Handball-Oberliga Frauen Geldstrafe für TuS Jahn Hollenstedt

Der Handball-Verband Niedersachsen hat nach den Vorfällen beim Auswärtsspiel der HSG Hude/Falkenburg reagiert. Für HSG-Coach Lars Osterloh ist das Urteil zu milde. Der TuS wehrt sich gegen die Vorwürfe.
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Geldstrafe für TuS Jahn Hollenstedt
Von Justus Seebade

Es ist ein Vorfall, der bei Lars Osterloh nach wie vor für Fassungslosigkeit sorgt. Die Rede ist von der Partie seiner HSG Hude/Falkenburg beim TuS Jahn Hollenstedt, bei der das Sportliche in den Hintergrund geriet. Das Duell in der Handball-Oberliga der Frauen, das die Gäste mit 30:32 verloren, wurde vom Verhalten einiger Heimfans überschattet. Den Schilderungen der HSG zufolge hatten diese die Huderinnen während der Partie permanent beleidigt und beschimpft. Negativer Höhepunkt war, dass die Osterloh-Damen während einer Auszeit von der Tribüne aus mit Bier bespritzt wurden.

Nach der Partie hatte Osterloh angekündigt, einen Sonderbericht zum Spiel zu verfassen. Das hat der HSG-Coach auch getan. Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) hat nun darauf reagiert – für Osterloh auf nicht zufriedenstellende Weise. „Wir haben dieses Thema während der letzten Spielausschusssitzung des HVN gemeinsam mit den beiden Vereinsvertretern besprochen und sind zum Ergebnis gekommen, den Heimverein wegen mangelndem Ordnungsdienst mit einer empfindlichen Geldbuße zu bestrafen. Zusätzlich werden wir zum nächsten Heimspiel eine kostenpflichtige Aufsicht nach Hollenstedt entsenden, die sich vor Ort ein Bild rund um das Spiel inklusive Zuschauern machen wird“, heißt es in der Antwort des Verbands, die dem DELMENHORSTER KURIER schriftlich vorliegt. Eine Umwertung des Spiels stehe nicht zur Debatte, da man dafür keine rechtliche Grundlage erkennen könne. Genau das hätte sich Osterloh aber gewünscht. „Die Geldstrafe tut dem Verein vielleicht ein bisschen weh, aber mit einem Punktabzug hätte man ein deutlicheres Zeichen setzen können“, meint der Huder Trainer.

Ob man das Urteil nun in der Form annehme, stehe noch nicht fest. Diesbezüglich müsse man sich noch mit dem Verein beraten. So oder so zeigt sich Osterloh von den Hollenstedtern enttäuscht – und zwar nicht nur von ihrem Verhalten während, sondern auch nach der Partie. „Es gab keine offizielle Entschuldigung. Das finde ich schon sehr schwach. Wenn man sich entschuldigt hätte, wäre das ein Anfang gewesen“, sagt Osterloh. Der Betreuer des TuS habe zwar im Vorfeld der Begegnung darauf hingewiesen, dass es bereits in der vergangenen Saison zum Zeitpunkt des Herbstmarktes in Hollenstedt zu Ausschreitungen in der Halle gekommen sei. Aber: „Der Verein hat nicht ausreichend gehandelt, auch nicht, als die Situation eingetreten ist“, kritisiert Osterloh.

Die Handball-Abteilung der Hollenstedter hat in der Zwischenzeit offiziell Stellung zu den Vorkommnissen bezogen. Es sei schade, wie das Spiel in diesen Tagen zur Nebensache geworden sei. Einige Anhänger der HSG hätten sich in den sozialen Netzwerken nach einem Posting der Damen-Mannschaft und dem Artikel im DELMENHORSTER KURIER zur Partie positioniert und den Sport damit in den Hintergrund gestellt. „Leider geriet dies schnell außer Kontrolle: Vorfälle wurden übertrieben und neue dazuerfunden, und für den Heimverein grenzten einige Aussagen an Rufmord“, heißt es in der Stellungnahme.

Es sei ein leidenschaftliches Spiel gewesen, in dem Hollenstedt die bekannte Heimstärke bewiesen habe. „Die Gegner gelangten über die 60 Minuten nicht einmal in Führung. Sie holten lediglich auf, weil Hollenstedt zeitweise nur zu viert auf dem Platz stand. Ärgerlich ist daher, die Schwächen der HSG und gar die Niederlage auf ein paar pöbelnde Fans zu schieben. Den Spielerinnen des TuS dann aber noch vorzuwerfen, sie hätten bei den Beleidigungen mit einem Lächeln reagiert, ist anmaßend. Denn auch unsere Spielerinnen wurden bei eigenen Fehlern beleidigt“, heißt es vonseiten des TuS weiter.

Um die Huder Niederlage geht es Lars Osterloh nach eigener Aussage allerdings gar nicht. „Sie haben nicht unverdient gewonnen. Das hat auch nie jemand in Abrede gestellt. Wir haben unsere Leistung nicht auf die Platte gebracht“, sagt Osterloh. Zu Letzterem hat laut des Trainers aber natürlich auch die Verunsicherung aufgrund der Vorkommnisse in der Halle ihren Teil beigetragen.

Unterschiedliche Aussagen gibt es zudem zu den Unparteiischen. Laut Osterloh waren diese total verunsichert und teilweise eingeschüchtert. Hollenstedt schätzt die Lage anders ein: „Das Team der erfahrenen Schiedsrichter bewies ein konzentriertes und souveränes Auftreten. Sie ließen sich nicht ablenken.“ Vom TuS-Betreuer habe es eine Ansage durch das Mikrofon gegeben, dass die unsportlichen Äußerungen bitte zu unterlassen seien. Die Ordner seien dann zur Stelle gewesen und hätten die Störenfriede ebenfalls nachträglich ermahnt. Für die Schiedsrichter habe es offensichtlich keinen Anlass gegeben, das Spiel unter- oder gar abzubrechen. „Denn die Lautstärke und unangemessenen Äußerungen wurden dadurch geringer. Auf der Spielaufzeichnung ist das deutlich erkennbar“, heißt es vom TuS.

Osterloh kann diese Eindrücke nicht bestätigen. Die Durchsage des Hallensprechers, man solle fair mit den Gästen umgehen, sei nur mit Gelächter seitens der Tribüne honoriert worden. Die Ordner hätten die Lage zu keiner Zeit unter Kontrolle gehabt. Insgesamt spricht der HSG-Coach von „fadenscheinigen Ausreden“ der Gastgeber. Die betonen derweil in ihrer Stellungnahme, viel Wert auf Fairness zu legen. „In einem Punkt sind Sportfreunde sich alle einig: Unfaires Verhalten hat auf und neben dem Platz nichts verloren. Die unangemessene und beleidigende Wortwahl wird in den Hollenstedter Hallen abgelehnt. Und noch wichtiger ist: Es ist in keiner Weise Gewalt gegen irgendeine Person angedroht oder ausgeübt worden“, heißt es seitens des TuS.

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