Leon Kahle ist das größte Schwimmtalent im Kreis – eine Profilaufbahn kommt jedoch nicht in Frage Geerdet durchs Wasser

Er ist ein echter Tausendsassa – und will auf die sportliche Abwechselung in seinem Leben auch nicht verzichten. Damit dürfte Leon Kahle vom TV Hambergen zwar eine durchaus realistisch erscheinende Profilaufbahn im Schwimmen verpassen, doch Erfolg ist für den jungen Mann eben längst nicht alles.
16.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von JAN-HENRIK GANTZKOW

Er ist ein echter Tausendsassa – und will auf die sportliche Abwechselung in seinem Leben auch nicht verzichten. Damit dürfte Leon Kahle vom TV Hambergen zwar eine durchaus realistisch erscheinende Profilaufbahn im Schwimmen verpassen, doch Erfolg ist für den jungen Mann eben längst nicht alles.

Elegant gleitet er durch das beleuchtete Becken des Hamberger Schwimmbads, mit kraftvollen Kraulbewegungen zieht er seine Bahnen und schwimmt seinen Trainingspartnern scheinbar spielend davon: Die Rede ist vom erst 13-jährigen Leon Kahle, dem momentanen Vorzeigeschwimmer auf Kreisebene.

Doch auch außerhalb des Schwimmbeckens macht der Gymnasiast eine gute Figur: Bescheiden und sympathisch tritt Leon Kahle auf, der sich nicht nur sportlich von den meisten seiner Altersgenossen abhebt: Sage und schreibe 1,86 Meter ist der Achtklässler bereits groß und damit mindestens einen Kopf größer als der Großteil seiner Konkurrenten. Die Frage nach seinen größten Stärken lässt sich deshalb relativ leicht beantworten: „Durch meine Größe habe ich auch ziemlich viel Kraft. Die hilft vor allem beim Rückenschwimmen und ist schon ein Vorteil“, erklärt Kahle.

Doch wer denkt, dass der stärkste Schwimmer des Landkreises Osterholz aus einer Schwimmdynastie stammt oder sich schon in frühen Kindheitstagen für den Schwimmsport entschieden hat, der irrt gewaltig: Vielmehr testete der sportbegeisterte Junge schon so ziemlich jede Sportart aus: „Bis auf Bodenturnen, habe ich fast alles ausprobiert“, sagt Kahle augenzwinkernd über seine schon jetzt bewegte Laufbahn. Das erste Mal kam er bereits 2010 mit dem TV Hambergen in Berührung: Wegen seines Kumpels, dem ebenfalls erfolgreichen Schwimmer Jonas Gambalat, begann auch er das Training, um die Badehose aber nach kurzer Zeit erst mal wieder an den Nagel zu hängen. „Da habe ich noch beim VSK Fußball gespielt und hatte mehr Lust zu kicken“, nennt Leon Kahle die damaligen Beweggründe für seine Entscheidung gegen den Schwimmsport.

Da es aber zwischenmenschlich mit einem Trainer nicht so passte, fand er über einen kleinen Umweg (Tennis) alsbald doch noch den Weg zurück ins Hamberger Schwimmbecken – Zur großen Freude seines Trainers Jens Klusmann. „Leon ist ein super Junge. Total talentiert, ehrgeizig und freundlich“, beschreibt der erfahrene Übungsleiter seinen Schützling. Nachdem er am Anfang noch viel Lehrgeld zahlte, machte Kahle Mitte 2012 körperlich einen großen Sprung – und die ersten Erfolge stellten sich ein.

Ein Grund, warum er mittlerweile nicht nur auf Kreisebene reihenweise Top-Leistungen zeigt, ist neben seiner Konstitution auch sein Fleiß: „Zusätzlich zu den zwei Einheiten, die wir pro Woche anbieten, trainiert Leon auch noch bei der DLRG“, sagt Klusmann. Für den glühenden Anhänger von Borussia Dortmund, der sich im Sommer sehr über die Rückkehr seines Idols Shinji Kagawa freute, bedeuten die vielen Stunden im Wasser aber keine Belastung. Im Gegenteil: „Für mich ist das Schwimmen ein guter Ausgleich und eine Möglichkeit den Schulstress abzubauen“, erklärt Kahle. Außerdem sei das DLRG-Training eher auf Rettung und Hilfe ausgelegt und daher eine willkommene Abwechslung zur Jagd auf Rekordzeiten.

Bei dieser Jagd war Kahle in letzter Zeit sehr erfolgreich und stellte bei den Landesmeisterschaften in Hannover persönliche Bestleistungen in allen Disziplinen auf. Dennoch reichte es für den 100-Meter-Brust-Bezirksmeister nicht zu einer Top-Ten-Platzierung auf Landesebene: „Die Konkurrenz aus den Schwimmhochburgen wie Hannover trainiert in einem ganz anderen Umfang. Das können wir in Hambergen nicht leisten. Vom Potenzial hätte Leon alle Möglichkeiten“, sagt Kahles Trainer. Und auch der Schwimm-Shootingstar stößt ins selbe Horn: „Gerade bei den letzten Landesmeisterschaften habe ich gemerkt, dass mit mehr Training noch viel mehr möglich wäre“. Muss der TV Hambergen also den Weggang eines seiner größten Talente der letzten Jahre befürchten?

Nein. Denn Leon Kahle mag das Gefühl des Sieges zwar sehr, noch lieber ist dem groß gewachsenen Teenager aber seine Freiheit: „Es ist super, so wie es ist. Mir macht Schwimmen richtig viel Spaß, aber auf meine Freizeit und meine Freunde möchte ich auf keinen Fall verzichten“. Eine Karriere als Profisportler kommt für Kahle, der insbesondere in den Naturwissenschaften mit guten Noten glänzt, deshalb sowieso nicht in Frage. Stattdessen blickt er bei seinem Berufswunsch über den sportlichen Tellerrand hinaus: „Ich will schon lange Polizist werden und den Menschen helfen“.

Auch eine totale Fixierung auf einen einzelnen Sport würde dem Allroundtalent sicher schwerfallen, hat er doch gerade erst seine Leidenschaft für den Basketball entdeckt: In der Jugend des VSK Osterholz-Scharmbeck sorgt er seit Kurzem als Center für Alarm unter den Körben. Dabei ist ihm vor allem eins besonders wichtig: „Beim Schwimmen hat man zwar auch Freunde und gelegentlich Teamwettbewerbe, es ist und bleibt aber ein Einzelsport. Beim Basketball gewinnst du mit der ganzen Mannschaft, das ist cool.“

Wenn sich Spiele und Training überschneiden, würde er sich momentan aber noch für den Schwimmsport entscheiden, gibt Kahle zu. Worte, die auch seinen Trainer Jens Klusmann freuen werden, will das Erfolgsduo in naher Zukunft doch noch so einige Ziele erreichen: „Wir wollen Leons Anschlagtechnik deutlich verbessern, damit bei den nächsten Landesmeisterschaften eine Top-Ten-Platzierung herausspringt“.

Leon Kahle nickt zustimmend, fügt an, dass er auch noch die 50 Meter unter 30 Sekunden schwimmen möchte und stürzt sich kurz darauf wieder ins Wasser um seine Bahnen zu ziehen. Der sportliche Werdegang des talentierten Schwimmers wird sicher auch in den nächsten Jahren interessant zu beobachten sein. Und wer weiß, vielleicht probiert er sich nach seiner Schwimmkarriere doch noch irgendwann einmal im Bodenturnen aus.

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