Handball

Handball für alle ist das Motto

Die HSG Stuhr wurde 2016 mit Peter Thölken, Jürgen Schneider und Mario Wittenberg an der Spitze aus der Taufe gehoben und ist somit die jüngste Spielgemeinschaft der Handball-Region Mitte Niedersachsen.
27.08.2020, 11:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Prütt
Handball für alle ist das Motto

Christoph Schneider ist eines der Gesichter der HSG Stuhr. Die Männermannschaft spielt seit der Gründ der Spielgemeinschaft in der Landesliga.

Michael Braunschädel

Brinkum. Abstand halten. So lautet in Zeiten von Corona das oberste Gebot. „Social Distancing“ – das war auch bei den Handballern der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, des FTSV Jahn Brinkum und des TV Stuhr über viele Jahre angesagt. Mittlerweile ziehen die einstigen Rivalen aus dem Norden des Landkreises Diepholz unter dem Namen HSG Stuhr an einem Strang. Die 2016 von Peter Thölken, Jürgen Schneider und Mario Wittenberg aus der Taufe gehobene Spielgemeinschaft ist die jüngste in der Handball-Region Mitte Niedersachsen (HRMN). Im Jugendbereich hatten die drei Klubs bereits in der Saison 2015/16 unter dem Namen HSG BriSeck-Stuhr gemeinsame Sache gemacht.

„Alleine hätte es keiner von uns geschafft.“ Jürgen Schneider bringt es auf den Punkt. „Die Spielgemeinschaft in der Jugend war keine Dauerlösung, wir mussten die jungen Leute irgendwie auffangen“, blickt der zweite Vorsitzende der HSG Stuhr und ehemalige Spartenleiter des FTSV Jahn Brinkum auf die Anfänge zurück. Mit der ersten Männermannschaft hat Schneider das sportliche Aushängeschild mit in die Spielgemeinschaft eingebracht. Seit deren Gründung sind die Herren in der Landesliga unterwegs. Dass dies auch in der kommenden Spielzeit so sein wird, hat die HSG ein Stück weit der Corona-Krise zu verdanken. Beim Abbruch der Saison zierte der seit 14 Jahren von Sven Engelmann trainierte frühere Oberligist das Ende der Tabelle. Es drohte der Absturz auf Regionsebene. Die letzte Saison von Trainer Sven Engelmann am Brunnenweg – sie war eine zum Vergessen. „Ich weiß nicht, ob wir den Klassenerhalt noch geschafft hätten“, sagt Jürgen Schneider. Da der Verband aber entschieden hat, dass es keine Absteiger geben wird, ist die HSG Stuhr noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Nach dem Ende der Ära Engelmann setzen die Macher auf einen Mann aus den eigenen Reihen: Mike Owsiaowski. „Owo“, wie der Engelmann-Nachfolger im Lager der HSG Stuhr gerufen wird, wechselt quasi das Metier. Zuletzt zeichnete sich Mike Owsianowski für die Frauen der Spielgemeinschaft verantwortlich. Mit Erfolg. Er kommt als Aufsteiger zu den Männern. Als Vizemeister der Regionsliga rückt die einzige Frauenmannschaft der HSG Stuhr in die Regionsoberliga auf.

Die Frauen steigen auf

Der Frauenhandball in Brinkum war Mitte der 1990er Jahre bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst auf dem Höhepunkt angekommen. Damals spielten die Damen der TSG in der der Regionalliga. Mit dem Ende der Zeit in der dritthöchsten deutschen Spielklasse brachen für die gesamte Abteilung schwierige Jahre an. 14 Teams gingen in Spitzenzeiten für die von Peter Thölken geführte TSG Seckenhausen-Fahrenhorst an den Start. 2012 waren es noch drei. Von derart erfolgreichen Zeiten ist die HSG Stuhr weit entfernt. Alte Rivalitäten begraben, Befindlichkeiten hinten anstellen und damit den Frauenhandball stärken – damit wollten sich bei der Gründung der HSG nicht alle Handballerinnen anfreunden. Einige hörten auf, andere zog es zu anderen Vereinen. Inzwischen habe man wieder ein gutes Fundament geschaffen, versichert Owsianowski. In der höchsten Liga auf Regionsebene werden die HSG-Frauen in Zukunft auf das Kommando von Phillip Albers hören. Albers steigt vom Co-Trainer zum Chef auf.

Bezahlter Oberliga-Handball bei den Männern, wie beim FTSV Jahn Brinkum unter der Führung von Heinz-Wilhelm Düßmann und Heinz-Dieter Harries in den 1990er Jahren, gehöre der Vergangenheit an, betont Jürgen Schneider. Geld gebe es schon lange keines mehr für das spielende Personal. Und auch die Honorare für Trainer müssten sich im Rahmen bewegen. Erfolge würden sich nicht von heute auf morgen einstellen. Es gebe viel aufzuarbeiten. Geduld sei angesagt. Durchhaltevermögen. Auf den Nachwuchs setzen. So könne es gehen. Das sagt Mario Wittenberg. Aus der Jugend etwas aufbauen – das ist genau das Ding des Studenten und angehenden Lehrers. Er ist mit Anfang 20 nicht nur bei der HSG als Koordinator für den Nachwuchs unterwegs, sondern auch Stellvertretender Vorsitzender Jugend in der Handball-Region Mitte Niedersachsen. 2026 sei ein gutes Jahr für eine Zwischenbilanz, findet Mario Wittenberg. „Dann existiert die HSG Stuhr zehn Jahre „, erklärt der dritte Vorsitzende und Jugendwart der Spielgemeinschaft.

HSG meldet weibliche D-Jugend

Bei den Jüngsten sehe es gut aus, wähnt Wittenberg die HSG Stuhr auf einem guten Weg. Zwölf Teams meldete die Spielgemeinschaft in der Saison 2019/20 bei den Maxis, Minis und der E-Jugend. Kein Klub aus der gesamten HRMN hatte mehr Mannschaften am Start. Aktionswochen in den Grundschulen zahlten sich aus, freut sich Wittenberg über Zulauf. 15 bis 20 Kinder kämen jedes Jahr dazu. Bei den Mädchen sei es schwieriger als bei den Jungs, verweist er auf die Konkurrenz durch den Korbball. Zur neuen Saison hat die HSG nach vielen Jahren wieder eine weibliche D-Jugend gemeldet. Die Nähe zu Bremen mache es nicht unbedingt einfacher. „Wir müssen ein Stück weit damit leben, dass uns das eine oder andere Talent den Rücken kehrt. Bremer Klubs wie der TuS Komet Arsten und der ATSV Habenhausen sind bequem mit dem Bus zu erreichen“, sagt Wittenberg. Nicht für jeden jungen Handballer laufe es bei einem der großen Nachbarn aus der Hansestadt aber wie erhofft. Wittenberg: „In der B-Jugend haben wir inzwischen den einen oder anderen Rückkehrer.“ Handball für alle wolle man bei der HSG Stuhr anbieten. „Die Qualität müsse aber schon stimmen“, schiebt Wittenberg nach.

Sie seien schon drei unterschiedliche Typen im Vorstand, verrät Jürgen Schneider. Peter Thölken sei als Vorsitzender der ruhende Pol, Mario Wittenberg der Workaholic und er selbst als Verantwortlicher für den Seniorenbereich stehe irgendwo dazwischen. Die Gründung einer Spielgemeinschaft sieht das Vorstandstrio auch nach vier Jahren als unvermeidbaren Schritt. Mehr als 20 Mannschaften hat die HSG Stuhr zur neuen Saison gemeldet – alleine, das dürfte klar sein, hätte das keiner der drei Klubs geschafft. Gemeinsam geht mehr – unter diesem Motto haben die Rivalen von früher einen vielversprechenden Neustart hingelegt.

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Spielgemeinschaften gibt es im Handball viele. Manche sind erfolgreich, andere haben sich schon wieder aufgelöst. In unserer Serie „Gemeinsame Sache“ berichten wir ab sofort über die Geschichten der Handball-Spielgemeinschaften im Landkreis Diepholz und in der Nachbarschaft.

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