Der Großenkneter Werner Schaar spielte einst beim TSR Olympia Wilhelmshaven – und trainiert noch heute regelmäßig mit Hans-Jörg Butt Geburtshelfer der Zweiten Liga

Die 2. Fußball-Bundesliga feiert in dieser Saison ihr 40-jähriges Bestehen. Werner Schaar war dabei, als alles begann. Mit dem TSR Olympia Wilhelmshaven lief der Großenkneter im Hamburger Millerntor-Stadion und im damals gerade erst neu gebauten Westfalenstadion auf. Später trainierte der heute 65-Jährige den TuS Heidkrug. Damals fragte Schaar seinen Nachbarsjungen Hans-Jörg Butt, ob er nicht nach Delmenhorst wechseln wolle – allerdings nur scherzhaft.
29.03.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kim Patrick Puhlmann

Die 2. Fußball-Bundesliga feiert in dieser Saison ihr 40-jähriges Bestehen. Werner Schaar war dabei, als alles begann. Mit dem TSR Olympia Wilhelmshaven lief der Großenkneter im Hamburger Millerntor-Stadion und im damals gerade erst neu gebauten Westfalenstadion auf. Später trainierte der heute 65-Jährige den TuS Heidkrug. Damals fragte Schaar seinen Nachbarsjungen Hans-Jörg Butt, ob er nicht nach Delmenhorst wechseln wolle – allerdings nur scherzhaft.

Werner Schaar erinnert sich an diesen Tag, als wäre es gestern gewesen: Die Mannschaft des TSR Olympia Wilhelmshaven verlässt im Bus den Parkplatz des Müngersdorfer Stadions. Plötzlich ein lautes Krachen. Kurze Zeit später wieder. Immer mehr Backsteine treffen den Bus des Auswärtsteams. Die Anhänger des 1. FC Köln sind für die Attacke verantwortlich, obwohl sich ihr Verein gerade in der ersten Runde des Deutschen Fußball-Pokals mit 1:0 durchgesetzt hat.

„Denen war egal, dass sie gewonnen haben“, beschreibt Werner Schaar, der damals für den TSR stürmte. Trotz der Backsteinwürfe bezeichnet der 65-Jährige das Spiel in Köln als seine interessanteste Erfahrung: „Vor 18 000 Zuschauern gegen einen Erstligisten zu spielen, war schon unglaublich.“ 40 Jahre liegt diese Partie nun zurück. Und vor fast genau vier Jahrzehnten wurde auch die 2. Bundesliga gegründet. Bei der Geburtsstunde der vermeintlich stärksten zweiten Fußball-Klasse Europas war Werner Schaar mit seinem TSR Olympia Wilhelmshaven dabei.

Premierensaison als „Testphase“

„Damals habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass die 2. Bundesliga so attraktiv wird“, erklärt der gebürtige Auricher, der seit 28 Jahren in Großenkneten lebt. „Wir befanden uns lediglich in einer Testphase.“ Während der Premierensaison spielte Werner Schaar gegen Mannschaften wie den FC St. Pauli, Hannover 96, VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund. Der gelernte Stürmer erzielte in 23 Spielen ein Tor. Stammspieler war der ehemalige Berufssoldat allerdings nicht. Das lag aber weniger an seiner Leistung. „In meinem Beruf konnte ich nicht einfach mal eben zum Training. Als Fußballspieler verdiente man noch recht wenig“, erklärt Schaar.

Möglichkeiten, mehr Geld einzustreichen, hatte er: Die damaligen Erstligisten Eintracht Frankfurt und Alemannia Aachen wurden auf den schnellen Offensivspieler aufmerksam. „Aber als Ostfriese war ich sehr vorsichtig. Ich hätte meinen Job als Berufssoldat aufgeben müssen, und wenn ich mich verletzt hätte, wäre das wahrscheinlich nicht gut geendet“, erinnert er sich.

Nach nur einer Saison stieg Schaar mit seinem Team wieder ab. Den Wilhelmshavenern fehlten lediglich zwei Punkte zum Klassenerhalt. Eine Spielzeit stürmte er noch für den Absteiger in der Amateuroberliga Nord. Danach verschlug es ihn in die Kreisklasse zum VfL Ockenhausen. „Auch wenn die Mannschaft ein paar Ligen tiefer spielte – es war die schönste Zeit meiner Fußballkarriere“, gerät der 65-Jährige ins Schwärmen. Rein sportlich gelang ihm mit der Mannschaft tatsächlich ein kleines Wunder: In sechs Saisons stieg der VfL sechs Mal auf – bis in die Landesliga. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte Werner Schaar noch länger dort gespielt. Allerdings wurde er als Berufssoldat nach Beja in Portugal versetzt.

Ganz ohne Fußball ging es auch im Ausland nicht. „Ich war Spieler und Trainer der Bundeswehrauswahl“, erzählt Schaar. Nach der Zeit in Portugal sollte allerdings endgültig Schluss mit dem Fußball sein – die Schuhe hingen in der Garage bereits am Nagel. „Kaum aus dem Flieger ausgestiegen, kribbelte es aber wieder.“ Und so schloss er sich der Altherrenmannschaft des TSV Großenkneten an. Friedel Gerke von der SG Achim fiel der Ostfriese nur kurze Zeit später auf. Er bat den dribbelstarken Stürmer, für seine Mannschaft aufzulaufen. Werner Schaar musste nicht lange überlegen und sagte zu. Noch heute spielt er für die Ü60-Mannschaft der Achimer.

Auch als Trainer engagierte sich der 65-Jährige. Zum Beispiel beim TuS Heidkrug, den er von 1988 bis 1989 in der Landesliga betreute. Damals fragte Schaar einen Nachbarsjungen scherzhaft, ob er nicht nach Heidkrug wechseln wolle. „Ich hatte ihm im Spaß gesagt, dass wir aus ihm einen Nationalspieler machen“, erzählt der Fußball-Verrückte. Schaar grinst dabei, denn die Rede ist von Hans-Jörg Butt. Der spätere Deutsche Meister, Pokalsieger und WM-Dritte spielte damals für die Jugendmannschaft des TSV Großenkneten. „Ich weiß noch genau, wie Hans-Jörg mit seinem Bruder Henning immer den Ball gegen mein Garagentor knallte. Ich kenne ihn, seitdem er ein kleiner Junge ist“, berichtet Schaar und fügt hinzu: „Natürlich war der Spruch mit dem Nationalspieler nicht ernst gemeint. Im Nachhinein ist das aber eine witzige Situation gewesen.“

Butt wechselte nie nach Heidkrug, wenige Jahre später schloss er sich stattdessen dem VfB Oldenburg an, um 1997 in die Bundesliga zum Hamburger SV zu gehen. Mittlerweile hat der Torwart seine Profikarriere beendet. Werner Schaar und Butt haben sich seit den 80er-Jahren nie aus den Augen verloren. Heute trainieren die beiden fast jeden Dienstag noch zusammen in Großenkneten.

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