Handbal-Landesliga

Aufholjagd abgebrochen

Die Handballerinnen der HSG Delmenhorst haben die Saison nach schwachem Start auf Platz vier beendet. Auch die Aufholjagd der Herren der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg wurde, auf Platz zwei liegend, gestoppt.
23.04.2020, 09:50
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Von Rolf Behrens
Aufholjagd abgebrochen

In den beiden direkten Duellen setzte sich die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, in dieser Szene mit Carsten Jüchter (am Ball), jeweils gegen die HSG Delmenhorst II durch.

Fotos: INGO MöLLERS

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Es ist ungewöhnlich und hoffentlich einmalig, bereits im April ein Abschlussresümee der Handballsaison zu geben. Aber durch das abrupte Ende in Folge der Corona-Pandemie ruhen die Handbälle auch in den Landesligen der Damen und Herren. Die drei betreffenden Mannschaften – die Damen der HSG Delmenhorst, die Herren der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg und das Oberligareserveteam der HSG Delmenhorst – sind bis zum Knockout der Saison überwiegend zufrieden mit den Leistungen. Zeit für einen Rückblick.

Einig waren sich die drei verantwortlichen Trainer Ingo Renken (Damen HSG Delmenhorst), Stefan Buß (HSG Grüppenbühren/Bookholzberg) und Adrian Hoppe (HSG Delmenhorst II) darin, dass es richtig war, unter den gegebenen Umständen die Saison zu beenden, da das Wohl und die Gesundheit aller im Vordergrund stehen muss. Es habe keine Alternativen gegebem, in irgendeiner Form den Spielbetrieb fortzuführen. Auch über die Quotenregelung der Aufstiegsregelung – es gibt keine Absteiger – war man sich einig: Die fairste Lösung wurde gefunden. Wie und wann es sportlich weitergeht, ist unklar. Die Amateurhandballwelt hofft, dass die neue Saison im September starten kann.

HSG Delmenhorst (Damen): Nach 17 von 22 Spielen schlossen die Delmenhorsterinnen die Saison mit 21:13-Zählern und 470:444-Toren mit dem vierten Platz ab. „Unser Saisonstart verlief denkbar schlecht. Nach dem Auftaktsieg gegen die HG Bremerhaven standen wir nach fünf Spieltagen mit 4:6-Punkten nicht da, wo wir eigentlich stehen wollten“, erinnert sich Ingo Renken. Die deutlichste Niederlage in der Saison folgte dann am achten Spieltag mit 25:32 im Heimspiel gegen den SV Werder Bremen.

Aber der ohnehin kleine Kader, der zudem oft mit Ausfällen konfrontiert wurde, zeigte in vielen anderen Spielen, dass er seinen Platz im oberen Bereich der Liga hat. Die Moral und die kämpferische Leistung waren stets top. Besonders zu erwähnen ist hier das Heimspiel am 16. Februar gegen den TSV Intschede, als die Renken-Schützlinge nach 48 Minuten fast aussichtslos mit 25:32 in Rückstand lagen und das Spiel noch mit 35:33 für sich entschieden. Zwei Wochen später dann gab es allerdings einen Rückschlag, als die Renken-Damen beim Kellerkind TSV Bremervörde mit 15:19 eine enttäuschende Niederlage bezogen.

Von den zehn Saisonsiegen fuhr die HSG sieben zu Hause ein. Sechs Niederlagen bezogen die Delmenhorsterinnen in fremden Hallen. Als erfolgreichste Torschützin kristallisierte sich Stine Neitzel heraus. Mit 103 Treffern – davon 53 Siebenmeter – führte sie die interne Torschützenliste bei der HSG an. Sehr positiv für das gesamte HSG-Team während der Saison war, dass es keine Rote Karte gab. „Wir haben während der Serie oft am Limit gespielt und haben einen Superplatz erreicht. Schade, dass die Saison zu Ende ist. Wir hätten gern noch gespielt. Jetzt müssen wir abwarten, was kommt“, sagt Renken. Auch wenn die sportliche Zukunft in Corona-Zeiten unsicher ist, wagt er einen kleinen Ausblick. „Sandra Peters wird uns nur noch als Torwarttrainerin unterstützen. Dafür kommt aber Anneke Alfs wieder zurück. Bedingt durch einige Abgänge vor und während der Saison ist unser Kader recht klein und wir brauchen noch Zuwachs“, resümiert der HSG-Coach. Er wird auch in der kommenden Saison auf der Delmenhorster Kommandobrücke stehen.

HSG Grüppenbühren/Bookholzberg (Herren): Stefan Buß ersetzte zu Saisonbeginn den zum Verbandsligisten TV Neerstedt gewechselten Andreas Müller auf der Trainerbank des Landesligisten. Aber nicht nur der Coach war neu, sondern auch das Ligafeld. Die Spielgemeinschaft aus Grüppenbühren/Bookholzberg wurde nämlich zu Saisonbeginn von der Landesliga Weser-Ems in die Landesliga Bremen beordert. Also alles einmal auf Anfang für die Buß-Schützlinge.

Der neue Coach schöpfte für die Aufgabe in puncto Kaderzusammensetzung aus dem Vollen. Vor allem viele junge hoffnungsvolle Talente aus der Bundesliga-A-Jugend wollten nun auch im Herrenbereich durchstarten. „Die neu formierte Mannschaft hat etwas gebraucht, bis sie sich eingespielt und auf die neue Liga eingestellt hatte“, berichtet Buß. In den dann 19 ausgetragenen Pflichtspielen zeigte die Mannschaft aber, dass sie für die Liga eine Bereicherung ist. Das Ende kam zu früh für sie: Das Team hatte sich mit 31:7-Punkten auf Platz zwei vorgekämpft und hatte zum direkten Aufstiegsplatz, den der TV Oyten mit 31:5-Punkten belegte, Blickkontakt. Stefan Buß blickt positiv gestimmt auf die Spielzeit zurück: „Die Maßnahme, die auf Grund der Krise getroffen wurde, war die richtige. Oyten steht verdient da oben, doch hätten wir den Tabellenführer gern noch etwas geärgert“, sagt der Handball-Lehrer. Gegen Oyten verlor die HSG zwar das Heimspiel deutlich mit 20:29, im Rückspiel kurz vor dem Saisonabbruch setzte sie sich in Oyten allerdings mit 25:24 durch, und auch beim TV Schiffdorf, dem Dritten der Liga, gewann die HSG mit 37:33. Die Nummer eins war die Landkreis-HSG in den Derbys. Gegen die HSG aus Delmenhorst gewannen die Buß-Schützlinge mit 34:31 und 28:24.

Nach 19 Spielen stellte die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg auch den Torschützenkönig der Landesliga. Mit 143 Toren – darunter 71 Siebenmeter – führte Bennet Krix die Liste an. Allerdings gehörte die Mannschaft auch bei den Strafen zu den führenden Teams. Insgesamt 67 Zeitstrafen und vier Rote Karten zeigte die Bilanz.

Zurzeit ruhen die sportlichen Aktivitäten. „Wir machen gar nichts. Die Jungs sollen sich selbst etwas fit halten und laufen. Es ist eine schwierige Situation. Wenn die Kontaktsperre aufgehoben wird, dann fangen wir an. Geplant ist, vor der Saison ein Trainingslager in Dänemark zu absolvieren. Mal schauen, ob es klappt. Wie der Kader in der kommenden Saison letztendlich aussehen wird, muss man ebenfalls abwarten. Zurzeit ist es schwierig, zu planen“ meint Buß.

HSG Delmenhorst II (Herren): Für die Oberligareserve lief die Spielzeit bis zum Abbruch recht durchwachsen. „Wir waren von unserem Saisonziel, unter die ersten fünf zu kommen, weit entfernt“, räumt Trainer Adrian Hoppe ein. Das hatte von Beginn an viele Ursachen. „Die Trainingssituation/Beteiligung war teilweise recht mager. Dann kamen Verletzungen dazu, die kein Trainer braucht. Dadurch konnte die Mannschaft auch nur ansatzweise zeigen, wo ihr Können liegt“, erklärt er.

Der Saisonauftakt mit vier Niederlagen in Folge ging daneben. Das erste Erfolgserlebnis folgte am 26. Oktober beim 33:24-Sieg in Langen. Doch auch danach gab es nur bedingt positive Ergebnisse, sodass die Delmenhorster lange Zeit im Tabellenkeller festhingen. Auffallend bei der HSG war die schlechte Heimbilanz. Von den acht Heimspielen gewannen die Hoppe-Schützlinge lediglich zwei. Auswärts sah es dagegen schon besser aus. Sechs der elf Spiele gestaltete das Team siegreich. Erst gegen Ende des vergangenen und zu Beginn des neuen Jahres punktete die Oberligareserve mehrfach doppelt und so gelang der Weg auf dem Tabellenkeller ins gesicherte Mittelfeld. Zwar zog die Hoppe-Sieben am 25. Januar gegen das Spitzenteam TV Schiffdorf knapp mit 28:30 dem Kürzeren, doch bereits fünf Tage später gab es gegen den Tabellenführer TV Oyten ein stolzes 19:19-Unentschieden. Bei etwas mehr Konzentration in den Schlussphasen hätten beide Partien auch gewonnen werden können.

Die junge HSG-Mannschaft hat viele hoffnungsvolle Talente. Eines von ihnen ist Bastian Schäfer. Er fungierte als Haupttorschütze seines Teams. Mit 124 Toren – darunter 46 Siebenmeter – belegte er in der Landesliga-Torschützentabelle Platz fünf. Auf Rang 18 folgte hier Timo Barkemeyer mit 80 Treffern. Bei der Strafenbilanz wiesen die Hoppe-Schützlinge 67 Zwei-Minuten-Strafen und zwei Rote Karten auf.

Das vorerst letzte Handballspiel absolvierten die Delmenhorster am 8. März. Wie und wann es weitergeht, bleibt abzuwarten. Nicht mehr auf der Trainerbank Platz nehmen wird Coach Adrian Hoppe. Nach zwei Jahren hört er bei den Delmenhorstern auf und will zunächst einmal eine Pause einlegen. Die Trainerfrage, so HSG-Chef Jürgen Janßen, soll so schnell wie möglich geklärt werden. Gespräche laufen. Co-Trainer Frederic Oetken und Betreuer Jens Hafemann werden weiter beim Team bleiben. Den Kader verlassen wird bislang lediglich Tobias Schenk, der zur TS Hoykenkamp wechselt.

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