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Start der Nations League mit kleinem Schwindel

Marcus Bark 04.09.2018 0 Kommentare

Der Pokal für den Sieger der Nations League.
Der Pokal für den Sieger der Nations League. (Albouy/dpa)

Dort, wo alles begann, geht es dann auch wirklich los. Das klingt sentimental, ist aber banal. Astana, mehr als 4000 Kilometer Luftlinie von Bremen entfernt, ist der mitteleuropäischen Sommerzeit um vier Stunden voraus. Am Donnerstag, kurz vor 20 Uhr Ortszeit, wird die Hymne der Nations League erstmals vor einem Spiel dieses neuen Wettbewerbs ertönen. Kasachstan trifft in der Astana-Arena auf Georgien.

Nur ganz hartgesottene Fußballnerds in Deutschland dürften sich im Internet einen Stream suchen, um diese Partie zu verfolgen. Deutlich mehr als zehn Millionen Menschen dürften es jedoch knapp fünf Stunden später sein, die dann im ZDF die Hymne hören. Deutschland spielt gegen Frankreich. Es ist das Duell des abgelösten Weltmeisters gegen den neuen.

Es ist das Spiel, in dem Thomas Müller und Toni Kroos zeigen müssen, dass sie noch mithalten können mit Paul Pogba und Kylian Mbappé. Ein solches Duell lässt sich bestens verkaufen, daher schwindelt der europäische Fußballverband auf seiner Internetseite auch ein bisschen, wenn er behauptet, dass Deutschland und Frankreich die Uefa Nations League eröffnen würden.

Schraube könnte überdreht werden

Aber was sind schon ein paar Stunden bei einem Format, das in den Hirnen einiger Verbandsstrategen 2011 als Idee reifte und am 27.  März 2014 bei einem Kongress der Uefa in der kasachischen Hauptstadt Astana beschlossen wurde. Einstimmig, wie in den Archiven nachzulesen ist, was ein wenig verwundert, wenn die ebenso archivierten Reaktionen nachgelesen werden.

„Wir sind sehr überrascht, dass dieses Thema in Astana ohne Vorankündigung auf die Tagesordnung gekommen ist und ein so weitreichender Beschluss getroffen wurde“, nörgelte Reinhard Rauball, damals wie heute Präsident der Deutschen Fußball Liga. Oliver Bierhoff, damals wie heute Manager der deutschen Nationalmannschaft, warnte davor, dass die Schraube mit einem weiteren Wettbewerb überdreht werden könne.

Das ist bei ihm allerdings schon häufig zu hören gewesen, während er unter dem Tisch mit beiden Händen an den Schrauben dreht. Der damalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes sagte in Astana auch etwas. „Ich verhehle nicht, dass wir im gesamten Verlauf der Diskussion die Bedenken des DFB gegen die Nations League hinterlegt haben.“ Dieser Satz stammt von Wolfgang Niersbach, der seinen Platz heute in der Reihe der tief gefallenen Fußballfunktionäre hat. Er stürzte über verworrene Geldflüsse, die bis heute darauf warten, geklärt zu werden.

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So erging es auch Michel Platini, dem einstigen Weltklassefußballer, der 1984 als Kapitän der französischen Mannschaft den Pokal für den Europameister in den Himmel reckte. Zu gerne hätte er seinem Landsmann Hugo Lloris im Juli 2018 die WM-Trophäe in die Hand gedrückt. „Eigentlich hätte ich diesen Pokal übergeben müssen. Das tat mir zu weh. Ich bin ins Bett gegangen“, jammerte Platini kürzlich in einem Gespräch mit der Sportzeitung „L’Équipe“ über den WM-Finalabend in Moskau.

Der Franzose sieht sich immer noch als Opfer eines Komplotts. Er wollte die Krone der Fußballfunktionäre, er wollte Präsident des Weltverbandes Fifa werden. Er tat alles dafür, wechselte seinen Status in der Beziehung zu Joseph Blatter von „Freund“ zu „Feind“. Der Schweizer ist auch gestürzt, er war bis 2015 für 17 Jahre auf dem Thron des Verbandes, in dem etliche Funktionäre der Korruption überführt worden sind.

Dass Platini ein paar Schritte vor seinem Lebensziel fiel, verbittert ihn. „150 Verbände wollten mich wählen, drei Trottel wollten das verhindern, und die Trottel haben gewonnen“, sagte er zur „L’Équipe“, und mit diesem Satz sagt er auch viel über die Nations League aus.

In zwölf Städten in zwölf Ländern

Präsidenten der Uefa – wie auch der Fifa –werden von den Mitgliedsverbänden gewählt. Die Stimme des Kosovo, jüngstes Mitglied des europäischen Verbandes, ist für die Kandidaten genauso wertvoll wie die Stimme des Deutschen Fußball-Bundes, dem mit sieben Millionen Mitgliedern größten Sportfachverband der Welt. Wer auf den Thron will, muss vor allem die kleineren Verbände hinter sich versammeln – San Marino, Andorra, die Letten, die Litauer, die Esten.

Paul Philipp, Präsident des luxemburgischen Fußballverbandes, gab sich im Gespräch mit dem WESER-­KURIER als Freund des neuen Wettbewerbes: „Wir freuen uns auf die Nations League, jedoch unter der Bedingung, dass die ‚normale‘ Qualifikation auch auf Dauer weiterhin bestehen bleibt.“ Der Nations-League-Modus sieht vor, dass über den neuen Wettbewerb vier Startplätze bei der Europameisterschaft erspielt werden können, etwa für die Ausgabe 2020, die in zwölf Städten in zwölf Ländern ausgetragen wird.

Auch das boxte Platini durch, um bei den kleineren und mittleren Verbänden Sympathien zu gewinnen. Eben jene Verbände sieht der luxemburgische Präsident in ihrer Existenz bedroht, falls die Großen eine Vorqualifikation durchsetzen würden, damit sie nie mehr nach Kasachstan reisen oder ein Heimspiel gegen Liechtenstein anpreisen müssten.

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„Es wäre in der Tat eine Katastrophe, wenn die Nations League der Vorreiter wäre, um die herkömmliche Qualifikation für die EM und/oder WM abzuschaffen. Dies wäre der Anfang vom Ende für kleinere und mittlere Verbände“, gab Paul Philipp zu bedenken. Traum und Ziel eines jeden jungen luxemburgischen Spielers sei es, gegen Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland oder England antreten zu dürfen: „Dieser Traum darf nicht durch eine Vorqualifikation zerstört werden, wie es leider schon seit Jahren der Fall ist bei den Klubwettbewerben der Uefa.“

Derzeit sehe er diese Gefahr nicht, sagte Rainer Koch auf Anfrage des WESER-KURIER. Der Vizepräsident des DFB nannte die Nations League in erster Linie ein Entgegenkommen in Richtung der kleineren und mittleren Verbände, zu denen er 50 von 55 in Europa zählt. Sie hätten immer größere Probleme gehabt, namhafte Konkurrenz für Testspiele zu gewinnen.

Etwa 1000 Dauerkarten verkauft

Bei schwächeren Gegnern ist die Vermarktung schwieriger, entsprechend geringer sind die Einnahmen. In der Nations League schüttet die Uefa Geld aus, das aus einer zentralen Vermarktung stammt. Luxemburg aus der schwächsten Division, der Liga D, erhält ­garantiert eine halbe Million Euro, der DFB aus der stärksten Division, der Liga A, bekommt 1,5 Millionen Euro. „Die Einnahmen sind weniger interessant als bei der ­herkömmlichen Qualifikationsrunde, in der alle Verbände zugelost werden können“, sagte Paul Philipp. Für seine luxemburgische Mannschaft geht es an diesem Sonnabend mit einem Heimspiel gegen Moldawien los. Die weiteren Gegner sind Weißrussland und San Marino.

Etwa 1000 Dauerkarten für die Nations League seien verkauft, teilte der Verband mit. Die Arena in München wird beim Spiel gegen den Weltmeister an diesem Donnerstag mit 68 000 Zuschauern ausverkauft sein. Rainer Koch sagte: „Seien wir ehrlich, das hätten wir bei einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich nach der WM vielleicht nicht geschafft.“ Auch der DFB ist froh, wenn er die Hymne der Nations League hören wird.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...