Dieter Hecking hat Gladbach flottgemacht Zurück zum Favre-Stil

Den strahlenden Rekord von André Schubert wird Dieter Hecking nicht mehr erreichen können, so viel war schon nach dem ersten Pflichtspiel des neuen Trainers von Borussia Mönchengladbach sicher.
09.02.2017, 00:00
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Von Daniel Theweleit

Den strahlenden Rekord von André Schubert wird Dieter Hecking nicht mehr erreichen können, so viel war schon nach dem ersten Pflichtspiel des neuen Trainers von Borussia Mönchengladbach sicher.

Der kurz vor Weihnachten entlassene Schubert hatte seinen Job als Verantwortlicher für die Profis vom Niederrhein mit sechs Siegen am Stück begonnen, Hecking startete mit einem eher mageren Remis bei Darmstadt 98. Die Skepsis war groß, doch zwei Partien später stehen beachtliche sieben Zähler auf der Habenseite. Und nach dem souveränen 2:0 bei Greuther Fürth im DFB-Pokal am Dienstag wird Dieter Hecking beinahe genauso euphorisch gefeiert wie Schubert in seinen besten Tagen.

Der neue Trainer hat „uns genau da gepackt, wo er uns packen musste“, sagt Torhüter Yann Sommer, und der Boulevard feiert den „Hexen-Hecking“. Das klingt nach komplizierten psychologischen Tricks, ist in Wahrheit aber eine Art Rückbesinnung auf die beste Zeit in der jüngeren Vergangenheit: auf Lucien Favre, der die Borussia zwischen 2011 und 2015 von einem Abstiegskandidaten in einen Champions-League-Teilnehmer verwandelte. Zwischendurch, unter Schubert, spielte die Borussia zwar spektakulärer, oft mit Dreierabwehrkette, die permanent anders besetzt war – das große Ideal war der ultraflexible Fußball, den auch Pep Guardiola oder Thomas Tuchel anstreben. Hecking hat die Zeit zurückgedreht.

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Setzen auf Verlässlichkeit

Der neue Trainer setzt auf Verlässlichkeit, er will die Dinge einfach halten und hat erst mal wieder ein klassisches 4-4-2-System installiert. Die Maßnahme „entpuppt sich als Volltreffer“, schreibt der „Kicker“. Seit Hecking da ist, spielen dort Tony Jantschke, Jannik Vestergaard, Andreas Christensen und Oscar Wendt. Davor agieren stets Christoph Kramer und Mahmoud Dahoud, das ist berechenbar, Abläufe sind automatisiert. Es ist wohl kein Zufall, dass Vestergaard, der erst im Sommer aus Bremen an den Niederrhein kam, das bisher schwächste Glied dieser Konstruktion zu sein scheint.

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Doch trotz der Fehler des Dänen haben die Gladbacher in den vier Pflichtspielen dieses Jahres drei mal zu null gespielt. Wie so oft unter Lucien Favre, dessen Teams nie viele Gegentreffer zulassen. „In der Defensive stehen wir jetzt wieder sehr gut, das ist die Basis“, resümiert Christoph Kramer vor der Reise nach Bremen. Gladbachs Fußball ist jetzt weniger spektakulär als in der vorigen Saison, könnte in seiner Funktionsfähigkeit aber nachhaltiger sein, so die Hoffnung der Verantwortlichen. Wobei es in Heckings-System nicht alleine um Torvermeidungen geht. Beim 3:2 in Leverkusen und beim 3:0 gegen Freiburg sprachen viele Statistiken (Torschüsse, Ballbesitz, Zweikämpfe) für den Gegner, gewonnen hat aber Heckings Mannschaft. Womit Mönchengladbach nicht nur zum Favre-Stil zurückkehrt, sondern auch dem Zeitgeist der Bundesliga folgt. Leipzig, Hoffenheim, Frankfurt und Berlin, aber auch Freiburg und Köln haben sich allesamt mit ähnlichen Spielansätzen in der oberen Tabellenhälfte etabliert.

Stindl besonders aufgeblüht

Vor allem aber ist nach der Unruhe, die wohl auch aufgrund einer nicht immer glücklichen Menschenführung von André Schubert herrschte, wieder eine konzen­trierte Arbeit am Wesentlichen möglich. „Man spürt seine Erfahrung“, sagt Kramer über Hecking, und auch, „dass er gut mit Menschen umgehen kann, dass er weiß, wie man eine Mannschaft und jeden einzelnen Spieler handhaben muss“.

Besonders aufgeblüht ist in diesem neuen Klima Kapitän Lars Stindl, der zum unangefochtenen Chef avancierte. „Ich bin kein Freund von flachen Hierarchien“, hat Hecking einmal gesagt und so Abstand genommen von der Herangehensweise vieler jungen Kollegen, aber auch von Bundestrainer Joachim Löw. In Bremen ist Stindl aber wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Es wird interessant, ob die neue alte Borussia schon stabil genug ist, diesen Verlust ohne größere Probleme zu kompensieren.

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