Meine Woche Handball ist nicht nur Familie, sondern auch Religion

Stephan Rix (41) ist Trainer der ersten Handball-Damen sowie der weiblichen A-Jugend des SV Grambke-Oslebshausen. Selbst war Stephan Rix ­sogar in der Oberliga Nordsee im Einsatz.
07.03.2018, 09:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 28. Februar: Der Wecker klingelt morgens um 6 Uhr. Bei den derzeitigen Temperaturen ist das Aufstehen gar nicht so einfach. Beim zweiten Wachrütteln meiner Frau Sabine erbarme ich mich endlich. Bei der Gelegenheit möchte ich gleich die Gelegenheit nutzen, zu erwähnen, dass dieser Aufwand, zwei Mannschaften mit hohem Engagement zu trainieren, ohne meine Frau überhaupt nicht möglich wäre. Die von mir zu erfüllenden Aufgaben im Haushalt gehen dank ihrer Hilfe gen null. Heute ist Ultimo im Monat Februar. Das bedeutet viel Arbeit im Unternehmen Franz Gottwald GmbH und Co KG. Es handelt sich um einen familiengeführten Betrieb mit Zweigstellen in Bremen, Hamburg, Finnland und Lettland. Hier bin ich leitender Angestellter der Abteilung Fluid-Engineering, Hydraulik und chemischer Wartungsprodukte. Zum Glück ist es hier quasi so wie beim Sport. Wenn du mit Lust und Leidenschaft hingehst, kommt es dir nicht wie Arbeit vor. Um 16 Uhr mache ich Feierabend. Ich fahre nach Hause und mache den Ofen an. Nach ein bisschen Entspannung kommt um 18.15 Uhr meine Frau nach Hause. Sie absolviert gerade eine dreiwöchige Urlaubsvertretung im Friseur-Salon für ihre Chefin, die auf Mallorca weilt. Später essen wir dann zu Abend. Meine Mutter hat gekocht und uns durch Papa Rix Bratfisch und Kartoffelsalat zukommen lassen. Das Essen ist ein Traum. Nach dem Essen mache ich die Trainingsvorbereitung für die morgige Doppelschicht mit der weiblichen A-Jugend und den Damen. Normalerweise wäre heute Abend noch Kicken mit der vierten Herrenmannschaft angesagt, in der ich selbst noch aktiv mitwirke. Das Spielen fällt aber heute aus, da in der Halle ein Nachholspiel der weiblichen C-Jugend stattfindet. Bei der derzeitigen Hallensituation ist dies nicht anders möglich. Am Abend gibt es ein wenig Gruppenkuscheln mit Familie und Katze Havana auf der Couch.


Donnerstag, 1. März:
Im Laufe des Tages hagelt es Absagen für das A-Jugend-Training. Schuld ist die Grippewelle. Meine Tochter Leonie ist auch betroffen. Geplant war die Vorbereitung auf das Spiel am Sonnabend bei der JSG Wilhelmshaven. Klarer Fall von Pustekuchen. Es sind nur noch neun Spielerinnen übrig. Dies macht die Aufgabe nicht einfacher, gegen die kompakten Jade-Städterinnen. Kniffe und Auslösehandlungen sollten meine Mädels für die Demontage einer soliden 6:0-Abwehr eigentlich noch mit auf den Weg bekommen. Die gesunden, übrig gebliebenen Akteurinnen dürfen um 20 Uhr am Damentraining teilnehmen. Für den Damenbereich sind zwölf Teilnehmerinnen gemeldet. Das finde ich angesichts der derzeitigen Influenza-Überflutung beachtlich. Unsere Devise heißt, die Spannung hochzuhalten. Jede Mannschaft möchte doch den ungeschlagenen Tabellenführer ärgern. Am Sonnabend-Abend spielen wir in der Bremenliga gegen den TS Woltmershausen II.


Freitag, 2. März:
Es war wieder eine kurze Nacht. Dieses Mal lag es daran, dass Leonie um 23.30 Uhr zum ambulanten Notdienst musste. Durch das viele Husten hat sich irgendetwas verkrampft und ihr extreme Schmerzen bereitet. Eine Infusion löst die Schmerzen, sodass gegen 3 Uhr alle zur Ruhe kommen. Zum Glück habe ich nur einen kurzen Arbeitstag bis 14.30 Uhr. Im Laufe des Tages trudeln weitere Absagen für das Spiel der A-Juniorinnen ein. Wir müssen das Match in Wilhelmshaven daher absagen. Ich begebe mich noch kurz auf die Couch, bevor ich mit Torsten Humann, Mathias Herkt, Nathi Fröse und Kimi Rathjen, meiner Frau Sabine, meiner Tochter Leoni, ihrem Freund Alex Rotenberg und Freundin Diana zu unserem Stammgriechen und Sponsor Kosta Iordanidis ins Restaurant Orpheas gehe. Handball ist Familie. Zum gemeinsamen Gucken des Fußballspiels von Werder Bremen bei Borussia Mönchengladbach bei mir kommen später auch noch Nico Greulich und Kosta dazu. Trotz Werders 0:2-Rückstands zur Pause gehen wir optimistisch in die zweite Halbzeit. Letztlich sind wir mit dem Punkt auswärts zufrieden.


Sonnabend, 3. März:
Mein Nachbar Josef Kaiser, Alex und ich nutzen den gefrorenen Wassergraben, um an die vom letzten Sturm umgekippten Bäume zu gelangen und diese zu Brennholz zu verarbeiten. Wir sind bei traumhaftem Wetter in Bewegung. Meine Frau hat zum Frühstück beim weltbesten Fleischer, der Fleischerei Boes in Burg, eingekauft. Ich brauche allerdings etwas Deftiges und esse die Reste vom gestrigen Orpheas-Besuch. Ich gucke noch ein bisschen Bundesliga-Konferenz, bevor es in mein zweites Wohnzimmer, die Handball-Halle, geht. Alex spielt um 18.30 Uhr gegen die HSG Blexer TB/SVN für die männliche A-Jugend. Eigentlich ist er Fußballer. Dieses wurde aber nicht lange von uns geduldet. Wir haben ihn daher zum Handballer bekehrt. Handball ist nicht nur Familie, sondern auch Religion. Dafür, dass Alex noch nicht so lange dabei ist, macht er seine Sache schon sehr gut. Sein Team siegt auch dank seiner fünf Treffer mit 34:11 und festigt somit Rang eins in der Regionsoberliga Nord. Um 20 Uhr spielen dann meine torhungrigen Damen. Eine der dienstältesten Spielerinnen, Nicole Tesch, beruft nach dem 29:18-Sieg über den TS Woltmershausen II eine Kabinenfeier mit Bierpong und Pizza-Essen ein.⇒
Sonntag, 4. März:
Ich wache leicht verkatert von der guten Kabinenparty von gestern auf. Daher lege ich auch einen Couchtag bis zum Nachmittag ein. Dann geht es zum Spiel der vierten Herrenformation, in dem wir in der Stadtliga A eine 26:31-Niederlage gegen den ATSV Habenhausen IV beziehen. Dafür genieße ich noch den elften Sieg meiner Damen in Folge. Abends gibt es leckere selbst gemachte Hühnersuppe. Dann schaue ich mir im Fernsehen noch das Handball-Champions-Leaque-Match des THW Kiel bei Paris St. Germain an. Die Kieler erkämpfen sich dabei einen Punkt, der Rang vier in der Gruppe B bedeutet.


Montag, 5. März:
Endlich wird es wieder etwas milder. Die Sonne scheint auch. Dies entspricht schon eher meinem bevorzugten Wetter. Nach Feierabend schaue ich mir an, was das Lazarett meiner weiblichen A-Jugend so hergibt. Wir haben ein Training von 18.30 bis 20 Uhr angesetzt. Im Anschluss folgt das Training meiner Damen. Es handelt sich um ein Belohnungstraining für die Siegesserie und um die Vorbereitung auf die alles entscheidenden Spiele gegen die HSG Delmenhorst II in den beiden kommenden Wochen. Zwischendurch bespreche ich mit den Wilhelmshavener Verantwortlichen noch einen neuen Termin für das ausgefallene Spiel der A-Juniorinnen.


Dienstag, 6. März:
Nach der Arbeit gucke ich mir das letzte Spiel unserer weiblichen B-Jugend gegen den TV Oyten in der Verbandsliga Nord an. Leider belegen diese nur den letzten Platz in ihrer Staffel. Die meisten Spielerinnen werden allerdings in die weibliche A-Jugend aufrücken und können uns in den letzten Spielen in der Verbandsliga West noch verstärken.

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