Fußball

Gegeneinander statt miteinander

Die befreundeten Trainer Lutz Schröder und Sven Helms trafen im Derby aufeinander. Das Gefühl kannten sie vorher noch nicht.
18.11.2019, 14:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Hermann

Okel. Das Nachbarschaftsderby der Fußball-Bezirksliga zwischen dem TSV Okel und dem TuS Sudweyhe bot am vergangenen Sonntag eine Konstellation, die für zwei der beteiligten Coaches sicherlich ungewöhnlich war. Erstmals traten Lutz Schröder, der gemeinsam mit Rico Volkmann für den TSV Okel verantwortlich ist, und Sven Helms, der mit Benjamin Jacobeit die Geschicke beim TuS Sudweyhe leitet, in ihren mittlerweile langjährigen Laufbahnen als verantwortliche Personen an der Seitenlinie gegeneinander an. Ungewöhnlich deshalb, weil die beiden befreundeten Übungsleiter bislang nur ein Miteinander kannten.

Seit ihre Söhne Dominik, Filius von Lutz Schröder, sowie Bastian, der Sohnemann von Sven Helms, vor gut zwanzig Jahren das erste Mal zusammen in der F-Jugend des TuS Sudweyhe dem runden Leder hinterherjagten, kennen sich ihre Väter. Mittlerweile spielen die beiden Mitzwanziger längst im Herrenbereich, Bastian seit Saisonbeginn beim niedersächsischen Oberligisten Heeslinger SC, Dominik beim Diepholzer Kreisligisten TSV Bramstedt. Mit Calvin Helms steht ein weiterer Sohn von Sven Helms im Kader des TuS Sudweyhe. Dass ihre Väter an diesem 18. Spieltag der Bezirksliga gegeneinander antreten würden, war zu Beginn der Saison noch nicht absehbar. Zwar stieg Schröder mit seinem TSV Okel von der Kreis- in die Bezirksliga und damit in die Staffel auf, in der der TuS Sudweyhe beheimatet ist, doch bei denen hatte zu Saisonbeginn noch Trainer Christian Mach das Traineramt inne. Erst, als dieser im Laufe der Saison nach einer Durststrecke von seinem Posten zurücktrat, kam Sven Helms ins Spiel. Gemeinsam mit Benjamin Jacobeit übernahm er das Team in der prekären Situation. Seitdem ist der TuS Sudweyhe in den bislang neun Auftritten unter der neuen Regie ungeschlagen. Sieben Siege und zwei Remis stehen seitdem zu Buche. Die zweite Punkteteilung der imposanten Serie erfolgte jetzt beim Derby in Okel. 1:1 trennten sich beide Mannschaften nach emotionalen und sehr intensiven 94 Derbyminuten. Ein Remis, mit dem sowohl Lutz Schröder als auch Sven Helms, die sich beide nach dem Schlusspfiff auf dem Platz umarmten, sehr gut leben konnten. Noch im Hinspiel hatten die Sudweyher klar dominiert und die Okeler mussten mit einer empfindlichen 1:8-Schlappe die Heimreise antreten.

Im Kontakt stehen die beiden Freunde eigentlich ständig. Sie unternehmen viel gemeinsam, feiern Geburtstage zusammen. Und auch auf der Anlage des TuS Sudweyhe laufen sie sich ständig über den Weg. Wenn Sven Helms mit der Herrenmannschaft trainiert, absolvieren auch die von Lutz Schröder und Andreas Weger gecoachten Landesliga-A-Junioren des TuS Sudweyhe ihre Übungseinheiten. Neben den Trainerjobs als Coach der A-Junioren und des TSV Okel agiert der vielbeschäftigte Lutz Schröder auch noch als Jugend-Koordinator bei den Grün-Weißen. Normal also, dass Lutz Schröder und Sven Helms ständig in Kontakt sind. "Uns verbindet sehr viel", erzählte Lutz Schröder. "Für mich und Benjamin war die Aufgabe in der Bezirksliga Neuland. Da hab ich mich logischerweise oft mit Lutz, der die Liga aus dem Effeff kennt, über kommende Gegner ausgetauscht", verriet Sven Helms. Doch wie war das in der Woche vor dem emotionsgeladenen Nachbarschaftsduell? Es gab tatsächlich Kontakt. Ich habe Lutz eine WhatsApp-Nachricht geschickt. Darin habe ich gefragt, ob er mir Informationen über den nächsten Gegner und deren Spieler zukommen lassen könnte. Natürlich war die Nachricht mit einem Augenzwinker- und Lachsmiley versehen", lachte Sven Helms während der Schilderung des nicht ganz ernst gemeinten Inhalts. "Ich war von der Anfrage schon überrascht. Ich habe in der Woche vor dem Spiel versucht, nicht allzu viel Kontakt aufkommen zu lassen und habe versucht, etwaigen Aufeinandertreffen aus dem Weg zu gehen", entgegnete auch Lutz Schröder mit viel Humor.

Beide Seiten respektieren sich, denn beide Teams entwickelten sich im Laufe der Saison absolut positiv. Die Sudweyher legten seit dem Trainerwechsel eine imposante Siegesserie hin, Neuling Okel stellte mittlerweile den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze her. „Überrascht war ich nicht. Wir wussten, was uns in Okel erwartet. Das ist hier ein Hexenkessel und die Okeler sind sehr heimstark. Wir hatten im Laufe der Saison schon einfachere Gegner gehabt. Die Mannschaft hat das gut gemeistert, konnte in dieser hitzigen Atmosphäre die Ruhe und Ordnung halten“, lobte Sven Helms. „Diese Emotionalität macht Okel aus. Ich bin sehr stolz auf meine Elf. Sie hat viel Kampf und Leidenschaft in dieses Spiel hereingelegt, immer wieder Pressing-Situationen hergestellt und auch mal wieder gezeigt, dass sie Fußball spielen kann. Das war ein hochinteressantes Spiel. Wir haben gezeigt, dass wir die Großen ärgern und mithalten können“, bilanzierte Lutz Schröder. Nachdem jetzt auch das zweite Derby Geschichte ist, dürfte der Informationsaustausch zwischen den beiden Freunden nun auch wieder regelmäßig erfolgen.

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