Baris Kocademir war der Torgarant des SV Baris, jetzt verteidigt er für den VSK Osterholz-Scharmbeck Gelungener Rollenwechsel

Vor der Winterpause schoss er als offensiver Mittelfeldspieler noch elf Tore für den Fußball-Kreisligisten SV Baris, jetzt läuft er als Innenverteidiger für den Landesligisten VSK Osterholz-Scharmbeck auf. Baris Kocademir musste sich innerhalb kürzester Zeit an eine höhere Spielklasse und an eine neue Position gewöhnen. Die Umstellung hat der 27-Jährige jedoch problemlos bewältigt, sodass sein neuer und sein ehemaliger Trainer nur ausgesprochen positive Worte über ihn verlieren.
28.03.2013, 05:00
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Gelungener Rollenwechsel
Von Christoph Bähr

Vor der Winterpause schoss er als offensiver Mittelfeldspieler noch elf Tore für den Fußball-Kreisligisten SV Baris, jetzt läuft er als Innenverteidiger für den Landesligisten VSK Osterholz-Scharmbeck auf. Baris Kocademir musste sich innerhalb kürzester Zeit an eine höhere Spielklasse und an eine neue Position gewöhnen. Die Umstellung hat der 27-Jährige jedoch problemlos bewältigt, sodass sein neuer und sein ehemaliger Trainer nur ausgesprochen positive Worte über ihn verlieren.

Delmenhorst·Osterholz-Scharmbeck. Das Lob des Weltmeisters fiel alles andere als sparsam aus: "Er ist ein Glücksfall für uns", sagte Günter Hermann vor einigen Tagen über Baris Kocademir. Der 27-Jährige hat beim Fußball-Landesligisten VSK Osterholz-Scharmbeck fast alle überrascht – seinen Trainer Hermann eingeschlossen. Während der Winterpause wechselte Kocademir vom Delmenhorster Kreisligisten SV Baris nach Osterholz-Scharmbeck, stieg um zwei Spielklassen auf und schlug auf Anhieb ein. Drei Siege aus drei Spielen holte das Hermann-Team in diesem Kalenderjahr bislang, immer stand Kocademir dabei in der Startelf des aktuellen Tabellenneunten.

Besonders interessant: Kocademir, der beim SV Baris noch der Spielmacher war, läuft jetzt als Innenverteidiger auf. Neu ist die Position für ihn jedoch nicht. "In der Jugend habe ich immer als Verteidiger oder als Sechser gespielt", berichtet der 27-Jährige. Seine Rolle im offensiven Mittelfeld der Delmenhorster sei eher aus der Not geboren gewesen: "Es fehlten die Alternativen auf der Position, und da hat der Trainer mich dort aufgestellt", erzählt Kocademir. Ausgebildet wurde er jedoch zum Abwehrspieler, und auch das System mit Viererkette, das Osterholz-Scharmbeck praktiziert, kennt Kocademir bestens. Einst verteidigte er schließlich für Werder Bremen in der U19-Bundesliga. "In der Jugend habe ich schon sehr hoch gespielt, in letzter Zeit habe ich dann den Fußball nicht mehr ganz so ernst genommen", sagt er. Als sich aber vor Kurzem die Chance auf die Landesliga ergab, war der Ehrgeiz wieder geweckt. Den Kontakt zum VSK hatte Kocademirs Freund Yasin Bilgin hergestellt, der im Winter ebenfalls nach Osterholz-Scharmbeck wechselte. "Ich wollte es dort unbedingt probieren und es noch einmal wissen", sagt Kocademir.

Eine Trainingseinheit in der Halle reichte, um seinen neuen Coach Günter Hermann zu überzeugen. "Er kannte mich vorher nicht, hat mich einmal gesehen und mir dann gleich eine Chance gegeben. Das zeigt, dass er ein guter Trainer ist", meint Kocademir. Die Umstellung von der hiesigen Kreis- auf die Landesliga Lüneburg sei anfangs nicht einfach gewesen. "Man hat weniger Zeit, die Gegenspieler sind schneller, und Fehler werden eher ausgenutzt", zählt Kocademir auf. Sein Start beim neuen Klub hätte dennoch kaum besser ausfallen können: Stammspieler, drei Siege und Lob vom Trainer. Dementsprechend zufrieden ist der Ex-Baris-Spieler: "Ich bin sehr froh, dass wir in der Tabelle jetzt erst einmal unten rausgekommen sind. Es wäre schließlich blöd, wenn ich nach Osterholz-Scharmbeck wechsele und der VSK dann absteigt."

Das Ziel für die restlichen Spiele sei es nun, möglichst schnell den Klassenerhalt perfekt zu machen, sagt Kocademir. Speziell der 4:1-Sieg beim Tabellenzweiten SV Teutonia Uelzen Anfang März habe zudem gezeigt, dass in der Mannschaft mehr steckt. "In der Liga sind alle Gegner schlagbar. Wenn noch einige Neue dazukommen, können wir in der nächsten Saison andere Ziele anpeilen", glaubt Kocademir. Daran wird deutlich: Seine Zukunft sieht der Abwehrspieler erst einmal in Osterholz-Scharmbeck. So viele Tore wie beim SV Baris wird er dort zwar in seiner neuen Rolle als Verteidiger nicht erzielen, doch das ist kein Problem, versichert Kocademir. "Wichtig ist, dass ich der Mannschaft helfe. Und bei Ecken bin ich weiterhin vorne mit dabei. Vielleicht klappt es demnächst mit einem Treffer."

Momentan sind Baris Kocademirs Gedanken also voll und ganz beim VSK Osterholz-Scharmbeck, doch sollte er irgendwann wieder in eine tiefere Klasse wechseln wollen, dann in jedem Fall zum SV Baris, betont er. "Ich schätze den Verein sehr. Die junge Mannschaft hat eine gute Perspektive", sagt Kocademir, der die Berichte über die Baris-Spiele weiterhin aufmerksam liest. So erfuhr er auch vom überraschenden 3:0-Erfolg seines ehemaligen Teams über den Spitzenreiter Ahlhorner SV am vergangenen Wochenende. "Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich im Winter so kurzfristig gewechselt bin. Umso mehr freut es mich jetzt, dass es für den SV Baris auch ohne mich gut läuft", betont der 27-Jährige. Die Delmenhorster haben in Baris Kocademir, der 2008 vom TV Esenshamm gekommen war, nicht irgendeinen Spieler verloren, sondern ihren besten Torschützen der Hinrunde. Auf elf Treffer hatte er es in nur zehn Partien gebracht. Sauer ist beim SV Baris jedoch niemand über Kocademirs Wechsel. Im Gegenteil: "Wir sind stolz auf ihn", betont Trainer Claus-Dieter Meier. "Durch ihn wird der Name SV Baris jetzt oft positiv erwähnt, und vielleicht kommt er ja irgendwann zu uns zurück."

Gelungener Rollenwechsel

Baris Kocademir war der Torgarant des SV Baris, jetzt verteidigt er für den VSK Osterholz-Scharmbeck

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"Ich hatte schon ein

schlechtes Gewissen, weil ich im Winter so kurzfristig gewechselt bin."

Baris Kocademir

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