Amateurfußball Fußballerische Herbstdepression

Das Wetter bereitet den Fußballertrainern aktuell Kopfzerbrechen. Sie bereiten sich auf Spiele vor, die doch abgesagt werden. Die Trainer aus dem Kreis Verden machen sich ihre Gedanken über die Lage.
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Von Patrick Hilmes und Florian Cordes

Herbst und Winter. Was bringen diese Jahreszeiten mit sich? Richtig: Kalte Temperaturen, Regen, ab und an auch Schnee und Frost. Was teils für eine schöne Landschaftskulisse sorgen kann, sorgt bei den Fußballern hingegen für viel Frust, so auch im Landkreis Verden. Am Sonnabend und Sonntag dürfte an Fußball kaum irgendwo zu denken sein, zumindest bei denen, die über keinen Kunstrasenplatz verfügen. Denn die Rasenplätze sind durchtränkt mit zig Litern Wasser, Halt wird auf diesen Feldern vergeblich gesucht. So wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch am Wochenende zu diversen Spielabsagen kommen. Die Vorbereitung auf die Partie – sofern sie denn auf den Plätzen überhaupt möglich ist und war – wäre erneut für die Katz.

Dies ist ein altbekanntes Lied und Leid unter den Fußballern, Trainern und Verantwortlichen, oft bereiten sie sich vergeblich auf eine Partie vor, verlegen private Termine und planen für den Sport. Altbekannt und dennoch immer wieder da. Und das stößt auf Unverständnis bei den Coaches, die im ersten Teil der Serie zum Thema Spielplan- und absagen zu Wort kommen.

TB Uphusen

Der Oberligist kann bereits mit einem punktspielfreien Wochenende planen, denn die Partie gegen den Heeslinger SC am Arenkamp wurde schon am Donnerstag offiziell als Ausfall deklariert. Inoffiziell stand dies bereits nach der Partie am Sonntag gegen Wunstorf fest, denn da wurde der Platz auf links gedreht. Trainer Fabrizio Muzzicato sagt zum Spielplan, er sei noch im Rahmen. „Es kommt immer auf den jeweiligen Platz an, was er an Regen verträgt. Daher sollte man bei Rasenplätzen nicht so weit im Voraus planen.“ Der letzte Spieltag des Jahres ist für das Wochenende 2./3. Dezember vorgesehen. Wäre es eine Idee, noch ein, zwei Wochen weiter zu spielen? „In Spanien würde ich sagen ja, in Deutschland ist das immer etwas schwierig, wobei der Dezember schon oft eher mild ist. Eine Überlegung wäre es.“ Doch er selbst beschäftigt sich derzeit wenig mit diesem Thema, da der TBU bereits seine 15 Spiele absolviert hat. Wäre Muzzicato allerdings Trainer des Heeslinger SC, würde die Sache anders ausschauen. „Dann hätte ich bestimmt auch einen richtigen Kopf.“ Denn der HSC stand lediglich elf Mal auf dem Platz.

TSV Etelsen

Dies fällt auch Andreas Preßel, Neu-Coach des Landesligisten, negativ auf. „Das verzerrt die Sachlage sehr und erst im April wird die Tabelle wieder geradegerückt.“ Zudem moniert er auch den gestückelten Spielplan, der durch die Absagen und Nachholspiele zustande kommt. Er würde, wie viele andere Trainer auch, mehr Kunstrasen im Landkreis befürworten. Doch er weiß auch, „dass das wohl erst mal nicht so kommt“. Die Schlossparkkicker sollen am Sonntag den TV Meckelfeld empfangen. Die Chancen, dass sie dies auch wirklich werden, stehen laut Preßel bei 50:50. „Wir schauen uns am Samstag noch mal den Platz an. Das Problem ist, dass das Grundwasser bereits so hoch ist und somit auch ein, zwei Tage weniger Regen nicht helfen.“ In Sachen Spielplan-Modifizierung sieht der Coach Probleme: „Im Sommer früher anzufangen dürfte aufgrund der Ferien schwierig werden.“

TSV Ottersberg

Der Trainer der Wümmekicker, Jan Fitschen, würde die Saison nicht früher beginnen, sondern viel mehr später enden lassen. „Die Begründung, die Saison wegen einer Europa- oder Weltmeisterschaft gleichzeitig mit der Bundesliga enden lassen zu müssen, verstehe ich nicht. Ich habe keine Nationalspieler, die ich abstellen muss.“ Der TSV Ottersberg hat bisher 13 Spiele in der Landesliga bestritten, beispielsweise der SV Teutonia Uelzen bereits 16 an der Zahl. Für die Grün-Weißen endet das Fußballjahr erst am 17. Dezember (auswärts beim SV Emmendorf). „Es ist jedes Jahr der gleiche Leim, der gleiche Fehler. Ich denke, es sind alle Parteien gewillt, etwas zu ändern, man müsste es nur mal tun. Aber ich kann den Verband auch verstehen, dass es schwierig ist.“ Theoretisch soll der TSV am Sonntag beim FC Eintracht Cuxhaven antreten. „Wir bereiten uns normal vor, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir spielen.“

TV Oyten

Zwar verfügt das Team von Axel Sammrey über den Luxus eines Kunstrasenplatzes, dennoch geht dem Coach der Spielplan gegen den Strich. „Ich sage schon seit Jahren, was soll eine Sommerpause? Das ist verschenkte Zeit. Beim schönsten Fußball-Wetter des Jahres wird kein Fußball gespielt. Klar, es ist auch mal wärmer, aber dann kann man ja später spielen.“ Der Bezirksliga-Coach plädiert für eine Revolution in Sachen Saisonplanung. „Ich bin dafür, wir spielen komplett von März bis November die Saison.“ Zudem moniert Sammrey, dass seine Mannschaft keine wirkliche Winterpause habe. „Bereits am 28. Januar haben wir wieder das erste Spiel. Mit der Vorbereitung und den Hallenturnieren dazwischen, ist die Pause dahin.“ Ob auch am Sonntag pausiert wird, steht noch aus. Die Oytener wären zu Gast beim TSV Bassen.

TSV Bassen

„Samstagnachmittag wird entschieden, ob wir spielen“, verrät Bassens Trainer Uwe Bischoff. Auch er äußert Kritik an dem Spielplan. „Nächste Saison sind es vielleicht 20 Mannschaften in der Bezirksliga. Wie soll das denn dann werden?“ Auch Bischoff sagt, es würden die guten Monate im Bezug auf das Wetter verschenkt. Zum Thema Ferien: „Ich habe keine Familienväter in der Mannschaft. Und auch wenn, es gibt immer welche, die im Urlaub sind, das ist jetzt auch so, wie man bei uns Anfang der Saison gesehen hat.“ Und Bischoff sieht auch in Sachen fußballerische Qualität Verbesserungspotenzial. „Jetzt gehst du raus und spielst in der Matsche. Das ist dann nicht der Fußball, der gespielt werden kann, so können wir unser Hobby nicht richtig ausüben.“

FC Verden 04

Auch Sascha Lindhorst kann all seinen Kollegen nur beipflichten. „Wenn das Wetter gut ist, spielen wir kein Fußball. EM und WM – was haben wir damit zu tun? Urlaubszeit beschränkt sich doch heutzutage nicht mehr auf die Ferien. Und die Spieler in den höheren Ligen haben kaum etwas mit Familie am Hut. Eine richtige Winterpause haben wir auch nicht.“ Und genau das fordert Verdens Trainer, er sei ein Freund von richtigen Unterbrechungen. „Bestimmte Gesichter muss man mal auch 'ne Zeit lang nicht sehen“, sagt er schmunzelnd. Ihm geht es darum, dass man abschalten müsse. Zudem müsse man sich im Winter wochenlang über ein Alternativ-Programm Gedanken machen, da nicht gespielt und trainiert werden könne, man sich aber dennoch auf die Partien vorbereiten müsse. Doch Lindhorst gibt auch zu bedenken: „Bisher habe ich mich aber auch noch nie hingesetzt und alles zu Ende gedacht und Vorschläge gemacht.“ Die Verdener haben aber einen Vorteil: Sie werden am Sonntag ihr Heimspiel gegen den ATSV Scharmbeckstotel auf dem Kunstrasenplatz austragen.

MTV Riede

Wenn es einen Fußballplatz im Kreis Verden gibt, der besonders wetteranfällig ist, dann ist es der am Rieder Segelhorst. Dennoch wird das Team von Coach Stephan Hotzan am Sonntag gegen den TuS Bothel wahrscheinlich spielen. „Es sei denn, es regnet noch einmal orkanmäßig“, meint der Coach. Allerdings müssen die Rieder wieder einmal nach Emtinghausen ausweichen. In Riede sei zurzeit nicht ans Fußballspielen zu denken, sagt Hotzan. „Es macht aktuell nicht viel Spaß, weil wir nicht richtig trainieren können. Wir müssen meist in die Halle ausweichen.“ Der Trainer habe den Eindruck, dass das Wetter in diesem Jahr besonders schlimm sei: „Gefühlt, regnet es seit dem Sommer durch.“ Und Hotzan befürchtet, dass das Ende der Fahnenstange in Sachen Spielabsagen noch nicht erreicht ist. „Es soll ja im Januar schon wieder weitergehen. Da sehe ich große Probleme auf uns zukommen. Im Januar und Februar muss man eigentlich kein Spiel ansetzen.“ Stephan Hotzan würde es durchaus begrüßen, wenn sich an der Planung des Spielplans etwas ändert. „Wir können mit den Partien gerne bis Mitte oder Ende Juni spielen. Da ist das Wetter meist gut und die Plätze schön“, sagt der Trainer.

SV Vorwärts Hülsen

Arg genervt von der momentanen Situation ist auch Hülsens Coach Ziad Leilo. Er kann mit seinem Team ebenfalls nicht wie gewünscht trainieren. Eine optimale Vorbereitung auf das angesetzte Auswärtsspiel gegen den SV Ippensen sei kaum möglich. „Am Samstag nehme ich noch einmal Kontakt zu Ippensen auf. Dann wissen wir, ob wir spielen“, sagt Leilo. Mitte der Woche seien die Plätze beim SVI aber noch gesperrt gewesen. Dass eine Spielplanveränderung alles besser machen würde, glaubt Leilo nicht. Besonders nicht, wenn Partien im Sommer während der Urlaubszeit angesetzt werden sollten. „Dann wird auch wieder gemeckert. Wahrscheinlich kann man es nicht allen recht machen“, findet Leilo. „Ich bin mir aber sicher, dass sich hinter den Kulissen viele Gedanken über die Problematik gemacht werden. Den Offiziellen kann man keine Schuld an den Ausfällen geben. Wir müssen halt hoffen, dass das Wetter mitspielt. Und in diesem Jahr haben wir halt Pech.“

FSV Langwedel-Völkersen

Ob seine Mannschaft an diesem Sonntag aufläuft, könne auch er nicht sagen, meint FSV-Trainer Dariusz Sztorc. Dennoch bereitet er sich mit seinem Team auf das Auswärtsspiel gegen den FC Hambergen vor. Sofern dies überhaupt möglich ist. Für ihn als Amateurtrainer sei es eine große Herausforderung, seine Mannschaft bei den derzeitigen Umständen für das Training zu motivieren. „Am Donnerstag konnten wir nur auf einem Viertel des Platzes trainieren“, bedauert Sztorc. „Das ist eine absolute Katastrophe.“ Als „Unding“ bezeichnet der Coach zudem die Ansetzung bereits ausgefallener Spiele. Sein FSV soll am 17. Dezember gegen den FC Verden auflaufen. „Auf uns wird so noch mehr Druck aufgebaut. Aber ich frage mich, wie wir das stemmen sollen.“

Somit bleibt der Spielplan ein großer Diskussionspunkt, der noch größer wird. Denn noch ist lediglich November, der schlimmste Monat in Sachen Spielabsagen kommt erst noch, der Februar.

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