Hummels präsentieren das deutsche Trikot für die WM 2018.

dpa

Um den Grund zu erfahren, muss man rund 100 Jahre in der Geschichte zurückgehen. Als das Fußballspiel auch in Deutschland immer populärer wurde und erste Länderspiele ausgetragen wurden - das erste übrigens 1908 gegen die Schweiz -, war der Griff zum schwarz-weißen Trikot selbstverständlich. Denn: "Schwarz und weiß waren die Farben Preußens, des damals mächtigsten und einflussreichsten Staates im deutschen Staatenbund", erklärt der Sporthistoriker und Buchautor Dietrich Schulze-Marmeling. In der Folgezeit überlebte die Farbkombination des Deutschland-Trikots alle politischen Veränderungen, auch wenn beispielsweise bei der Olympiade 1928, so Schulze-Marmeling, die Nationalelf in weißen Hemden mit einem roten Brustring und weißen Hosen auflief - sozusagen im heutigen Dress des VfB Stuttgart.

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Die Kombination Schwarz-Rot-Gold, die seit der Gründung der Bundesrepublik die deutsche Fahne schmückt, tritt erstmals bei der EM 1988 in Erscheinung. Seither, so Schulze-Marmeling, sind die Farben stets präsent. "Mal aufdringlicher - wie 1988, 1990 und 1996 -, mal dezenter."

Dass das deutsche Trikot nur dezente Verweise auf die Nationalfarben birgt und so weitesgehend ohne die Farben der Flagge auskommt, ist übrigens keinesfalls ein deutscher Sonderweg. Auch bei anderen Ländern sind Abweichungen zu den Nationalfarben der jeweiligen Flagge zu beobachten, zum Beispiel bei England, Nordirland oder Italien, das statt des "Weiß-Grün-Rot-Dreiklangs" im traditionellen Blau aufläuft.

So sah das deutsche EM-Trikot von 2016 aus.

So sah das deutsche EM-Trikot von 2016 aus.

Foto: dpa

Wenn Sie jetzt meinen, sich an jüngste Auftritte der deutschen Mannschaft in Grün zu erinnern, dann ist auch das richtig und hat seinen Grund: Grün ist derzeit die Farbe der Auswärtstrikots und kommt immer dann zum Einsatz, wenn auch die Heimmannschaft traditionell in Weiß spielt. In der Vergangenheit hat es diverse Farbkombinationen für den Auswärtsdress gegeben. Dass der Ausrüster der Nationalmannschaft jetzt wieder zum Grün gegriffen hat, wird damit begründet, dass man in der Farbe der Hoffnung gekleidet, schon einige bedeutende Siege davontragen konnte: zum Beispiel bei der EM 1972, WM 1990 und EM 1996. Ebenso, so ergänzt Dietrich Schulze-Marmeling beim "legendären 3:1-Sieg im Viertelfinale gegen England im Wembleystadion".

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Inzwischen wird vor großen Fußballturnieren das jeweilige neue Trikot Monate vor Turnierstart mit einigem Brimborium vorgestellt, bei dem Nationalspieler das neue Gewand auf dem Laufsteg präsentieren. Für die Trikothersteller ist damit ein lukratives Geschäft verbunden: So hat sich die fränkische Firma Adidas, die insgesamt fünf Nationalmannschaften bei der EM ausrüstet und auf einen Rekordumsatz hofft, allein bei den deutschen Trikots eine Zielmarke von rund einer Million verkaufter Trikots gesetzt. "Wenn Deutschland erfolgreich spielt, werden es vielleicht noch ein paar mehr", sagte der Vorstandsvorsitzende Herbert Hainer vor kurzem der "Wirtschaftswoche".

Weitere Informationen zur WM finden Sie auf unserer Sonderseite.

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