Handball

Wann geht es los?

Trainer der Handball-Bremenligisten stehen dem Punktspielbetrieb sehr skeptisch gegenüber
26.10.2020, 14:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Hollmann

Bremen-Nord/Schwanewede. Aufgeteilt in zwei Staffeln hätte am Wochenende die Handball-Bremenliga der Frauen beginnen sollen. Da aber für jede der ersten drei geplanten Begegnungen mindestens eine Formation von ihrem neuen Recht der Spielabsage Gebrauch machte, zögert sich der Saisonbeginn hinaus. Nach einem Beschluss des Bremer Handball-Verbandes dürfen alle Teams selbst ohne eine Sanktion entscheiden, ob sie bei Beteiligung einer Mannschaft mit einem Corona-Inzidenzwert von mehr als 50 in der entsprechenden Region auflaufen wollen.

In der Staffel B der Bremenliga befinden sich unter den sieben Teams gleich vier Mannschaften aus dem Bremer Norden beziehungsweise aus Schwanewede. „Das mit den zwei Staffeln finde ich eigentlich gut. Was mich stört, ist die Tatsache, dass man dreimal gegeneinander spielt“, meint Carsten Blum, der Trainer der HSG Vegesack-Hammersbeck. Der Übungsleiter hätte es besser gefunden, eine ganz normale Saison mit Hin- und Rückspielen zu spielen.

„Für mich besteht auch klar der Vorteil darin, dass es mehr Möglichkeiten gibt, an Wochenenden Spiele zu verlegen beziehungsweise nachzuholen, falls in Sachen Corona mal Spiele ausfallen müssen“, erklärt Carsten Blum. Zwölf Spiele hätten aus seiner Sicht vollkommen gereicht.

„Überlegenswert wären dann vielleicht Überkreuzspiele für den Aufstieg beziehungsweise Abstieg gewesen“, sagt Blum. So hätte man seiner Meinung nach noch genug Puffer gehabt, um die Saison zu Ende zu spielen. „Wenn der Trend der Politik so weitergeht, werden wir die Saison wahrscheinlich erst gar nicht starten“, prophezeit Blum. Nun verzögert sich der Start aber ganz ohne Mitwirkung der Politik.

Zurück zum Sport: Die HSG Vegesack-Hammersbeck verfügt mit Yasemin Sel über einen Neuzugang. Sel hat nach siebenjähriger Pause wieder mit Handball angefangen. Nicole Anders fällt diese Saison wohl aufgrund ihres Kreuzbandrisses komplett aus. „Nadine Rattai steigt wahrscheinlich nach der Geburt ihres Kindes im Juni erst wieder Anfang nächsten Jahres ein“, kündigt Carsten Blum an. Dennoch erwartet er mindestens den dritten Platz von seiner Mannschaft.

Der HSG Lesum/St. Magnus stehen in der neuen Saison Claudia Losch, Johanna Junge, Jana Hünecke und Torfrau Martha Witte nicht mehr zur Verfügung. Neu im Kader ist Ina Buchwald, die als Jugendliche für die TuSG Ritterhude auflief. „Aufgrund der Corona-Krise sind wir zunächst einmal froh, dass wir überhaupt nach dem abrupten Saisonende wieder trainieren können“, betont HSG-Trainerin Jutta Junge.

Die Unterteilung der Handball-Bremenliga in zwei Staffeln sei für sie und ihr Team okay. Nur so ist es ja überhaupt möglich, die Anzahl der Spiele unterzubringen“, gibt Junge zu bedenken. Ihre Mannschaft sehe den geplanten Saisonstart bei der momentanen Entwicklung der Corona-Infektionszahlen in Bremen und umzu sehr kritisch.

„Ist es wirklich zu vertreten, dass wir Punktspiele bestreiten?“, fragt sich Jutta Junge. Sie wäre sehr dankbar, wenn sich ihre Formation trotz Risikogebiets weiter in ihrem Kreis zum Training treffen könne. „Erwartungen für die neue Saison gibt es zurzeit nicht wirklich. Wir sehen uns als Freizeitsportler. Können wir spielen, dann gibt es sicher auch Ehrgeiz“, versichert Jutta Junge.

Im Moment würde aber jede Beteiligte der ersten Begegnung schon mit gemischten Gefühlen entgegensehen. „Wichtig ist uns im Moment unsere Gesundheit“, betont Jutta Junge. Deshalb wurde auch bereits die Begegnung gegen die SG Bremen-Ost am Sonnabend, 31. Oktober, abgesagt.

Der SV Grambke-Oslebshausen II hat es ebenfalls nicht so eilig mit dem Saisonstart. „Wenn wir die Möglichkeit haben, ein Spiel abzusagen, dann tun wir das. Meinem Co-Trainer Ralf Gentzsch und mir ist das Corona-Risiko einfach zu hoch“, räumt der neue SVGO-II-Coach Kenneth Böhnke ein. Seine Mannschaft hätte deshalb auch bereits seit drei Wochen nicht mehr trainiert.

„Es ist doch einfach irrsinnig, dass sich die Teams in der Umkleidekabine nicht begegnen sollen, dann aber auf dem Feld in die Zweikämpfe gehen“, schimpft der 60-Jährige. Während er sich persönlich fit und nicht der Risikogruppe zugehörig fühle, wolle er andere schützen: „Ich möchte nicht, dass das Virus zu den Älteren weitergetragen wird.“

Kenneth Böhnke könne es auch nicht verstehen, dass sich privat nicht mehr als zehn Personen aus zwei Haushalten treffen sollen, aber ein Mannschaftssport mit viel mehr Beteiligten in der Halle erlaubt sein soll. Das Saisonziel, der Klassenerhalt, rücke angesichts der Pandemie erst einmal in den Hintergrund. „Abgesehen davon gibt es auch Attraktiveres, als gleich dreimal in der Saison auf denselben Gegner zu treffen“, kritisiert Kenneth Böhnke den neuen Spielplan.

Die HSG Schwanewede/Neuenkirchen gewann mit Jasmin Oltmann-Janßen eine neue Torfau. Verlassen haben das Team dagegen Mareike Homberg, Selina Garstka und Emily Elfers. Dem neuen und alten HSG-Coach Ulf Dremel, der bekanntlich wieder Janina Lehmann auf der Kommandobrücke ablöste, vermag sich angesichts der Entwicklung in Sachen Corona auch nicht richtig auf Handball zu konzentrieren: „Tatsächlich weiß ich gar nicht so richtig, was ich sagen soll.“

Rein sportlich werden bei den „Schwänen“ nach einigen Jahren in der Landesklasse oder an der Spitze der Bremenliga nun erst einmal wieder kleinere Brötchen gebacken. „Wir stellen uns irgendwie einen Mittelfeldplatz vor“, blickt Dremel ein wenig voraus.

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