Leichtathletik Gebremst unterm Dach - Volldampf bei EM

Düsseldorf. Gebremster Elan in der Halle und Volldampf bei den Freiluft-Europameisterschaften: Die deutschen Leichtathleten wollen den bei der Heim-WM in Berlin eingeleiteten Aufschwung im EM-Jahr fortsetzen.
27.01.2010, 11:30
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Düsseldorf. Gebremster Elan in der Halle und Volldampf bei den Freiluft-Europameisterschaften: Die deutschen Leichtathleten wollen den bei der Heim-WM in Berlin eingeleiteten Aufschwung im EM-Jahr fortsetzen.

«Man kann erkennen, dass die WM bei Athleten und Trainern eine große Motivation erzeugt hat. Da ist Selbstbewusstsein vorhanden», sagte Thomas Kurschilgen, der neue Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Er hat Verständnis dafür, dass es eine Reihe von Top-Athleten gibt, die unter dem Hallendach nicht oder nur reduziert starten. «Nach der dreijährigen Belastung durch WM 2007, Olympia 2008 und der Heim-WM in Berlin 2009 geht es auch um Rehabilitation», sagte er. Einige Athleten stellen schulische und berufliche Dinge in den Mittelpunkt. Dennoch dürfe man es in der Halle nicht zu sehr schleifen lassen. «Wer in der Hallen-Saison nicht so gut ist, wird es im Sommer schwerer haben», meint Kurschilgen. Die Hallen-WM 2008 in Valencia, von der man ohne Medaille abreiste, sei ein Negativbeispiel: Wenige Monate später erlebten die DLV-Asse bei den Olympischen Spielen in Peking mit nur einmal Bronze ein Debakel.

Deshalb will der DLV mit Blick auf die EM in Barcelona (27. Juli bis 1. August) die Athleten für die Hallen-WM im März in Doha (Katar) in die Pflicht nehmen. «Wer nominiert wird, sollte an seine Bestleistung heranreichen. Es sollte keinen Mitnahmeeffekt geben», erklärte Kurschilgen. Nach dem vergangenen Wochenende hatten schon acht deutsche Athleten die Norm erfüllt, darunter die WM-Dritte im Hochsprung, Ariane Friedrich. Für die Hallen-WM erwartet der DLV eine Teamstärke von bis zu maximal 20 Startern. Dabei werden nicht alle der je 13 Disziplinen für Frauen und Männer besetzt. Mehrkämpfer sowie Mittel- und Langstreckenläufer werden nicht nach Doha fliegen.

Die große Bewährungsprobe von Sportdirektor Kurschilgen sowie der Cheftrainer Herbert Czingon und Rüdiger Harksen wird aber Barcelona sein. «Die EM hat einen sehr hohen Stellenwert», sagt Kurschilgen. Schließlich gilt es, im Jahr eins nach Berlin, wo neun WM-Medaillen gewonnen wurden, den Aufwärtstrend zu bestätigen und an die zehn EM-Plaketten von 2006 in Göteborg heranzukommen.

Junge Athleten wie Ariane Friedrich, Jennifer Oeser (Siebenkampf), Betty Heidler (Hammerwurf), Raul Spank (Hochsprung) und Sebastian Bayer (Weitsprung) präsentieren inzwischen einen neuen Athletentypus und stehen für den vollzogenen Generationswechsel. «Sie bilden eine neue Nationalmannschaft», erklärt Kurschilgen.

Stützen wird er sich auf die «Doppelspitze» Czingon/Harksen. «Bis zu den Olympischen Spielen 2012 wird die Trainerstruktur fortgeführt, wobei die beiden Cheftrainer deutlich mehr Verantwortung erhalten», kündigte Kurschilgen an. Für die Zeit bis zu den London-Spielen soll eine Strategie entwickelt werden, um einen Olympia-Absturz wie 2008 in Peking zu verhindern. «Wir werden noch zu analysieren haben, warum die WM-Ergebnisse jeweils in dem Jahr vor den Olympischen Spielen 2004 und 2008 nicht adäquat transportiert wurden.» (dpa)

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