Handball

Noah Dreyer: Die Gier nach Spielpraxis

Noah Dreyer blickt auf seine Zeit bei der SG Achim/Baden zurück und freut sich nun auf den TV Oyten.
05.05.2020, 18:30
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Noah Dreyer: Die Gier nach Spielpraxis
Von Florian Cordes
Noah Dreyer: Die Gier nach Spielpraxis

Zwei Spielzeiten trug Noah Dreyer das Trikot der SG Achim/Baden. In der neuen Saison streift der Rückraumspieler wieder das Jersey des TV Oyten über.

Björn Hake

Am vergangenen Sonnabend wäre es so weit gewesen: Die SG Achim/Baden hätte mit einem Heimspiel gegen die HSG Schwanewede/Neuenkirchen die Saison in der Handball-Oberliga Nordsee abgeschlossen. Doch dazu kam es wegen des frühzeitigen Abbruchs der Spielzeit nicht. Noah Dreyer ist darüber durchaus traurig. Denn für den Rückraumspieler wäre der vergangene Sonnabend auch der Tag gewesen, an dem er sich offiziell von der SG Achim/Baden verabschieden wollte.

Noah Dreyer beschleicht dieser Tage durchaus ein seltsames Empfinden, wenn er an Handball denkt. Seit vielen Wochen ruhen nun schon der Spiel- und der Trainingsbetrieb. Hinzu kommt jetzt noch sein Abschied aus der Oberliga – quasi durch die Hintertür. „Es ist natürlich ein sehr komisches Gefühl. In den letzten fünf bis sechs Wochen hatte ich durchaus gespürt, dass ich noch ein vollwertiges Teammitglied bin. Doch jetzt ist es endgültig vorbei“, sagt der 20-Jährige, der kurz vor dem Abschluss seiner Berufsausbildung steht. „Leider habe ich nun nicht die Möglichkeit, mich im Rahmen des letzten Saisonspiels von den Verantwortlichen, der Mannschaft und den Zuschauern zu verabschieden. Das gibt die aktuelle Situation nun einmal leider nicht her.“

Immerhin habe die Mannschaft in den vergangenen Wochen virtuell immer mal wieder den Kontakt gehalten. „Und so haben wir jetzt auch auf das Ende der Saison zumindest ein bisschen angestoßen“, erzählt Dreyer. „Wer weiß, vielleicht können wir ja auch noch den Abschluss ein wenig feiern, wenn die Politik es zulässt, dass sich wieder ein paar mehr Leute treffen dürfen.“

Der Kontakt zu den Mitmenschen habe ihm zuletzt sehr gefehlt. Und der Handball. „Der Sport ist nun einmal Teil meines Lebens. Es fehlt einem sehr, wenn man sonst dreimal in der Woche trainiert und oft die Mitspieler sieht“, sagt er. Richtig schlimm sei es, sonnabends auf der Couch zu sitzen, wenn eigentlich ein Spiel anstehen würde. „Laufen gehen oder ab und zu mal mit dem Bruder im Garten Fußball zocken, können das nicht auffangen“, sagt Dreyer schmunzelnd.

Wann die Couch an den Wochenenden nicht mehr zu einer Art Stammplatz wird, das ist ungewiss. In einem Bereich herrscht für Noah Dreyer aber schon Gewissheit – und zwar, wo er seine Laufbahn fortsetzt. Der Rückraumspieler schließt sich dem Nachbarklub der SG Achim/Baden an, dem TV Oyten. Den Wechsel gaben die „Vampires“ bereits einige Wochen vor dem Saisonabbruch bekannt. Dreyer kehrt somit zu dem Verein zurück, bei dem er bisher seine sportlich größten Erfolge gefeiert hat. In den beiden Jahren, in denen die A-Jugend des TVO unter Thomas Cordes in der Bundesliga unterwegs gewesen war, gehörte Dreyer dem Team in der ersten Saison im Oberhaus an. Während dieser Zeit avancierte er zu einem der besten Torjäger der Liga.

An diese erfolgreiche Zeit konnte er bei der SG Achim/Baden, zu der er im Sommer 2018 wechselte, nicht anknüpfen. Während mit Malte Meyer sich ein weiterer Ex-Bundesligaspieler des TV Oyten in den vergangenen Monaten bei der SG endgültig in der Oberliga etablierte, blieb Dreyer während der Saison 2019/2020 nur die Rolle des Ergänzungsspielers. „In meiner ersten Saison in Achim lief es für mich noch ganz gut“, blickt der Auszubildende zurück. „Im zweiten Jahr habe ich dann aber eben nicht mehr die Spielpraxis erhalten, wie ich mir das erhofft hatte.“ Dreyer spricht offen darüber, dass er sich von seinem Trainer Tobias Naumann mehr Vertrauen gewünscht habe. Nachtreten wolle er aber keineswegs. Den großen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft habe er dennoch immer genossen. „Ich bin immer sehr gerne zum Training gefahren. Zudem war die Kulisse in Achim immer überragend. Es war immer toll, bei den Heimspielen so viele bekannte Gesichter auf der Tribüne zu entdecken.“

Daher möchte Noah Dreyer die Zeit bei der SG Achim/Baden auch nicht missen. Er nehme viel aus diesen beiden Jahren mit, wenn er künftig wieder für seine „alte Liebe“, den TV Oyten, aufläuft. „Die zwei Jahre in Achim waren auf keinen Fall eine verschenkte Zeit“, stellt Dreyer klar. „Denn auch im Training habe ich viel mitgenommen.“ Vor allem von den erfahrenen Spielern wie Florian Block-Osmers, Tobias Freese und Fabian Balke, die bereits in der 3. Liga – oder in Block-Osmers’ Fall sogar in der 2. Bundesliga – gespielt haben, habe er viel gelernt. „Solche Dinge mitnehmen zu dürfen, sind auch nicht zu bezahlen“, findet der 20-Jährige. Obwohl er zuletzt nicht auf die von ihm erhofften Einsatzzeiten gekommen war, verlässt Dreyer die SG Achim/Baden aus den von ihm genannten Gründen nicht im Groll.

Der Blick, er richtet sich nun aber bei dem jungen Handballer nach vorne. Die Freude, wieder das blaue Trikot des TVO zu tragen, ist groß bei ihm. Auch wenn eine Rückkehr zum handballerischen Alltag momentan nicht ersichtlich ist. „Ich weiß, dass ich in Oyten gut aufgehoben bin.“ Dieses Gefühl habe ihm Marc Winter, neben Lars Müller-Dormann künftig sein Trainer, bei den ersten Gesprächen auf Anhieb gegeben. Zudem freue er sich darauf, bald wieder mit einigen seiner alten Bundesliga-Weggefährten in einem Team zu spielen.

Den Ball nimmt er dann aber eben nicht mehr in der Oberliga, sondern eine Klasse tiefer in die Hand. „Natürlich geht es für mich jetzt eine Liga nach unten. Ich will aber nicht sagen, dass es ein Schritt zurück ist für mich. Schließlich ist die Verbandsliga auch für mich vollkommen neu“, sagt Dreyer. Wäre der TV Oyten in der Landesliga geblieben, habe er daran wohl doch ein wenig zu knabbern gehabt. Doch diesen Gedanken kann er beiseite wischen. Aufgrund der Quotientenregel durfte Oyten den Aufstieg feiern. Was in der Liga möglich ist, vermag Dreyer nicht zu beurteilen. Es ist eben noch viel ungewiss. Persönlich nimmt er sich hingegen vor, dass er in Oyten da weitermacht, wo er im Jahr 2018 aufgehört hat. „Ich will wieder mehr Spielpraxis haben und mich wieder zu einem Führungsspieler entwickelt“, sagt er. So wie in der Saison 2017/2018, als Noah Dreyer mit dem TV Oyten in der Jugend-Bundesliga unterwegs war.

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