Futsal

Geniestreich entscheidet Meisterschaft

Der TuS Heidkrug hat sich die Hallenkrone aufgesetzt. Dabei schaltete das TEam im Halbfinale den VfL Stenum aus und siegte im Endspiel gegen den VfL Wildeshausen.
26.01.2020, 20:20
Lesedauer: 5 Min
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Von Ralf Kilian

Das Beste kam zum Schluss: 26 Sekunden waren noch zu spielen im Finale der Futsal-Kreismeisterschaften, der TuS Heidkrug schien nach aufopferungsvollem Kampf beim Stand von 2:2 gegen den VfL Wildeshausen nur mit Mühe ins Entscheidungsschießen zu taumeln. Da wurde Marcel Marquardt in der gegnerischen Hälfte fast an der Eckfahne angespielt, dribbelte mit dem Gegner im Rücken nach innen und stand nach kurzer Drehung plötzlich frei vor VfL-Keeper Sebastian Pundsack. Doch anstatt aufs Tor zu knallen oder den Tunnel zu versuchen, lupfte er den Ball aus dem Stand drei Meter hoch und die Kugel senkte sich in hohem Bogen über den fassungslosen Pundsack ins Wildeshauser Tor. Nachher zogen unzählige Zuschauer oder Spieler imaginäre Hüte vor Marquardt, der mit diesem Zaubertor zum 3:2 das Finale für Heidkrug entschied.

Somit ist der TuS nach dem SV Tur Abdin und dem Ahlhorner SV der dritte Futsal-Kreismeister. Der Bezirksligist war nicht die technisch beste Mannschaft, aber die cleverste. „Heidkrug hatte noch nie die besten Spieler. Aber bei uns weiß jeder, was er machen muss“, erklärte Trainer Selim Karaca. Trotzdem war der Erfolg verdient, wie Wildeshausens Coach Patrick Meyer bestätigte: „Heidkrug hat einfach alles reingeschmissen, was ging. Vom Spielverlauf her war es etwas glücklich, aber insgesamt trotzdem verdient.“ Die Delmenhorster verteidigten diszipliniert und profitierten vorne von zwei A-Jugendlichen, die mit einem Zweitspielrecht für den VfL Stenum auflaufen. Neben Marquardt ist das Malcolm Jumpertz, der im Halbfinale gegen Stenum mit einem Doppelpack den 2:0-Finaleinzug sicherte.

Verdienter Sieger

Damit gingen drei Tage Futsal zu Ende, die trotz eines höchst interessanten Sonntags weiter Fragen nach dem Sinn dieser Veranstaltung aufwarfen. Immerhin war es jederzeit spannend. Besonders die Gruppe A geriet für die Halbfinalisten aus Heidkrug und vom SV Baris zum Drahtseilakt. Der spätere Sieger patzte direkt mit 1:2 gegen den TV Dötlingen. „Insgesamt haben wir schlechter verteidigt als gestern“, kritisierte Karaca. Ein 3:1 gegen Tur Abdin brachte den TuS wieder in die Spur, gegen Baris gelang nach Rückstand durch Lennart Stöver das 2:1-Siegtor. Stöver war es auch, der gegen Hude zum 1:1 ausglich und damit bei sieben Punkte und gleicher Tordifferenz (7:5 gegenüber 6:4) den Sprung unter die letzten vier perfekt machte. „Die Jungs hatten gestern Kohlfahrt, das war sicher nicht die beste Vorbereitung“, erklärte FCH-Trainer Ralf Buß.

Baris war zuvor nach zwei Siegen gegen Dötlingen (4:2) und Hude (2:1) schon fast durch, brauchte aber nach der Niederlage gegen Heidkrug einen Punkt gegen Abdin. Den rettete Mergim Bajqinovci mit dem 1:1 nach Rückstand durch Daniel Karli. Baris gelang damit der Gruppensieg mit gleicher Punktzahl und Tordifferenz wie der ausgeschiedene FC Hude. Für Abdin nahm Betreuer Christopher Demir das Ausscheiden locker: „Wir haben die Woche voll trainiert und dieses Turnier dabei nicht berücksichtigt. Am Ende haben wir uns trotzdem gut verkauft.“

Auch die Gruppe B wurde durch einen Dreikampf geprägt, Stenum gewann ihn schließlich mit neun Zählern vor Wildeshausen (8) und Vorjahressieger Ahlhorn (7). ASV-Trainer Servet Zeyrek haderte mit einigen Schiedsrichterentscheidungen in den Duellen mit Wildeshausen (3:3) und Stenum (0:2). Bei der entscheidenden Niederlage gegen Stenum verhängten die Schiedsrichter zwei Rote Karten wegen Notbremsen gegen Pierre Ritter (berechtigt) und Bassal Ibrahim (zu hart). Der VfL hatte durch ein brillantes Solo von Ole Stolle 1:0 geführt, Ahlhorn spielte nach den zwei Platzverweisen vier Minuten in Unterzahl und schluckte das 0:2 durch einen Strafstoß von Fynn Dohrmann. Der SV Atlas mit Rouven Heidemann als Spielertrainer verkaufte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten mit zwei Punkten ordentlich. „Bei uns haben heute fünf Neue mitgespielt, dafür haben wir das Optimale rausgeholt“, erklärte Heidemann. Eine besondere Ehre erfuhr Keeper Philipp Pollmann, der zum besten Torwart des Turniers gewählt wurde.

Ins Halbfinale ging der bis dahin unbesiegte VfL Wildeshausen als Favorit gegen Baris und wurde dieser Rolle gerecht. Lukas Schneider gelang bereits nach 28 Sekunden das Führungstor, Maxi Seidel packte bald das 2:0 obendrauf. „Die ersten fünf Minuten waren wir nicht richtig im Spiel. Danach waren wir auf Augenhöhe, sind aber gegen die beste Mannschaft des Turniers ausgeschieden“, kommentierte Baris-Teammanager Baris Caki. Mert Caki gelang nur noch das 1:2.

Das zweite Semifinale war quasi ein Bruderduell mit den für die Stenumer A-Junioren spielenden Marquardt und Jumpertz im Heidkruger Trikot. Jumpertz wurde zum Matchwinner mit zwei Buden zum 2:0-Erfolg, nachdem Stenums Alexander Kohlhaupt (ebenfalls noch A-Jugendlicher) zuvor den Innenpfosten anvisiert hatte. Mit dem Ergebnis unzufrieden war natürlich Trainer Thomas Baake, mit der Leistung aber überhaupt nicht. „Wir müssen zu Anfang das Tor machen. Dann laufen wir in den ersten Konter und Heidkrug trifft direkt zum 1:0. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, weil wir sehr aktiv Futsal gespielt haben und immer den Weg nach vorne gesucht haben.“ Belohnt wurde Stenums Aufwand mit Platz drei durch ein 3:1 im Sechsmeterschießen gegen Baris.

Beim Finale über zweimal zehn Minuten war Wildeshausen zunächst Chef im Ring. Wieder einmal wurde Schneider zum ersten Torschützen, erzielt per Freistoß in der sechsten Minute. Doch Marquardt, der zuvor schon aus gut und gerne 25 Metern das Lattenkreuz malträtiert hatte, knallte kurz vor dem Seitenwechsel einen Zehnmeter zum Ausgleich in den Winkel. Auch das Heidkruger 2:1 (12.) ging zu einem großen Teil auf Marquardt, dessen Hereingabe Robin Ramke ins eigene Tor grätschte. Der ansonsten offensiv höchst aktive Ramke konnte sich später mit der Auszeichnung zum besten Spieler des Turniers trösten. Schneider gelang nach 16 Minuten das 2:2, erneut per knallhartem Freistoß. Heidkrug schien mittlerweile vollkommen platt zu sein. Doch dann zauberte Marquardt den Ball mit wundersamer Flugkurve ins Tor.

Trainer kritisieren Futsal

Dieser abschließende Höhepunkt tröstete für Vieles, trotzdem muss man konstatieren: Futsal ist auch nach drei Jahren noch nicht im Kreis angekommen. Jahn-Trainer Arend Arends drückte es besonders drastisch aus: „Schade, dass wir als Fußballer zum Futsal gezwungen werden. Das ist in etwa genauso, als wenn Feldhockeyspieler plötzlich Eishockey spielen müssten.“ Dabei verwies Arends auf die nicht unbedingt üppig besetzten Zuschauerränge: „Ist ja auch nix los hier.“ Die Veranstalter von der TSG Hatten-Sandkrug, die ein Kompliment verdienen, sprachen hinterher großzügig von 200 Besuchern. Am Futsal gab es weitere Kritik, fast allerorten. „Es ist einfach kein flüssiger Sport“, meinte Servet Zeyrek. „Ich vermisse den klassischen Hallenfußball“, fügte Baris Caki hinzu. Viel Kritik gab es auch an den Unparteiischen. „Sie haben am Freitag eine völlig andere Linie verfolgt als heute“, beschrieb Ralf Buß das Dilemma, ähnlich eklatant fand Rouven Heidemann die Unterschiede zwischen Vor- und Zwischenrunde: „Die Schiedsrichter haben uns heute vorm Turnier erklärt, dass sie viel mehr laufen lassen als gestern.“

Ebenso wie die Spieler, die nur einmal im Jahr Futsal spielen, mussten auch die Referees sich auf die Regeln einlassen. Natürlich pfeifen viele von ihnen nach Futsal-Regeln im Jugendbereich, aber Tempo und Intensität beim Herren-Futsal sind noch einmal eine ganz andere Nummer. Viele Spieler hatten bei vielen Entscheidungen sichtbar ein Fragezeichen auf der Stirn, allerdings erklärten die Schiris auch viel zu viel und sorgten dadurch für Verzögerungen. Unschöner Höhepunkt war eine Rudelbildung am Ende der Partie Heidkrug gegen Baris (2:1), als Mikael Blümel – ansonsten als sehr besonnen bekannt – auf Schiedsrichter Sven Schlickmann losgehen wollte. Blümel hatte vorher Gelb gesehen, hatte weiter reklamiert und Schlickmann soll zu Blümel „Halt die Fresse“ gesagt haben. Zumindest bestätigten das selbst die Heidkruger. Am Ende hatte man das Gefühl, dass sämtliche Spieler aller Mannschaften sich einig waren in ihrer Kritik an den Schiedsrichterentscheidungen. Wobei man damit den Unparteiischen auch nicht gerecht wird. Futsal ist eben nur einmal im Jahr, zumindest im Herrenbereich. Viele Vereine würden sicher eine Abschaffung befürworten.

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