Handball

„Es wird Gewinner und Verlierer geben“

Die Handball-Saison ist nach wie vor unterbrochen. Der HVN befasst sich mit verschiedenen Szenarien, ob und wie es weitergehen könnte. Doch wie denken die hiesigen Teams darüber? Wir haben nachgefragt.
04.04.2020, 12:57
Lesedauer: 3 Min
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„Es wird Gewinner und Verlierer geben“
Von Maurice Reding
„Es wird Gewinner und Verlierer geben“

Für Sven Engelmann könnte es bei der HSG Stuhr ein leiser Abschied werden, wenn die Saison vorzeitig beendet wird.

Michael Braunschädel

Wie geht es für die Handballer weiter? Diese Frage ist aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor nicht zu beantworten. Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) will auf diese Frage aber eine Antwort finden. Deshalb kommen die Mitglieder des Präsidiums an diesem Mittwoch, 8. April, zu einer Online-Konferenz zusammen. Bei dieser Konferenz sollen drei Szenarien diskutiert werden: Eine Fortsetzung, eine weitere Aussetzung oder eine vorzeitige Beendigung des Spielbetriebs. Doch wie denken die hiesigen Teams darüber – und welches Szenario würden sie präferieren?

HSG Stuhr

Die Sieben von Trainer Sven Engelmann rangiert in der Landesliga Bremen der Männer momentan auf dem letzten Tabellenplatz und wäre bei einem vorzeitigen Saisonende unmittelbar betroffen. Ob die HSG dann in der Landesliga bleiben darf oder in die Landesklasse runtergeht, hängt von der Auf- und Abstiegsregelung des HVN ab. Engelmanns Meinung hierzu ist eindeutig: „Eine faire Lösung wäre, wenn es nur Aufsteiger und keine Absteiger geben würde. Unfair wäre dagegen, wenn die letzten beiden absteigen müssten. Das fände ich unsportlich.“ Sollte die Saison fortgesetzt werden, spricht sich Engelmann für englische Wochen aus. „So könnte man mit der Saison weitermachen“, sagt er. Für die HSG Stuhr stünden dann noch acht Spiele an. „Zwei davon sind Spiele, die wir wohl nicht gewinnen können. Bei den restlichen Partien sehe ich unsere Chancen bei 50:50“, glaubt der Coach noch an einen möglichen Klassenerhalt. Eine Fortsetzung der Saison wäre auch für Engelmann persönlich wichtig. Der Coach verlässt die HSG zum Ende der Saison bekanntlich nach 14 Jahren. Es droht ein leiser Abschied.

HSG Phoenix

Für die Sieben von Trainer Jens Monsees war es bislang eine Saison zum Vergessen. Alle 17 Spiele haben die HSG-Frauen in der Landesliga Weser-Ems verloren. Der Abstieg ist bereits besiegelt – oder doch nicht? Für Phoenix könnte sich bei einem Saisonabbruch noch eine Hintertür öffnen, sofern es keine Absteiger gibt. „Wenn die Möglichkeit besteht, setzen wir uns zusammen und diskutieren, ob das Sinn macht“, sagt Monsees. Dass der HVN bei seiner Konferenz zu einem Entschluss kommt, glaubt der Phoenix-Trainer nicht. „Wir sind noch in so einer frühen Phase der Epidemie und dürfen deshalb nicht zu früh in den Mannschaftssport wieder reingehen“, richtet Monsees einen Appell an die Entscheidungsträger. Deshalb mache es Sinn, den Spielbetrieb weiter ruhen zu lassen. Monsees: „Wir sollten weitere zwei bis drei Wochen den Spielbetrieb aussetzen. Frühstens Ende April kann man vielleicht darüber nachdenken, ob die Saison weitergespielt wird.“ Generell müsse abgewartet werden, wie sich die Situation entwickele. „Ich liebe Handball und liebe Sport. Ich bin aber auch realistisch, dass es erst mal keinen Sinn macht zu spielen“, sagt Monsees, der derzeit Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen betreibt.

HSG Bruchhausen-Vilsen

Für die Frauen der HSG Bruchhausen-Vilsen ist die aktuelle Spielzeit bisher erfolgreich verlaufen. Die Sieben von Andreas Schnichels steht in der Landesklasse auf dem dritten Tabellenplatz. Spitzenreiter HC Bremen wird kaum noch einzuholen sein, doch den TSV Morsum auf dem zweiten Aufstiegsplatz könnten die Vilserinnen in fünf Spielen bei nur drei Zählern Rückstand noch abfangen. Schnichels hält es für die fairste Lösung, wenn die Saison zu Ende gespielt werde. Gleichzeitig betont er: „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das passieren wird.“ Je höher die Liga, desto schwieriger sei es, die Spieler fit zu halten. Dennoch glaubt er, dass eine Fortsetzung der Saison möglich wäre. „Bei den Seniorenligen geht nach hinten raus noch was. Ich sehe bei den Jugendligen Probleme, weil dort im April und Mai die Qualifikationsspiele anstehen. Deshalb glaube ich, dass die Saison im Juniorenbereich nicht zu Ende gespielt wird“, sagt Schnichels. Für die Vereine sei die derzeitige Situation nicht leicht. „Man muss sich mit verschiedenen Szenarien befassen. Es wird Gewinner und Verlierer geben“, sagt der Trainer der Vilserinnen.

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