Handballtrainer der Region setzen im Tor auf unterschiedliche Typen, die sich ergänzen und gut verstehen sollen Gegensätze ziehen sich an

Sie springen knallharten Würfen aus kürzester Distanz entgegen und dürfen nicht einmal zucken, wenn der gegnerische Rückraumriese den Ball mit unbändiger Wucht in ihre Richtung schleudert. Handballtorhüter bekleiden eine besonders wichtige, aber auch besonders anspruchsvolle Position. Einige Schlussmänner leben dabei ihre Emotionen auf dem Feld aus, andere sind eher in sich gekehrt. Bei den Handballteams der Region findet man zwischen den Pfosten ganz unterschiedliche Charaktere.
28.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gunnar Schäfer

Sie springen knallharten Würfen aus kürzester Distanz entgegen und dürfen nicht einmal zucken, wenn der gegnerische Rückraumriese den Ball mit unbändiger Wucht in ihre Richtung schleudert. Handballtorhüter bekleiden eine besonders wichtige, aber auch besonders anspruchsvolle Position. Einige Schlussmänner leben dabei ihre Emotionen auf dem Feld aus, andere sind eher in sich gekehrt. Bei den Handballteams der Region findet man zwischen den Pfosten ganz unterschiedliche Charaktere.

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft zwar in der Hauptrunde ausgeschieden und hat ihre Olympia-Chancen verspielt, doch das Torhütergespann zählte zu den Lichtblicken in der Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger. Die beiden Schlussmänner Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) und Carsten Lichtlein (TBV Lemgo) verkörpern ganz unterschiedliche Torwarttypen. Der 30-jährige Lichtlein gilt als ruhig und in sich gekehrt, während der drei Jahre jüngere Heinevetter häufig impulsiv reagiert und seinen Emotionen freien Lauf lässt.

Dass die Maßgabe "Gegensätze ziehen sich an" insbesondere für die Torhüterposition gilt, findet auch Andre Haake, der Spielertrainer des Landesligisten HSG Delmenhorst. "Ich brauche zwei unterschiedliche Typen, damit sich der Gegner nicht auf sie einstellen kann. Dabei muss es aber auch menschlich passen", erklärt er. Haakes Nummer eins Mirko Lettmann ist ein ähnlicher Typ wie Lichtlein. Perfekt zu ihm passen würde daher jemand, der so unorthodox hält wie Heinevetter, findet Haake.

Ähnliche Ansichten hat Frank Mehrings. Der Trainer des Verbandsligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg hat in Jan-Dirk Alfs, Arne Klostermann und Sascha Dellwo zurzeit ein Trio für die Position zwischen den Pfosten zur Verfügung. Um das Training der Drei kümmert sich Torwarttrainer Manfred Meyer, in der Spielklasse eher die Ausnahme. "Man braucht unterschiedliche Typen, aber auch der gegenseitige Respekt ist für mich sehr wichtig. Die Torhüter, die nicht spielen, sollten sich für ihren Kameraden im Tor freuen, wenn der gute Leistungen zeigt", sagt Mehrings. Die Entscheidung, wer aufläuft, überlässt er häufig seinem Torwarttrainer Meyer.

Auch Dag Rieken, der Trainer des TV Neerstedt, hat einen Assistenten, der sich speziell um die Schlussleute kümmert. Beim Oberligisten übernimmt Michael Schäfer die Aufgabe. Er arbeitet mit zwei Torhütern, die erst seit Kurzem im Verein sind. Nachdem zu Saisonbeginn die klare Nummer eins Maik Haverkamp zum VfL Edewecht gewechselt war, kamen Olaf Sawicki (vorher HSG Barnstorf/Diepholz) und André Hoffmann (vorher SG WIFT Neumünster) nach Neerstedt. Der 23-jährige Sawicki und der 21-jährige Hoffmann sind beide noch jung und freuen sich, dass sie von der Erfahrung ihres 38-jährigen Torwarttrainers Schäfer profitieren können. "Michael tut uns gut, denn er arbeitet mit uns an unseren Stärken und versucht, die Schwächen auszumerzen", sagt Sawicki.

Der Student ist ein Torhüter, der auf dem Feld seine Emotionen auslebt. Das war zuletzt beim Derby-Sieg über die TSG Hatten-Sandkrug zu sehen: Sawicki hielt überragend, motivierte sich immer wieder selbst und lieferte sich das ein oder andere Wortgefecht mit dem gegnerischen Halbrechten Björn Schilke. "Emotionen gehören für mich zum Sport. Nach dem Spiel gibt man sich die Hand, und alles ist vergessen", erzählt Sawicki. Allerdings sind es gerade die großen Emotionen, die Torwart-Trainer Schäfer bei seinem Schützling nicht gerne sieht. "Die Torhüter sollen sich im Spiel auf ihre Leistung konzentrieren. Zu viele Emotionen bringen sie nur aus dem Konzept", findet der ehemalige Torwart der TSG Hatten-Sandkrug, der 2001 aufgrund von Rückenproblemen seine Karriere beendete.

Im Training legt Schäfer Wert darauf, das Stellungsspiel und das Auge für Spielsituationen zu schulen. Dabei setzt er neben Medizinbällen und Hütchen auch auf Gespräche mit seinen jungen Schützlingen. Durch die Übungen mit Schäfer hat das Torhüter-Gespann Sawicki/Hoffmann, das sich auch privat gut versteht, einen großen Vorteil gegenüber manch einem Konkurrenten. Denn bei vielen Vereinen wird die Torhüterposition eher stiefmütterlich behandelt. Gezieltes Training gibt es nicht überall. Dabei hat gerade die Europameisterschaft wieder einmal bewiesen, welch wichtige Rolle die Männer zwischen den Pfosten im Handball spielen.

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