Nach dem Ausschluss von Australien boykottieren Bahrain und Vereinigte Arabische Emirate die WM Handball-Weltverband im Dilemma

Leipzig. Mit Spannung blickt die Handball-Welt am 21. November nach Herzogenaurach.
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Von Martin Kloth

Mit Spannung blickt die Handball-Welt am 21. November nach Herzogenaurach. Ausgerechnet in Deutschland will sich der Weltverband IHF aus der WM-Falle befreien. Denn nach dem fragwürdigen Ausschluss Australiens und der folgenden umstrittenen Wildcard für die deutschen Handballer haben gut zwei Monate vor Beginn des Turniers in Katar die Boykotte von Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein nie gekanntes Dilemma heraufbeschworen. „Es ist schade, wenn qualifizierte Mannschaften nicht teilnehmen“, sagte Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Von der IHF war bis Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen, die über die dürftigen Pressemitteilungen hinausging.

Groß war der Jubel in Katars Handballverband, als der Rat der IHF 2011 im schwedischen Malmö entschied, dass sich das Emirat am Persischen Golf mit seiner Bewerbung gegen Frankreich, Polen und Norwegen durchgesetzt hatte. Stolz stellten die Gastgeber ihre großen Pläne vor: Nur drei Arenen, alle in einer Stadt und maximal 25 Kilometer von den WM-Hotels entfernt. Im Schatten der nicht enden wollenden Diskussionen um die Fußball-WM 2022 sollte das Handball-Turnier vom 15. Januar bis 1. Februar Katar als geeigneten Gastgeber für sportliche Großereignisse aller Couleur präsentieren.

65 Tage vor dem Auftaktspiel in Doha zwischen Katar und Brasilien ist von der Euphorie nicht mehr viel zu spüren. Der Grund dafür sind einmalige Vorgänge in der Geschichte der Handball-WM, die maßgeblich auch der Weltverband zu verantworten hat. Weil der Kontinentalverband Ozeanien nicht die geforderten zehn Mitglieder aufwies, wurde Qualifikationssieger Australien die WM-Teilnahme verweigert – im Gegensatz zu sieben Turnieren davor. Kurzerhand erteilte die IHF den nicht qualifizierten Deutschen eine Wildcard als Belohnung für WM-Platz fünf 2013.

Die unerwarteten Rückzüge des Zweiten und Vierten der Asienmeisterschaft rücken die politische Situation der Golf-Region in den Mittelpunkt und stellen den Weltverband vor Probleme. Bereits im März hatten der deutsche Vorrundengegner Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate wegen Einmischung in innere Angelegenheiten und Gefährdung der regionalen Sicherheit ebenso ihre Botschafter aus Katar abgezogen wie Saudi-Arabien.

„Uns wurde von Topoffiziellen gesagt, dass politische Spannungen zwischen beiden Ländern der Grund für die Absage sind“, zitierte die Tageszeitung „Gulf Daily News“ am Dienstag auf ihrer Internetseite einen Funktionär aus Bahrains Verband, der anonym bleiben wollte. Hintergrund ist die angebliche Unterstützung der Muslim-Bruderschaft in Ägypten. Auch das Verhältnis von Oman und Kuwait zu Katar gilt deswegen als angespannt.

Weil Asienmeister Katar zugleich Gastgeber ist, hat der Kontinentalverband vier Startplätze. Als einziges qualifiziertes Team hat Iran nicht abgesagt. Nachrücker könnten der Fünfte Südkorea und der Neunte Japan sein, weil Saudi-Arabien, Kuwait und Oman auf den Rängen sechs bis acht aus politischen Gründen verzichten könnten.

Trotzdem erwartet der DHB-Chef ein würdiges Turnier. „Ich glaube nicht, dass es eine belastete WM ist. Jeder Gegner, der an einer WM teilnehmen darf, tut alles, um sein Bestes zu geben“, sagte Bernhard Bauer. An weitere Nachrücker aus Europa nach der „Lex Deutschland“ (beste nicht qualifizierte Mannschaft der WM 2013) glaubt er nicht. „Das ist Spekulation, ob wir eine EM haben werden“, sagte er. 14 von 24 WM-Teams kommen aus Europa.

Viele Fragen sind derzeit offen. Rücken entsprechend den Regeln asiatische Teams nach? Werden diese 1:1 für Bahrain und VAE in die Gruppen einsortiert? Gibt es eine neue Gruppenauslosung oder wird nur gelost, in welche der beiden betroffenen Gruppen C und D die Nachrücker kommen? Haben Teams anderer Kontinente eine Chance? Die Antworten muss der IHF-Rat am 21. November geben.

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