Kommentar über Fußball

Kein Jubelschrei für Bundesliga-Neustart

Die Liga legt wieder los, noch im Mai wird die Saison fortgesetzt. Aber der deutsche Profi-Fußball hat in den letzten Wochen schweren Schaden genommen, meint Mathias Sonnenberg.
07.05.2020, 06:00
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Kein Jubelschrei für Bundesliga-Neustart
Von Mathias Sonnenberg
Kein Jubelschrei für Bundesliga-Neustart

Fußball ja, Fans nein: Die Politik hat beschlossen, dass die Bundesliga wieder spielen darf.

Rolf Vennenbernd/dpa

Die Nachricht an sich war keine Überraschung mehr: Ja, die Fußball-Bundesliga wird fortgesetzt, die Ränge in den Stadien aber bleiben leer. Und obwohl in dieser Woche das Live-Video eines Fußballers aus einer Berliner Spielerkabine offenbarte, wie hohlköpfig in der Branche trotz aller Vorschriften mit Hygiene- und Abstandsregeln umgegangen wird, bleibt festzuhalten: Es ist richtig, dass der Fußball wieder seinen Betrieb aufnimmt. Wenn das gesellschaftliche Leben wieder Fahrt aufnimmt und Sport im Allgemeinen mehr und mehr erlaubt wird, darf der Profi-Fußball nicht außen vor bleiben.

Der Weg zu diesem Beschluss aber war steinig. Und offenbarte das Selbstverständnis vieler Menschen in diesem Geschäft, das da lautet: Fußball ist die wichtigste Sache der Welt – ganz egal, was sich sonst auf diesem Planeten gerade so abspielt. Der Druck, den Vereine und Funktionäre zeitweise aufbauten, war unerträglich. Von Insolvenzen war die Rede, nur weil TV-Gelder verspätetet ausgezahlt werden sollten. Dass Wirtschaftsunternehmen derart auf Kante genäht sind, ist unfassbar und muss Konsequenzen für künftige Lizenzierungsverfahren haben. Der Fußball, der jedes Jahr bei vermeldeten Umsatzrekorden praktisch platzt vor Stolz, muss eben auch professionell haushalten wie ein Wirtschaftsunternehmen.

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Fußballer wurden von ihren Vereinen gefeiert, weil sie auf Gehalt verzichteten – alles natürlich freiwillig. Als ob das wirklich jemand ernsthaft geglaubt hätte. Der öffentliche Verzicht kam daher wie eine peinliche Inszenierung, die Millionen Menschen, die durch Kurzarbeit an Gehalt einbüßen, die Zornesröte in die Gesichter treibt.

Denn auch wenn die Liga jetzt mit sogenannten Geisterspielen die Saison beenden und bereits eingeplantes Geld einnehmen wird, hat der Profi-Fußball schweren Schaden genommen. Weil er sich zu wichtig nimmt. Und weil er Sonderrechte mithilfe von Schreckensszenarien quasi schon einforderte, als ganz Deutschland noch in der eigenen Wohnung hocken sollte, und die Polizei Menschen von der Wiese holte, nur weil das Abstandsgebot nicht eingehalten wurde.

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Einen Jubelschrei hat der Beschluss, dass der Ball jetzt wieder offiziell rollen darf, unter den Fußball-Fans aber ganz sicher nicht ausgelöst. Okay, ein bisschen Abwechslung tut gut. Aber Spiele ohne Zuschauer braucht eigentlich kein Mensch. Sie helfen lediglich, den Laden langfristig am Laufen zu halten.

Denn es geht ja nicht nur um die Fußballer, sondern auch um die 56 000 Menschen, die in den deutschen Profi-Vereinen arbeiten. Ob sich der Wunsch nach einer Regulierung des überhitzten Fußball-Marktes erfüllt, bleibt offen. Es ist zu befürchten, dass sich das Wettbieten um Fußballer schnell wieder hochschaukelt. Und dass mit Geldern hantiert wird, die noch gar nicht geflossen sind.

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