Handball-Landesliga Frauen

Mehr Fragezeichen als Antworten beim TSV Intschede und TSV Morsum

Der TSV Intschede und der TSV Morsum wären an diesem Wochenende in die neue Saison gestartet. Wegen der steigenden Corona-Zahlen haben beide Teams aber den Trainingsbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt.
27.10.2020, 18:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Jürgen Prütt

Punktspiele dürfen von den Vereinen abgesagt werden, wenn der Corona-Inzidenzwert eines der beteiligten Teams über 35 liegt. Dieses Modell hatte der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) am vergangenen Mittwoch beschlossen (wir berichteten). Von der Möglichkeit machten die allermeisten Teams Gebrauch. Aus dem Kreis Verden waren am vergangenen Sonntag nur die Drittliga-Frauen des TV Oyten im Einsatz. Für das kommende Wochenende zeichnet sich das gleiche Szenario ab. Die SG Achim/Baden trägt beispielsweise keine Spiele aus. Das teilte Cord Katz, Teammanager des Handball-Oberligisten, mit. Betroffen sind neben der ersten Mannschaft auch die zweite Herren sowie die Jugendteams auf Verbandsebene. Bei allen Mannschaften werde von Woche zu Woche geschaut, ob die Spiele ausgetragen werden, sagte Katz. Der TSV Daverden und die HSG Verden-Aller haben gar den Training- und Spielbetrieb bis auf Weiteres eingestellt.

Auch die Handballerinnen des TSV Intschede und TSV Morsum werden am Wochenende nicht auf die Platte zurückkehren. Für beide Teams hätte am Sonnabend die Saison in der Landesliga Nord-Ost begonnen. „Wir fahren nicht aus einem Risikogebiet zu einem Klub, wo die Fallzahlen noch relativ niedrig sind und schleppen dann womöglich auch noch das Virus ein. Das wäre unverantwortlich“, sagt Jannik Sievers. Sievers, der die Handballerinnen des TSV Intschede gemeinsam mit Niklas Bodenstab trainiert, wäre mit seiner Crew am Sonnabend in den Landkreis Harburg zur HSG Seevetal/Ashausen gefahren. Dort betrug der Inzidenzwert am Dienstag 36,2. Für Aufsteiger TSV Morsum hätte die Saison mit einem Heimspiel gegen den TSV Wietzendorf begonnen. Auch dazu wird es nicht kommen. Beide Teams von der linken Weserseite gehen sogar einen Schritt weiter – der Trainingsbetrieb wurde bis auf Weiteres eingestellt. „Wir setzen so lange aus, bis sich die Lage entspannt hat und der Inzidenzwert wieder unter 50 ist“, erläutert Morsums Trainer Timo Lütje.

Unterschiedliche Ziele

Seit Anfang Juli befindet sich Lütje mit seinen Aufsteigerinnen wieder im Training. Unterstützt wird der Übungsleiter weiterhin von seiner Frau Anke. Neu im Trainerteam ist Maren Thalmann. Nach Beendigung ihrer Handballkarriere – in der Saison 2000/2001 war Maren Thalmann mit dem Klub aus der Samtgemeinde Thedinghausen in der Oberliga unterwegs – hatte die Morsumerin ihre Liebe zum Triathlon entdeckt. „Ich freue mich über die Unterstützung. Als Spezialistin bringt Maren das Team im Bereich Athletik weiter nach vorne. Wir wären auf jeden Fall fit in die Saison gestartet“, sagt Lütje. Verzichten muss der Coach in der neuen Spielzeit auf Antje Wilkens und Alina Mielczarek. Torfrau Wilkens setzt ihre Karriere in der zweiten Mannschaft des TSV fort, Mielczarek schnürt ihre Schuhe in Zukunft für den TuS Frisia Goldenstedt in der Landesklasse Weser Ems. Den beiden erfahrenen Abgängen stehen die Zugänge von Stina Röttjer und Ester Lovell gegenüber. Beide Spielerinnen kommen aus unteren Ligen. Röttjer war zuletzt für die HSG Cluvenhagen/Langwedel in der Regionsoberliga unterwegs, Lovell erzielte für die HSG Verden-Aller II in der Regionsliga in elf Spielen 62 Tore.

„Oberste Priorität hat der Klassenerhalt. Springt dann am Ende Platz fünf oder sechs dabei heraus, wäre das super“, sieht Timo Lütje sein Team gerüstet für die Saison in der höheren Liga. Abzuwarten bleibt allerdings, wie der TSV den Verlust von Alina Mielzcarek verkraften wird. Mit 65 Treffern war die Rückraumspielerin hinter Lena Meding (97 Tore) in der Landesklasse zweitbeste Werferin ihrer Mannschaft. Mit einer Einschätzung tut sich Timo Lütje auch deshalb schwer, da bis auf den Nachbarschaftsrivalen TSV Intschede alle anderen Teams aus der Kategorie „unbekannte Gegner“ kommen. In der Vorbereitung hat der TSV Morsum unter anderen gegen die Halstenbeker Turnerschaft (Hamburg-Liga), den TV Oyten II (Oberliga) und die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg (Landesliga Nord) getestet. „Wir haben gegen Oyten mit neun und Grüppenbühren mit einem Tor verloren, das war schon okay“, stuft Lütje die vergangenen Ergebnisse ein.

Beim TSV Intschede erhofft sich Trainer Jannik Sievers von dem Staffelwechsel einen kleinen Vorteil. 10:0 Punkte hatte der TSV im vorigen Jahr nach fünf Spielen als Aufsteiger in der Landesliga Bremen auf dem Konto. Am Ende landete das Team um Haupttorschützin Michele Dahlendorf (158 Saisontore) auf Platz sechs. Nun geht es erneut gegen überwiegend unbekannte Gegner. „Vielleicht spielt uns das ja noch einmal in die Karten“, hofft der 25-jährige Sievers auf einen Überraschungseffekt.

Personell gibt es in Intschede nur einen Wechsel im Kader: Für Jana Albert (Schwangerschaftspause) ist Valerie Steinhauser neu im Aufgebot. Zuletzt hat die 25-Jährige für die TG 88 Pforzheim in der 3. Liga Süd gespielt. Nach ihrem Umzug aus dem Süden nach Verden hat sich Steinhauser dem TSV Intschede angeschlossen. Im Team von Jannik Sievers und Niklas Bodenstab bildet sie mit der jungen Cora Witzschke und Henrike Schwittek ein Kreisläufertrio. „Mit Valerie haben wir die durch den Abgang von Jana entstandene Lücke am Kreis geschlossen“, sieht Jannik Sievers seine Sieben personell gut aufgestellt. 15 Spielerinnen umfasst der Kader. Den letzten Feinschliff holte sich das Team bei einem Trainingslager in Westerstede. Man habe im dortigen Sportzentrum Hössen optimale Bedingungen vorgefunden, erläutert Jannik Sievers. In einem Testspiel wurde der Elsflether TB aus der Landesliga Nord knapp mit 31:29 bezwungen. In der Abwehr habe sein Team sich gesteigert, urteilt der junge Übungsleiter.

In seine zweite Spielzeit in der Landesliga geht der TSV Intschede mit einer Youngster-Truppe. Nur vier Spielerinnen – darunter Linkshänderin Michele Dahlendorf und Neuzugang Valerie Steinhauser – sind älter als 22 Jahre. Als Ziel hat man sich im Lager des TSV eine Platzierung im oberen Mittelfeld gesetzt. Er könne die Liga nur schwer einschätzen, erläutert Jannik Sievers. „Mit der HSG Nienburg II ist ein Aufsteiger dabei, die HSG Seevetal/Ashausen ist eine neue Spielgemeinschaft und auch die anderen Gegner sind unbekannt.“

Starttermin unklar

Apropos schwer einzuschätzen. Das gilt auch für den Starttermin. Am dritten Spieltag (Sonnabend, 14. November) stünde in der Gustav-England-Halle in Thedinghausen das erste Derby zwischen den beiden Nachbarschaftsrivalen, die in der Jugend eine Spielgemeinschaft bilden, auf dem Programm. Ob die Handballerinnen des TSV Intschede und TSV Morsum bis dahin aus ihrer selbst verordneten Zwangspause zurückgekehrt sein werden, scheint aufgrund der aktuellen rasant steigenden Infektionszahlen eher unwahrscheinlich.

Weitere Informationen

Kader

TSV Intschede

Zugänge: Valerie Steinhauser (TG 88 Pforzheim)

Abgänge: Jana Albert (Schwangerschaftspause)

Restkader: Lena Hahn, Alina von Ahsen - Lisa-Marie Gerling, Henrike Schwittek, Natascha Lukovac, Luisa Hahn, Gina Kastens, Michele Dahlendorf, Friederike Hinz, Marieke Witzschke, Cora Witzschke, Theres Meisloh, Mia Bruhn, Stina Winkelmann

Trainer: Jannik Sievers und Niklas Bodenstab

Torwart-Trainer: Lutz Evers

Saisonziel: Oberes Mittelfeld

Meisterschaftsfavorit: Keine Angaben

TSV Morsum

Zugänge: Stina Röttjer (HSG Cluvenhagen/Langwedel), Ester Lovell (HSG Verden-Aller)

Abgänge: Antje Wilkens (TSV Morsum II), Alina Mielczarek (TuS FRISIA Goldenstedt)

Restkader: Saike Röpke, Marlena Rosebrock - Kristin Becker, Edda Gohl, Anina Szczesny, Denise Schwarz, Saskia Küster, Lena Meding, Lisa Gagelmann, Angelina Gajan, Anna Lefers, Kathrin Höher, Inga Buchmann

Trainer: Timo Lütje

Co-Trainerin: Anke Lütje

Athletiktrainierin: Maren Thalmann

Saisonziel: Klassenerhalt

Meisterschaftsfavorit: Keine Angaben PRÜ

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