Handball

HSG Phoenix: Ein Sieg mit Hallo-Wach-Effekt

Dank einer bärenstarken zweiten Halbzeit dreht die Schweitzer-Sieben das Auftaktspiel gegen den TuS Rotenburg II.
04.10.2020, 10:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
HSG Phoenix: Ein Sieg mit Hallo-Wach-Effekt

Freude über den Comeback-Sieg: (v. l.) Krystian Stachnik, Timo Schmidt, Kevin Kuhnigk und Jonas Langnau feiern den 31:28-Erfolg.

Thorin Mentrup

Bassum. Dieser Auftakt hatte alles, was Handball ausmacht: Spannung, Tempo, Dramatik – und eine tolle Aufholjagd der HSG Phoenix. Die Landesklasse-Handballer drehten am ersten Spieltag einen 13:17-Pausenrückstand gegen den TuS Rotenburg II noch in einen 31:28-Triumph. Der Start geriet direkt zum emotionalen Höhepunkt.

Eigentlich war die Phoenix-Flugroute nach rund zwei Minuten klar: Zu diesem Zeitpunkt hatte Kevin Kuhnigk einen klug vorgetragenen Angriff zur Führung abgeschlossen, war der erste Angriff der Rotenburger an der Defensive der Gastgeber zerschellt und Willi Dück hatte den Gegenzug im höchsten Tempo mit dem 2:0 gekrönt. Es war ein kraftvoller Beginn der Heimsieben. Als hätte es die lange Corona-Pause gar nicht gegeben. „Wir sind wirklich gut reingekommen und haben das umgesetzt, was wir umsetzen wollten“, war Schweitzer sehr einverstanden mit dem Auftakt seines Teams, das die Gäste gut stellte und auch im Angriff kaum Fehler machte. Phoenix konnte Rotenburg zwar nicht distanzieren, legte aber zumindest zunächst meist vor.

Der Faden reißt

Doch das änderte sich. Es kam ein Bruch ins Phoenix-Spiel. Der zweite Teil der ersten Hälfte entglitt den Gastgebern. „Da hat nicht mehr alles funktioniert. Und dann kommst du zu Beginn einer Saison, wo du nicht weißt, wo du stehst, ins Grübeln“, spürte Schweitzer, wie seine Mannschaft unruhiger wurde, als sich die Gäste ein paar Vorteile erspielten. Besonders in der Schlussphase des ersten Durchgangs geriet Phoenix außer Tritt. Willi Dück sah gleich zwei Zeitstrafen, seine Mitspieler mussten die Gäste von der Wümme davonziehen lassen. Der 13:17-Pausenstand wirkte wie ein emotionaler Tiefschlag.

Den Glauben an seine Mannschaft habe er dennoch nicht verloren, war Schweitzer weiterhin vom Sieg überzeugt. Viel habe es auch nicht gebraucht, um seine Spieler wieder aufzurichten. „Einen kleinen Hallo-Wach-Effekt“, wie der Coach sagte. Mehr nicht. Es wurde also nur kurz laut im Phoenix-Nest. Danach habe er wieder das Selbstvertrauen in den Augen seiner Spieler gesehen, so Schweitzer.

Und er hatte sich nicht getäuscht. Phoenix-Keeper Yannick Mädler pushte sich und seine Mitspieler noch vor dem Wiederanpfiff bis ans Limit. Leere Worte? Mitnichten. Mit einer ganz anderen Körpersprache und -spannung sowie Einstellung starteten die Gastgeber die Mission Aufholjagd. Selbst das 13:18 konnte sie nicht mehr schocken. „Die Jungs haben es richtig gut gemacht“, lobte Schweitzer sein Team für die Explosivität, die es im Angriffsspiel entwickelte, und vor allem für eine ganz starke Verteidigungsarbeit.

Die nur elf Gegentreffer nach dem Seitenwechsel waren kein Zufall. „Wir haben richtig Beton angerührt“, schwärmte Schweitzer davon, wie vielbeinig seine Sieben nun agierte und vor allem, wie entschlossen sie zupackte. Phoenix erarbeitete sich immer mehr Respekt. Ganz stark dabei Lennardt Wolff, der auf der Halbposition verteidigte, weil Dück vorbelastet war. Der Rechtsaußen, der im Vorjahr noch in der zweiten HSG-Mannschaft gespielt hatte, feierte ein ganz starkes Debüt. Insgesamt bescheinigte Schweitzer jedoch dem kompletten Team einen starken Auftritt.

Kuhnigk als HSG-Topscorer

Als Kuhnigk, mit acht Treffern der Toptorschütze der HSG, in der 44. Minute zum 22:22 traf und dafür sorgte, dass die Gastgeber zum ersten Mal seit 17 Minuten nicht mehr zurücklagen, war der Ausgleich bereits überfällig. Einige Male stand den Gastgebern das Holz im Weg. Doch im Gegensatz zu den ersten 30 Minuten waren sie jetzt komplett gefestigt. Rotenburg war beeindruckt, „und wir körperlich überlegen“, fügte Schweitzer an. Wolff brachte die Gastgeber mit 23:22 in Front (45.). Phoenix flog endgültig auf der Euphoriewelle. Über 27:23 und 28:26 steuerte die HSG dem Auftaktsieg entgegen.

„Wir hätten sogar noch höher gewinnen können“, fand Schweitzer. Für ihn zählte die Aufholjagd jedoch wesentlich mehr. „Daraus können wir viel Energie für die kommenden Auftritte ziehen. Wir haben jetzt den ersten Schritt gemacht. So soll es weitergehen.“

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