WM «Zut alors!»: Ribéry wegen Torflaute am Pranger

Knysna. «Zut alors!» - Verflixt noch mal! Den französischen Medien, Fans und sogar dem sonst eher diplomatischen Zinedine Zidane geht inzwischen die Arroganz vieler «Bleus» auf die Nerven.
14.06.2010, 15:54
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Knysna. «Zut alors!» - Verflixt noch mal! Den französischen Medien, Fans und sogar dem sonst eher diplomatischen Zinedine Zidane geht inzwischen die Arroganz vieler «Bleus» auf die Nerven.

«Die Spieler müssen sich zusammenreißen und ihre Egos beiseitelegen», forderte der dreimalige Weltfußballer und warnte seine Landsleute, mit Einzelaktionen werde die «Équipe Tricolore» in Südafrika nicht sehr weit kommen. An den Pranger geraten vor allem die nicht erst seit WM-Start erfolglosen Stürmer - und ganz besonders Franck Ribéry.

Der Star von Bayern München hüllte sich bisher in Südafrika missmutig in Schweigen, umdribbelte die Journalisten gekonnter als etwa seine Gegenspieler beim 0:0 gegen Uruguay. Kein Geringerer als Just Fontaine, der mit 13 Treffern 1958 in Schweden immer noch den Tor-Rekord für eine einzige WM hält, liest ihm deshalb gnadenlos die Leviten. «Ribéry? Da hat jemand irgendwann einmal Mist gemacht und behauptet, dass er das Hirn des Teams sei. Und er hat es geglaubt. Er umdribbelt sieben, aber der achte nimmt ihm den Ball ab», schrieb der 86-Jährige in seiner Kolumne der Zeitung «La Dépêche du Midi». Auch Emmanuel Petit, WM-Sieger 1998, forderte vom Münchner, dass er «nicht nur gut spielt, sondern eine entscheidende Rolle einnimmt».

Die Tor-Tragödie der Franzosen begann allerdings nicht erst in Südafrika. Im vergangenen Jahr gelangen dem Vize-Weltmeister in zwölf Begegnungen nur 16 Tore. Dabei gab es insgesamt acht gegen die Faröer und gegen Österreich. Schlimmer sieht es dieses Jahr aus: In fünf Begegnungen traf man ganze viermal ins Schwarze. Der beste «Stürmer» der vergangenen sechs Monate ist Arsenals Abwehrmann William Gallas. Ob man es glaubt oder nicht: Das letzte Stürmertor der «Bleus» liegt mehr als ein halbes Jahr zurück, als Nicolas Anelka im Play-off gegen Irland ins Netz traf.

Der französische Sturm gleiche «einer riesigen offenen Baustelle unter freiem südafrikanischem Himmel», so das französische Sportportal «Sport2000». Mittelfeldmann Jérémy Toulalan versteht die Welt nicht mehr: «Wir machen alles richtig, nur schießen wir keine Tore». Dass Rekord-Torjäger Thierry Henry die Bank drücken muss, verstehen viele angesichts der Malaise überhaupt nicht. «Wie kann (Trainer Raymond) Domenech nur? Wir schießen doch keine Tore», klagt Petit. Nach französischen Medien-Berichten erwägt Domenech, es am Donnerstag gegen Mexiko mit Thierry Henry oder André-Pierre Gignac zu probieren.

Ein Einsehen scheinen die Betroffenen unterdessen allerdings nicht an den Tag legen zu wollen. «Die Feindseligkeiten gegen uns gehen schon zu weit ... unterstützt uns!», meinte Stürmer Sidney Govou. Vielleicht sollten Ribéry & Co. auf die Stimme des Volkes hören. «Die sind ja eingebildet, kaum ein Hallo. Die Dänen waren hier viel netter», meinte die Bewohnerin eines Township-Armenviertels in Knysna nach dem Besuch der französische Profis. (dpa)

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