Deutsche Nationalmannschaft Willkommen in der Sauna

Santo Andre. Als wenn Portugal, Ghana und die USA nicht schon harte Gegner wären. In Brasilien erwartet das deutsche Team ein weitaus unbequemerer und noch schwieriger zu beeinflussender Gegner.
12.06.2014, 00:00
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Willkommen in der Sauna
Von Marc Hagedorn

Santo Andre. Als wenn Portugal, Ghana und die USA nicht schon harte Gegner wären. In Brasilien erwartet das deutsche Team ein weitaus unbequemerer und noch schwieriger zu beeinflussender Gegner.

Die Wettervorhersage für den Norden Brasiliens verspricht für die nächste Zeit heiße und feuchte Tage. In Salvador sind für Montag, wenn die deutsche Mannschaft dort zur Mittagszeit auf Portugal trifft, 27 Grad, leichter Regen und eine Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent angekündigt. Für die weiteren Spielorte Fortaleza (gegen Ghana) sind es 30 Grad und Gewitter, für Recife (gegen die USA) 28 Grad und Gewitter. Die Luftfeuchtigkeit liegt auch an diesen beiden Orten stets über 80 Prozent.

Philipp Lahm weiß, was das bedeutet. „Man schwitzt schon nach drei Metern“, sagt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, die gerade dabei ist, sich an die klimatischen Bedingungen im Gastgeberland dieser WM zu gewöhnen. Eine Ahnung von 90 Minuten Länderspielfußball in einer Sauna hat Per Mertesacker auf der Florida-Reise des DFB im vergangenen Sommer bekommen. In Miami lernte Mertesacker dieses Gefühl kennen, „nicht genug Luft in die Lungen zu bekommen. Diese Ermattung schon nach fünf Minuten.“ So erzählte er es der Wochenzeitung „Die Zeit“ kürzlich.

Das klingt nicht gut und, etwas bösen Willen unterstellt, schon vor Turnierbeginn nach einer Entschuldigung für den Fall, dass es mit dem deutschen Spiel in Brasilien nicht so recht laufen will.

Die Gefahr besteht tatsächlich. Der deutsche Stil der jüngeren Vergangenheit ist auf Tempo, viel Ballbesitz sowie auf kraft- und laufintensives Pressing angelegt. Davon wird Bundestrainer Joachim Löw abweichen müssen. Das hat sein Chefscout Urs Siegenthaler im Interview mit dieser Zeitung bereits vor einiger Zeit angekündigt.

Aber wird das reichen? Hier und da auf den Ball treten und verschnaufen. Ab und an dem Gegner Ball und Feld überlassen, auf dass er sich müde passt und läuft. Löw samt Trainer- und Beraterteam lassen nichts unversucht, um auf den Ernstfall bestens vorbereitet zu sein. Insgesamt drei Trainingseinheiten finden vor dem Portugal-Spiel zur heißen Mittagszeit statt. Mannschaftsarzt Dr. Tim Meyer hat den Spielern eindringlich geraten, viel zu trinken und viel zu schlafen. So gesehen muss es gar nicht unbedingt so schlecht sein, dass das deutsche Team schon mittags spielt. Die Jungs liegen dann nach einem Spiel wenigstens abends früh im Bett.

Apropos früh: Ein schnelles 1:0 würden Joachim Löw und die Seinen auch in Brasilien natürlich nicht ablehnen. Aber der Kapitän weiß, wann die Spiele voraussichtlich tatsächlich entschieden werden. Nämlich „nach hinten raus“, sagt Lahm, „ab der 60. bis zur 70. Minute ist es wichtig, dass starke Spieler von der Bank kommen.“ Und da gibt der deutsche Kader ja durchaus etwas her.

„Sieger wird, wer sich über diese Dinge nicht ärgert“, sagt Siegenthaler mit Blick auf ungewohnte Anstoßzeiten, drückende Temperaturen und andere Unbequemlichkeiten. Andre Schürrle hat sich diese Sichtweise zu eigen gemacht. Angesprochen auf das Klima, stimmte der Flügelstürmer des FC Chelsea keine Klage an, sondern sagte stattdessen: „Wieso? Ist doch tolles Wetter hier.“

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